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Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU)

Wer am deutschen Straßenverkehr mit einem Kraftfahrzeug teilnehmen möchte, muss dafür in vielerlei Hinsicht geeignet sein. Treten an dieser Eignung Zweifel auf, kann eine sogenannte Medizinisch-Psychologische Untersuchung (kurz MPU, im Volksmund „Idiotentest“ genannt) angeordnet werden. Was eine solche Überprüfung konkret bedeutet, wann diese angeordnet werden kann und wie der Ablauf ist, erfahren Sie in den nachfolgenden Inhalten.

Die Geschichte der MPU

Ihre Ursprünge hat die Medizinisch-Psychologische Untersuchung bereits Anfang des 20. Jahrhunderts – nicht in Deutschland, sondern den Vereinigten Staaten von Amerika. Hier waren insbesondere vertrauenswürdige Führer von öffentlichen Verkehrsmitteln gefragt, die sich im Vorfeld einer Begutachtung unterstellen mussten. Die Grundidee eines Eignungstests war geboren.

Nach dem zweiten Weltkrieg – im Jahre 1951 - kam die Notwendigkeit einer Untersuchung auch in Deutschland auf. Mit der Anzahl der Kraftfahrzeuge und Straßen stieg auch die Zahl der Verkehrstoten – nicht selten lagen die Gründe in Alkohol- oder Drogenkonsum und körperlichen beziehungsweise psychischen Problemen oder Erkrankungen. Also entschied sich der Staat dafür, Gutachten in besonderen Fällen anzuordnen. Aus der damals gegründeten Richtlinie „Krankheit und Kraftverkehr“ und dem „Psychologischen Gutachten Kraftfahrteignung“ wurden später die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung, die sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt haben und auf die verschiedensten Aspekte eingehen. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung war geboren.

Wer muss zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung?

Generell gibt es diverse Möglichkeiten, um in den zweifelhaften Genuss einer MPU zu kommen. Allerdings kommen die Gutachten zumeist dann zur Anwendung, wenn es um erhebliche Verstöße im Straßenverkehr geht oder die Betroffenen zu Wiederholungstätern werden.

Alkohol im Straßenverkehr

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung wird generell durch die Fahrerlaubnisbehörde angeordnet. Das passiert zum einen, wenn die Behörde Kenntnis von erheblichen Verstößen hat, die eine MPU erforderlich machen. Zum anderen kann es im Zuge von Gerichtsverfahren zum Verhängen der Untersuchung kommen.

In Deutschland herrscht (Stand: 2017) eine Promillegrenze von 0,5 Promille. Wer diese Grenze nicht überschreitet und in der Lage ist, sein Fahrzeug gefährdungsfrei und sicher zu bewegen, stößt bei Kontrollen nicht auf Probleme. Wird ein Fahrzeugführer jedoch mit mehr Alkohol im Blut erwischt, so sieht die Sachlage anders aus. Denn schon ab 0,5 Promille drohen hohe Bußgelder, Punkte in Flensburg sowie Fahrverbote. Ab 1,6 Promille folgt dann die Verhängung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung.

Fahren unter Drogeneinfluss

Wer ein Kraftfahrzeug unter Drogeneinfluss führt, gefährdet den Straßenverkehr – selbst, wenn er gar nicht beim Autofahren erwischt wurde. Denn mit dem aufgedeckten Drogenkonsum wird häufig auch die generelle Fahreignung abgesprochen. So wie das Überqueren einer roten Ampel zu Fuß oder mit dem Fahrrad auch Auswirkungen auf die Fahrerlaubnis haben kann.

Wer unter Drogeneinfluss erwischt wurde, muss deshalb mit einer Einladung zur MPU rechnen. Ob und in welchen Fällen diese konkret ausgesprochen wird, ist von Fall zu Fall abhängig.

Volle Punktzahl in Flensburg

Durch die Umstellung des Flensburger Punktesystems genügen heutzutage bereits 7 Punkte, um in die Nähe der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung zu gelangen. Denn beim achten Punkt erfolgt der Entzug der Fahrerlaubnis – und oftmals besteht die einzige Möglichkeit des Zurückerlangens im Bestehen einer MPU.

Körperliche Defizite

Natürlich kommen Medizinisch-Psychologische Untersuchungen nicht nur dann in Frage, wenn es zu Verstößen im Verkehrsrecht gekommen ist. Tatsächlich können auch Krankheiten oder andere körperliche Beschwerden zu einer eingeschränkten Fahrtauglichkeit führen. Besonders problematisch sind beispielsweise starke Sehstörungen, Taubheit, Epilepsie oder unberechenbare Herzerkrankungen. Sind diese bekannt, dient die MPU sogar als Voraussetzung für den erstmaligen Erhalt der Fahrerlaubnis.

Der psychologische Faktor

Wer im Straßenverkehr durch Aggressivität oder mangelnde Konzentration auffällt, kann eine Vorladung zur MPU erhalten. Das gilt im Übrigen auch für Personen, die anderweitig negativ in Erscheinung getreten sind und denen das Führen eines Kraftfahrzeugs nicht zugetraut wird. Im Zuge der MPU wird ermittelt, ob die psychischen Störungen oder Eigenheiten eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen würden.

Besonderheiten für Berufskraftfahrer

Berufskraftfahrer – also Lkw-Fahrer, Taxi- oder Busfahrer und Co. – müssen zur Erlangung ihrer Fahrerlaubnis eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung absolvieren. Diese zielt auf das Erhalten der jeweiligen Bescheinigungen ab. Dabei kommt es zu einer ärztlichen Untersuchung, einer psychologischen Untersuchung sowie einer Untersuchung des Sehvermögens.

Der Ablauf der MPU

Die verschiedenen Gutachten sind auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten. So werden Alkohol- oder Drogensünder beispielsweise mit sogenannten Abstinenz-Checks oder Drogenscreenings konfrontiert, während anderen Verstößen, psychischen Problemen oder körperlichen Leiden anders begegnet wird. Generell teilt sich die MPU in vier Stationen auf.

Die Fragebögen zur Datenaufnahme

Damit die nachfolgenden Tests möglichst präzise und auf den Probanden zugeschnitten sind, müssen im Vorfeld Fragebögen ausgefüllt werden. Dabei geht es um Fragen rund um den Grund der MPU sowie um gesundheitliche Aspekte. Möglicherweise ergeben sich hier auch zu klärende Themen für die nachfolgenden Untersuchungen und Gespräche im Zuge der MPU.

Leistungstests für Konzentration und Co.

Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit spielen im Straßenverkehr eine große Rolle. Um diese bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung prüfen zu können, wurden verschiedene Testverfahren entwickelt. Nach einer Einweisung durch das Personal werden diverse Tests absolviert, die wiederum Rückschlüsse auf die Fahrtauglichkeit des Teilnehmenden zulassen.

Die medizinische Untersuchung

Abhängig von der Art des Vergehens oder des Problems, werden im Rahmen der medizinischen Untersuchung die körperlichen Gegebenheiten untersucht. Das ist vor allem bei Drogen- oder Alkoholverstößen interessant, bei denen auch Blut- oder Urinproben genommen werden können. Wer stattdessen aufgrund von Punkten in Flensburg (beispielsweise durch Geschwindigkeitsverstöße) an der MPU teilnehmen muss, wird häufig nur ein Gespräch führen müssen.

Das psychologische Gespräch

Die vierte und letzte Station ist das psychologische Gespräch mit einem geschulten Gutachter, das im Endeffekt auch der Kern der MPU ist. Denn hier müssen die Probanden dem Gutachter glaubhaft schildern, dass sie sich mit Ihren Verstößen auseinandergesetzt haben und tatsächlich in der Lage sind, ihr Verhalten zu ändern.

Übrigens: Vor allem das psychologische Gespräch versetzt Teilnehmer in Angst und Schrecken und ist Grund für zahlreiche Mythen im Internet. Fakt ist, dass professionelle Psychologen zwischen erfundenen Geschichten und der Wahrheit unterscheiden können und dass es nichts bringt, auf zurechtgelegte Argumente zurückzugreifen und das Ergebnis damit zu manipulieren. Schlussendlich soll sichergestellt werden, dass die getestete Person aus ihren Fehlern gelernt und Konsequenzen gezogen hat. Das funktioniert nur in einem offenen Gespräch.

Vorbereitung auf die MPU

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist keine laxe Kontrolle der Verkehrstauglichkeit – vielmehr setzen sich die Gutachter konzentriert mit den Verstößen und der Person auseinander. Umso wichtiger ist es für diejenigen, die einer MPU entgegenblicken, dass sie sich intensiv mit der Überprüfung und den Verstößen auseinandersetzen. Oftmals wird ein negatives Ergebnis attestiert, weil es an Vorbereitung mangelte.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, sich mit dem Thema MPU auseinanderzusetzen und somit mit guten Karten in die Untersuchung zu gehen. Angefangen mit Informationsveranstaltungen bis hin zu Selbsthilfegruppen oder Sitzungen bei Verkehrspsychologen. Die Art der Unterstützung sollte je nach Art des Verstoßes gewählt werden – keinesfalls sollte man jedoch gänzlich darauf verzichten.

Hinweis: Nicht immer sind die Angebote zur MPU-Vorbereitung seriös. Wird beispielsweise mit Erfolgsquoten geworben oder erscheinen die Kurse nicht wirklich ehrlich, so sollte von diesen Abstand genommen werden. Gleiches gilt für kostenpflichtige Beratungshotlines.

Kosten eines MPU-Gutachtens

Die Preise der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung sind von mehreren Faktoren abhängig. Zum einen natürlich vom Anbieter. Zum anderen von der Art des Verstoßes. Wer beispielsweise zu viele Punkte in Flensburg hat, muss mit Nettokosten in Höhe von etwa 345,- Euro rechnen. Verstöße durch Alkohol oder Drogen schlagen mit etwa 400,- Euro (netto) zu Buche.

Hinzu kommen etwaige Kosten für die MPU-Vorbereitung sowie Kosten für ein möglicherweise benötigtes Drogenscreening. Auch das Analysieren von Urin-, Haar- oder Blutproben kann weitere Kosten verursachen.

In der Summe variieren die Kosten der MPU somit recht stark. Während weniger grobe Verstöße mit Gesamtkosten von etwa 800,- Euro bezahlbar sind, können Medizinisch-Psychologische Untersuchungen mit entsprechenden Tests und Screenings schnell etwa 2.000,- Euro und mehr kosten.

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