Die häufigsten Kraftstoffe im Überblick

Bei Kraft- beziehungsweise Treibstoffen handelt es sich um Brennstoffe, deren chemische Energie in Verbrennungskraftmaschinen (zum Beispiel in Motoren) und Triebwerken in Antriebskraft umgewandelt wird. Kraft- und Treibstoffe gibt es in drei verschiedenen Formen – flüssig, gasförmig und fest. Als Gemische aus vielen verschiedenen Kohlenwasserstoffen werden sie vorrangig durch die Raffination von Erdgas oder Rohöl gewonnen, können aber auch synthetisch hergestellt werden. Für den Antrieb von Kraftfahrzeugen, beispielsweise Automobilen, Bussen und Lastkraftwagen, kommen in der Regel Flüssigkraftstoffe, aber auch gasförmige Treibstoffe zum Einsatz. Zu den bekanntesten, im Straßenverkehr üblichen Kraftstoffen gehören Benzin, Diesel, Autogas und Erdgas. Des Weiteren gibt es diverse Marken- und Premium-Kraftstoffe, denen besondere Additive zugesetzt wurden. Diese Zusätze können die Emissionswerte senken, die Verbrennung optimieren und etwaige Ablagerungen entfernen. Da Kraftstoffe niemals vollkommen rückstandsfrei verbrennen und teils hohe Emissionen verursachen, geht die Zukunft in Richtung umweltfreundlicherer, alternativer Kraftstoffe. Auf dem Vormarsch ist der Antrieb mittels Elektrizität, Biokraftstoffen und Wasserstoff, da diese, je nach Art, die Umwelt und den Geldbeutel schonen können. Folgender Artikel behandelt sowohl die altbekannten, gängigen Otto- und Dieselkraftstoffe als auch mögliche Alternativen. Nutzen Sie diese Übersicht um sich ein Bild der Kraftstoffe zu machen, die in Deutschlands Straßenverkehr am Häufigsten verwendet werden.

Entdeckung und Geschichte von Kraftstoffen

Ethanol, Benzin und Diesel wurden ungefähr zur selben Zeit mit Erfindung des Otto- beziehungsweise Dieselmotors als Treibstoffe entdeckt: Ende des 19. Jahrhunderts erfand der Ingenieur Nikolaus Otto den Ottomotor. Seine Prototypen betrieb er mit Ethanol. Auch stellte er fest, dass Benzin, das bis dato nur ein Abfallprodukt der Lampenölgewinnung darstellte, als Treibstoff dienen konnte. Zur ähnlichen Zeit wurde der erste Dieselmotor entwickelt: Dieser lief mit Schweröl, dem Vorläufer des heutigen Dieseltreibstoffs. Treibstoffe gab es zu dieser Zeit nur in der Apotheke.

Auch die ersten Elektro- und Gasfahrzeuge wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts – beispielsweise um 1888 mit dem in Coburg gebauten „Flocken“ erfunden. Die Automobilindustrie konzentrierte sich in den letzten Jahrzehnten jedoch primär auf Diesel- und Benzinfahrzeuge, sodass Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten lange Zeit eine Ausnahme bildeten.


Ottokraftstoffe und Diesel

Sowohl Benzin als auch Diesel werden aus Rohöl gewonnen. Chemisch gesehen bestehen beide Kraftstoffarten somit aus Kohlenwasserstoff, allerdings ist Diesel schwerer. Benzin besteht aus den leichteren Rohöl-Anteilen, Diesel aus dem sogenannten Mitteldestillat. Ottokraftstoffe unterscheiden sich in ihrer Oktanzahl und im Ethanol-Anteil.

Super 95

Super, auch unter der Bezeichnung Super 95 bekannt, ist ein schwefelfreier, unverbleiter Kraftstoff mit einer Oktanzahl von 95. Im Vergleich: Normalbenzin, das heutzutage kaum noch erhältlich ist, enthält lediglich 91 Oktan, Super Plus 98 Oktan. Die Oktanzahl gibt die Klopffestigkeit des Benzins an: Je höher die Klopffestigkeit, desto höher die Verbrennungsqualität des Kraftstoffs. Dies wirkt sich wiederum auf die Leistungsfähigkeit des Motors aus. Der Kraftstoff eignet sich für nahezu alle mit Sprit betriebenen Ottomotoren und ist an jeder Tankstelle verfügbar. Preislich liegt Super 95 zwischen E10 und Super Plus. In Super 95 ist ein Ethanol-Anteil von maximal fünf Prozent enthalten. Damit ist es prinzipiell für jeden Benziner geeignet.

Super Plus

Super Plus ist mit 98 Oktan klopffester als Super 95, was den Motor effektiver arbeiten lassen und den Spritverbrauch senken kann. Dem Kraftstoff dürfen maximal fünf Prozent Bioethanol beigemischt werden. Super Plus eignet sich für Autos mit größeren Motoren, die sich die hohe Oktanzahl zunutze machen können. Bei vielen Automobilen hat der Unterschied zwischen Super und Super Plus keinen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und den Verbrauch des Motors. Ob der Motor für die Verbrennung von Benzin mit einer hohen Oktanzahl ausgelegt ist, ist im Handbuch oder auf der Innenseite des Tankdeckels nachzulesen. Generell vertragen alle Benziner den Kraftstoff Super Plus, er ist jedoch teurer als Super 95.

E10

E10 hat wie Super 95 eine Oktanzahl von 95. Im Gegensatz zu Super und Super Plus, die bislang maximal fünf Prozent Bioethanol enthalten, ist E10 bis zu zehn Prozent Bioethanol beigemischt. Damit sollen die CO²-Emissionen verringert werden. Im Januar 2011 wurde der Treibstoff erstmals an zahlreichen Tankstellen eingeführt, heute ist E10 an nahezu jeder Tankstelle erhältlich. Bei Ethanol handelt es sich um Alkohol, der sich gut mit mineralischen Kraftstoffen mischt und als Trägerstoff dient. Das Ethanol, das zur Herstellung von E10 verwendet wird, kommt überwiegend aus Brasilien und wird aus dem dort angebauten Zuckerrohr gewonnen. Da dafür ein Teil des Regenwalds geopfert wird, ist die Ökobilanz von E10 nach wie vor umstritten. Zu beachten ist außerdem, dass nicht jedes Fahrzeug E10 verträgt. Insbesondere bei älteren Autos kann es zu unerwünschten chemischen Reaktionen an Kraftstoffleitungen und Dichtungen führen, die den Verschleiß erhöhen.

Bioethanol (E85)

Bioethanol beziehungsweise E85 ist ein Kraftstoffgemisch aus Benzin und Ethanol (Alkohol). Die Zahl gibt den Ethanol-Anteil an, womit E85 15 Prozent Benzin und 85 Prozent Ethanol enthält. Mit 107 Oktan ist die Klopffestigkeit wesentlich höher als beim herkömmlichen Super Plus (95 Oktan). Das enthaltene Ethanol wird vorrangig aus Kartoffeln und Getreide gewonnen, indem die stärke- und zuckerhaltige Biomasse vergärt wird. Grundsätzlich verbrennt E85 schwefelfrei. Auch der Ausstoß an Stickoxid- und Kohlenmonoxid fällt deutlich geringer aus als beim klassischen Sprit, was sich positiv auf die CO²-Bilanz auswirkt. Ein weiterer Vorteil: Ein Liter Bioethanol kostet nur rund einen Euro. Doch Achtung: Ein Teil des Sparvorteils wird wieder aufgezehrt, da der Heizwert im Vergleich zum Benzin geringer ist und der umgerüstete Motor bis zu 30 Prozent mehr verbraucht. Dazu kommt, dass es E85 nur an sehr wenigen Tankstellen gibt. Mit aktuell etwa 300 deutschlandweiten Stationen ist die Verfügbarkeit begrenzt.

Diesel

Ein Dieselfahrzeug verbraucht pro 100 Kilometer deutlich weniger Kraftstoff als ein Benziner. Das bedeutet aber nicht, dass Diesel besser für das Klima oder für die Effizienz ist. Dies liegt in erster Linie daran, dass Diesel schwerer ist als Benzin und sich in einem Liter Kraftstoff auch etwa 13 Prozent mehr Kohlenstoffatome befinden, die verbrannt werden müssen. Kurz gesagt: Wenn Diesel verbrannt wird, entstehen mehr Abgase. Nichtsdestotrotz gibt es einen Unterschied hinsichtlich der Effizienz, der aber im Wesentlichen auf den Motor zurückzuführen ist. Beim Diesel handelt es sich um einen Selbstzünder, der bereits beim Einspritzen zu brennen beginnt. Aus diesem Grund verbrennt der Kraftstoff schnell, was zu einer kraftvolleren, effizienteren Energiefreisetzung führt. Diesel-Kraftstoff ist etwas günstiger als Benzin.

Alternative Kraftstoffe

Zu den alternativen Kraftstoffen abseits von Diesel und Benzin zählen vor allem Erdgas, Wasserstoff und Autogas. Immer beliebter werden zudem elektronisch betriebene Autos, da sie die Umwelt schonen und Elektrizität deutlich günstiger als Benzin und Co. ist.

Erdgas

Erdgas kann nicht nur zum Kochen und Heizen, sondern auch zum Fahrzeugbetrieb eingesetzt werden. Es besteht zum Großteil aus Methan und anderen Kohlenwasserstoffen. Da es im Vergleich zu Erdöl beziehungsweise Diesel und Co. nur geringe Anteile von Stickstoff und Kohlendioxid enthält, verbrennt es deutlich sauberer. Nach der Förderung muss es zudem nicht erst aufwendig weiterverarbeitet werden und ist somit als regenerativer Energieträger verfügbar. In Deutschland üblich sind zwei verschiedene Erdgassorten: „L-Gas“ (low-calorific-gas) und „H-Gas“ (high-calorific gas). H-Gas besitzt einen höheren Methan-Anteil sowie einen höheren Heizwert und verbrennt folglich auch sauberer. Im Gegensatz zu L-Gas, das es meist nur an norddeutschen Tankstellen gibt, ist H-Gas deutschlandweit relativ weit verbreitet.

Autogas

Bei Autogas (LPG: Liquefied Petroleum Gas) handelt es sich um ein Flüssiggas, das aus Propan und Butan besteht und bei der Erdölraffinierung anfällt. Es ist fast doppelt so schwer wie Luft und besitzt somit auch ein wesentlich höheres Molekulargewicht als Erdgas. Flüssiggas gibt es mittlerweile an vielen verschiedenen Tankstellen, insgesamt sind innerhalb Europas über 300.000 Stationen in Betrieb. Autogas wird stets in Litern verkauft, pro Verkaufseinheit besitzt es aber einen merklich geringeren Energiegehalt als Erdgas. Von Vorteil ist nichtsdestotrotz, dass es im Vergleich zu Benzin und Diesel deutlich umweltfreundlicher, schonender für den Motor und günstiger ist.

Wasserstoff

Ein mit Wasserstoff betriebenes Auto läuft mithilfe einer Brennstoffzelle, die flüssigen und gasförmigen Wasserstoff und Sauerstoff verbrennt. Unterstützt wird die Brennstoffzelle von kleinen Elektromotoren, die sich mittels Generator immer wieder selbst aufladen. Da statt Abgasen Wasserdampf entsteht, stellt Wasserstoff einen sehr umweltfreundlichen Treibstoff dar. Von Nachteil ist allerdings, dass Wasserstoff hochentzündlich ist und als unnatürlicher Stoff unter chemischer Reaktion hergestellt werden muss. Fahrzeughersteller geben allerdings Entwarnung – Wasserstoff-Fahrzeuge seien nicht gefährlicher als jeder andere Fahrzeugtyp. Wasserstoff-Tankstellen gibt es aktuell vor allem im Süden, Westen und Norden Deutschlands.

Elektrizität

Dem durchschnittlichen Verbrennungsmotor ist der Elektromotor in zahlreichen Eigenschaften überlegen. Neben reinen Elektroautos gibt es immer mehr Hybridfahrzeuge, die auf eine Kombination aus Elektrizität und fossilen Treibstoffen setzen. Aufgrund der gemischten Antriebsenergie wird nicht nur der Geldbeutel geschont, denn Strom ist deutlich billiger als Sprit. Vielmehr kommen Elektro- und Hybridfahrzeuge auch der Umwelt zugute, denn es fallen viel weniger Abgase an. Stromtankstellen mit entsprechenden Ladestationen gibt es mittlerweile in vielen Städten Deutschlands und Europas – Tendenz steigend. „Getankt“ werden kann über eine normale Ladestation oder den Schnelllader, wobei es Letzteren nur an speziellen Stromtankstellen gibt.