Die Bremsflüssigkeit – zur Übertragung von Kräften im Bremssystem

Die Bremsanlage moderner Kraftfahrzeuge basiert heutzutage auf sogenannten Bremszylindern, mit deren Hilfe über die Bremsflüssigkeit die Kräfte übertragen werden. Im Detail gibt der Hauptbremszylinder den aufgebauten Druck an die Radbremszylinder weiter, durch die dann der eigentliche Bremsvorgang hervorgerufen wird.

Welche Rolle die Bremsflüssigkeit im Detail spielt, woraus sie besteht und welche Wartungen sie unbedingt erfahren sollte, finden Sie im nachfolgenden Lexikoneintrag des Kfz-Serviceportals.

An dieser Stelle wird Bremsflüssigkeit eingesetzt

Wird das Bremspedal betätigt, so wird Druck vom Hauptbremszylinder (Geberzylinder) an die Radbremszylinder (Nehmerzylinder) übertragen. Das geschieht über die Bremsschläuche, in denen sich wiederum die Bremsflüssigkeit befindet. Dabei handelt es sich also um eine hydraulische Flüssigkeit, mithilfe derer die Bremskräfte übertragen werden. Damit diese Kraftübertragung auf dem Weg zu den Bremsen am Rad verstärkt wird, werden Bremskraftverstärker und unterschiedliche Zylinderdurchmesser eingesetzt.

Die Bremsflüssigkeit befindet sich also innerhalb der Bremsschläuche und dient vornehmlich der Kraftübertragung zwischen dem Geber- und den Nehmerzylindern. Zusätzlich weist das System einen Speicher auf, in dem die Bremsflüssigkeit aufbewahrt wird und über welchen die Befüllung oder Nachfüllung stattfinden kann.

Die Inhaltsstoffe im Überblick

Der größte Teil der Bremsflüssigkeit (bis zu 90 Prozent) besteht aus sogenanntem Polyglycol. Dabei handelt es sich um ein Lösungsmittel, das im Endeffekt sicherstellt, dass sich das Betriebsmittel immer im flüssigen Zustand befindet. Um die Schmierfähigkeit innerhalb der Bremsanlage gewährleisten zu können, werden der Bremsflüssigkeit außerdem Schmierstoffe beigefügt – ergänzende Additive sorgen zusätzlich für Korrosionsschutz.

Die genauen Inhaltsstoffe können von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich sein. Während die meisten modernen Bremsflüssigkeiten auf Polyglycol basieren, gibt es Varianten mit Mineralölanteilen.

Achtung: Bremsflüssigkeit ist sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt sowie diverse Materialien äußerst schädlich. Deshalb ist beim Umgang mit der Betriebsflüssigkeit höchste Vorsicht geboten.

Varianten im Überblick

Da die Anforderungen innerhalb der Bremsanlagen verschiedener Kraftfahrzeuge unterschiedlich sind, wurden verschiedene Klassen beziehungsweise Varianten geschaffen. Diese unterscheiden sich in ihrer Viskosität bei tiefen Minusgraden, ihrem Trocken-Siedepunkt und ihrem Nass-Siedepunkt.

Unterteilt wird in die Klassen DOT 3, DOT 4, DOT 5 und DOT 5.1. Während 3, 4 und 5.1 auf Polyglykolether (bei 4 und 5.1 in Zusammenhang mit Boratester oder Siliziumester) basieren, funktioniert DOT 5 mithilfe von Silikonölen.


Diese Kriterien muss die Flüssigkeit erfüllen

Im Bremssystem herrschen starke Belastungen und Hitze: Deshalb muss die Bremsflüssigkeit entsprechend widerstandsfähig sein – und ihren Teil zum Erhalt der Kfz-Bremsanlage erfüllen. Welche Anforderungen dabei genau existieren, erfahren Sie im Folgenden.

Materialverträglichkeit in Bezug auf Dichtungen und Leitungen

In Kraftfahrzeugen kommen sowohl Bremsleitungen aus Stahl als auch Bremsschläuche aus Gummigemischen zum Einsatz. In ihnen bewegt sich die Bremsflüssigkeit unter hohem Druck, um die enormen Kräfte der Bremsungen auf die Scheiben- oder Trommelbremsen an den Rädern übertragen zu können.

Damit dieses System langfristig funktioniert, darf die Bremsflüssigkeit gegenüber Metallen und Gummi nicht aggressiv wirken. Andernfalls wäre die Bremsanlage über kurz oder lang undicht und es würde zu fatalen Fehlfunktionen kommen.

Hitzebeständigkeit

Wo Druck und Reibung herrschen, da bleiben auch hohe Temperaturen nicht aus. Deshalb muss Bremsflüssigkeit extrem hitzebeständig sein. Der Grund dafür ist einfach erklärt: Würde die Flüssigkeit zu kochen beginnen, entstünden Blasen. Diese lassen sich bei Druck komprimieren und geben die Bremskraft nicht direkt an die Bremsen weiter – das Kraftfahrzeug würde also nicht mehr richtig verzögern, sobald das Pedal betätigt wird.

Viskosität – die Zähflüssigkeit

Je moderner die Bremsassistenten, desto schneller muss die Bremsflüssigkeit auf Impulse des Systems reagieren können. Außerdem werden die Schläuche und Leitungen immer schmaler und verzweigter. Umso wichtiger ist es, dass die Bremsflüssigkeit dünnflüssig genug ist. Man spricht von der sogenannten Viskosität, die auch beim Motoröl eine große Rolle spielt. Je höher die Viskosität, desto dicker ist eine Flüssigkeit und desto schwieriger ist es, sie zum Fließen zu bewegen. Für Bremsflüssigkeit wird also eine geringe Viskosität angestrebt – diese kann allerdings von Fahrzeug zu Fahrzeug variieren und ist innerhalb der verschiedenen Ausführungen (siehe Punkt „Varianten“) definiert.

Pflege und Schutz des Systems

Um die Kfz-Bremsanlage auch langfristig nutzen zu können, ist eine entsprechende Pflege der Dichtungen und ein Schutz vor Korrosion notwendig. Diesen übernimmt die Bremsflüssigkeit durch ihre Eigenschaften und Additive. Zeitgleich schmiert sie das System, um die Reibung innerhalb der Kfz-Bremsanlage zu verringern.

Deshalb muss Bremsflüssigkeit kontrolliert und gewechselt werden

Da die Funktion der kompletten Bremsanlage von der Qualität und dem Zustand der Bremsflüssigkeit abhängt, muss diese regelmäßig überprüft, aufgefüllt oder ausgetauscht werden. Dabei ist vor allem eine Eigenschaft entscheidend: Die sogenannte Hygroskopie.

Hygroskopische Flüssigkeiten neigen dazu, Feuchtigkeit (beispielsweise aus Wasserdampf oder der Luftfeuchtigkeit) anzuziehen und zu binden. Das heißt, dass der Wassergehalt in der Bremsflüssigkeit mit der Zeit steigt.