Menü

Die Fahrprüfung: Abläufe und Regelungen in Deutschland

Der Führerschein ist für viele Menschen ein wertvolles Dokument - schließlich erlaubt er eine hohe Mobilität im Alltag. Rund um die Fahrerlaubnisprüfung gibt es jedoch einiges zu beachten: Unterschiedliche Gesetze regeln, wer sie ablegen kann und wie der Ablauf der Prüfung erfolgen muss. Wichtige Informationen rund um Fahrprüfungen erhalten Sie in diesem Artikel.

Führerscheinklassen und Altersvoraussetzungen im Überblick

Insgesamt gibt es 14 Führerscheinklassen in Deutschland, diese sind grundsätzlich unterteilt in die Fahrerlaubnis für Krafträder (Klasse A), für PKW (Klasse B), Lkw (Klasse C), Bus (Klasse D) und Sonderfahrzeuge (Klasse T und L). Für alle Klassen müssen Fahrschüler am theoretischen und praktischen Unterricht teilnehmen und jeweils eine Prüfung ablegen. Die notwendigen Voraussetzungen und der Umfang der Fahrschulausbildung unterscheiden sich je nach Führerscheinklasse und den bereits erworbenen Führerscheinen des Fahrschulanwärters. Für Privatpersonen sind in der Regel nur die Führerscheine der Klassen A und B interessant.

Altersbeschränkungen für das Fahren von Krafträdern und PKW

AM: Mindestalter je nach Bundesland 15 oder 16 Jahre

A1: Mindestalter 16 Jahre (schließt Klasse AM ein)

A2: Mindestalter 18 Jahre (schließt Klasse AM und A1 ein)

A: Mindestalter 24 Jahre (Direkteinstieg) oder nach zweijährigem Besitz der Klasse A2 (schließt Klasse AM, A1 und A2 ein)

B: Mindestalter 18 Jahre bzw. 17 Jahre für das Fahren mit Begleitperson (schließt Klasse M und L ein)

(Stand 11/2017)

Fahrschulunterricht und Prüfungen der Führerscheinklasse A

Personen mit AM-Führerschein dürfen Kleinkrafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h fahren. Das Führen größerer Krafträder ist durch die Führerscheinklassen A1, A2 und A geregelt.

Unterricht und Prüfung der Klasse AM

Der theoretische Unterricht umfasst 14 Doppelstunden; Kenntnisse werden anhand von 30 Multiple-Choice-Fragen mit 110 möglichen Punkten in der theoretischen Prüfung abgefragt. Um die theoretische Prüfung zu bestehen, müssen 100 Punkte erreicht werden. Die Anzahl der praktischen Stunden ist nicht vorgeschrieben. Nach Bestehen der 30-minütigen Fahrprüfung wird der Führerschein durch den Fahrprüfer ausgehändigt.

Unterricht und Prüfungen der Klassen A1, A2 und A

Die Ausbildung der Klassen A1, A2 und A umfasst 16 Doppelstunden Theorieunterricht und zwölf Pflichtstunden Praxisunterricht. Es gibt jedoch Abkürzungen der Unterrichtseinheiten für die Erweiterung des Führerscheins innerhalb der A-Klassen: Bei Besitz der Klasse A1 von mindestens 2 Jahren ist nur eine praktische Prüfung für die Klasse A2 erforderlich. Das gleiche gilt für die Erweiterung der Klasse A2 auf A.

PKW: Führerschein der Klasse B

In Deutschland sind Personen ab 18 Jahren nach bestandener Prüfung zur Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Pkw berechtigt. Eine Sonderregelung ist der Führerschein ab 17: Vor dem 18. Geburtstag dürfen Jugendliche bei bestandener Prüfung mit einer Begleitperson am Straßenverkehr teilnehmen. Die Führerscheinprüfungen sind identisch, es wird jedoch nach erfolgreichen Fahrerlaubnisprüfungen statt dem gewöhnlichen Kartenführerschein eine Prüfungsbescheinigung ausgestellt. In dieser wird die Begleitperson vermerkt.

Der Fahrschulunterricht

Für den Führerschein der Klasse B müssen 14 Doppelstunden Theorieunterricht absolviert werden. Der praktische Unterricht umfasst eine nicht festgelegte Anzahl an Übungsstunden. Zusätzlich wird das Autofahren fünf Stunden auf der Landstraße, vier Stunden auf der Autobahn und drei Stunden bei Dunkelheit geübt.

Ablauf der Prüfungen

Bei der theoretischen Führerscheinprüfung wird bei einem Träger wie dem TÜV ein Fragebogen ausgefüllt. Dieser umfasst 30 Multiple-Choice-Fragen, bei denen 110 Punkte erreicht werden können. Die Prüfung ist bestanden, wenn der Fahrschüler nicht mehr als 10 Fehlerpunkte sammelt. Die Fragen werden zuvor in der Fahrschule geübt. Bei praktischen Fahrprüfungen muss der Anwärter 45 Minuten mit einem TÜV-Prüfer am Straßenverkehr teilnehmen, der das Fahrverhalten bewertet. Ist der Anwärter bei Bestehen seiner praktischen Fahrerlaubnisprüfung bereits 18 (bzw. 17), wird der Führerschein (bzw. die Prüfungsbescheinigung) direkt ausgehändigt.

Durchfallquoten

Jeder dritte bis vierte besteht die Fahrprüfung nicht. Die hohen Durchfallquoten belegen, dass eine gute Vorbereitung essentiell ist. Bei einer Wiederholung müssen neue Gebühren entrichtet werden.

Zeitliche Rahmenbedingungen für Unterricht und Prüfungen

Jugendliche dürfen ein halbes Jahr vor Erreichen des Mindestalters mit dem Fahrschulunterricht beginnen. Praktische Führerscheinprüfungen dürfen frühestens vier Wochen vor dem 18. (bzw. 17.) Geburtstag abgelegt werden. Zudem darf zwischen theoretischer und praktischer Führerscheinprüfung kein ganzes Jahr vergangen sein. Ist die Führerscheinprüfung nicht bestanden, kann der Fahrschüler sie nach 14 Tagen wiederholen. Das ist unbegrenzt oft möglich.

Verkürzung bei Erweiterung des Motorrad-Führerscheins

Personen, die bereits über einen Führerschein der Klasse A verfügen, können den Unterricht verkürzen. In diesem Fall müssen nur noch 6 Theoriestunden absolviert werden; der Fragebogen umfasst 20 Fragen. Die maximale Fehlerquote zum Bestehen des Tests bleibt jedoch gleich.

Anmeldung für Fahrprüfungen der Klassen A und B

Um an Fahrerlaubnisprüfungen teilzunehmen, muss sich der Anwärter zuvor offiziell beim Straßenverkehrsamt anmelden. Der Ablauf kann sich von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden. In der Regel müssen Formulare und ein Foto sowie Nachweise für einen Sehtest und absolvierten Erste-Hilfe-Kurs eingereicht werden.

Kosten der Führerscheinprüfung

Die gesamten Kosten des Führerscheins belaufen sich auf ca. 1.500 bis 2.700 Euro. Sie setzen sich zusammen aus der Anzahl der Fahrstunden, den Prüfungskosten und zusätzlichen Kosten. Hierzu zählen beispielsweise Anmeldegebühren für die Fahrschule, der Erste-Hilfe-Kurs, der Sehtest und Unterrichtsmaterialien. Bei Wiederholung der Prüfung fallen die Prüfungskosten erneut an.

Aktuell belaufen sich die Kosten für die Führerscheinprüfung der Klasse A und B auf:

Klasse A:

  • Theorieprüfung: 22,49 Euro
  • Praktische Prüfung A und A2: 121,38 Euro
  • Praktische Prüfung AM und A1: 91,75 Euro
  • Praktische Prüfung Stufenregelung: 80,92 Euro

Klasse B:

  • Theorieprüfung: 22,49 Euro
  • - Praktische Prüfung: 91,75 Euro

(TÜV Nord, Stand 11/2017)

Ausschluss und besondere Auflagen

Ausgeschlossen von der Führerscheinprüfung in Deutschland sind alle, die keinen eingetragenen Wohnsitz im Inland vorweisen können. Zudem ist die körperliche, geistige und charakterliche Eignung eine Voraussetzung für den Führerscheinerwerb. Die Fahrerlaubnis kann zudem beschränkt oder an besondere Auflagen gebunden ausgestellt werden. Für körperlich eingeschränkte Personen gibt es in Deutschland behindertengerechte Fahrschulen mit Spezialfahrzeugen.

Sonderfall: Fahrerlaubnisprüfungen nach Führerscheinentzug

Verkehrsteilnehmer, denen der Führerschein entzogen wurde, müssen die Fahrerlaubnisprüfung eventuell erneut ablegen, wenn sie ihren Führerschein zurückerhalten wollen. Seit der Gesetzesänderung zur Fahrerlaubnis-Verordnung von 2009 dürfen Behörden eine erneute Fahrerlaubnisprüfung jedoch nur noch dann verlangen, wenn eine berechtigte Annahme vorliegt, dass der Bewerber die erforderlichen Fähigkeiten nicht mehr besitzt. Bei einem längeren Führerscheinentzug muss oft eine Sperrfrist abgewartet und zusätzlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) in Kauf genommen werden, die die Fahreignung des Antragstellers bestätigt.

Wieder nach oben