Die Grüne Versicherungskarte – das müssen Sie wissen

Wer mit seinem Kraftfahrzeug heutzutage innereuropäische Grenzen überquert, verschwendet kaum noch einen Gedanken an die Kfz-Haftpflichtversicherung. Das ist im weitesten Sinne der Grünen Karte zu verdanken, die internationale Versicherungsstandards gesetzt hat und Autofahrern das Leben damit deutlich erleichtert.

Erfahren Sie in den nachfolgenden Inhalten, was die Grüne Karte überhaupt ist, welche Vorteile sich Ihnen dadurch ergeben und welche interessanten Informationen das Dokument außerdem enthält.

Das internationale Abkommen – die Grüne Karte

Vorderseite der grünen Versicherungskarte
Die Vorderansicht einer grünen Versicherungskarte

Im eigentlichen Sinne handelt es sich bei der Grünen Karte um ein recht simples Dokument, auf dem sich Informationen zum Versicherungsstatus sowie Kontaktdaten sogenannter Grüne-Karte-Büros befinden. Von viel entscheidenderer Bedeutung ist das internationale Abkommen, auf dem dieses Schriftstück basiert. Denn noch vor einigen Jahren waren sich die einzelnen Staaten in Bezug auf die Kfz-Versicherung sprichwörtlich selbst der Nächste. Das heißt, dass jeder Autofahrer eine gültige anerkannte Haftpflichtversicherung besitzen musste, um überhaupt in das jeweilige Land fahren zu dürfen. Wer mehrere Staaten durchqueren wollte, hatte den entsprechenden Versicherungsschutz an der Grenze zu erwerben und musste mitunter tief in die Tasche greifen.

In Verbindung mit dem Zusammenrücken innerhalb der Europäischen Union musste diese strenge Trennung der Versicherungsbranche weichen. Anstelle von mehreren einzelnen Kfz-Haftpflichtversicherungen war es nun ausreichend, wenn eine solche im Heimatland abgeschlossen wurde beziehungsweise bereits existierte. Und der Nachweis darüber wurde und wird auch heute noch mit der Grünen Karte erbracht.

 

Das Kennzeichenabkommen als Nachfolger der Grünen Karte

So erhalten Sie die Grüne Versicherungskarte:

Versicherungsnehmer einer gewöhnlichen Kfz-Versicherung erhalten die Grüne Karte direkt bei ihrer Versicherung. Da der Versand einige Tage in Anspruch nehmen kann, sollte sie im Vorfeld beantragt werden. Es können geringfügige Gebühren entstehen.

Wer mit Kurzzeitkennzeichen ins Ausland fahren möchte, muss die internationale Versicherungskarte explizit dazu bestellen. Bei Ausfuhrkennzeichen ist sie hingegen inklusive.

Während das Grüne-Karte-Abkommen auf Basis der UNO-Empfehlung Nr. 5 bereits seit 1965 existiert, wurde im Jahre 1991 ein weiteres System eingeführt. Das sogenannte Kennzeichenabkommen gilt für alle Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums und der Europäischen Freihandelsassoziation sowie für Andorra und Serbien; es macht die Grüne Versicherungskarte prinzipiell überflüssig. Dennoch wird generell empfohlen, die IVK (Internationale Versicherungskarte) mitzuführen, da die darauf enthaltenen Informationen bei der Schadensabwicklung ungemein helfen können.

Länderübersicht des Abkommens

 

Funktionsweise des Systems

Mittlerweile sind 46 Länder innerhalb und außerhalb der EU Mitglied im Grüne-Karte-Abkommen – Tendenz steigend
(Stand: 02/2017).

 

Voraussetzung dafür war und ist, dass die Versicherer in den anderen Mitgliedsländern durch einen Dritten vertreten werden. Denn nur so ist sichergestellt, dass eine reibungslose Abwicklung im Falle eines Schadens funktioniert.

 

Die Gültigkeitsdauer der Grünen Karte

Die internationale Versicherungskarte hat im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung ein Ablaufdatum von etwa drei Jahren, das direkt auf dem Dokument vermerkt ist.

Wird sie in Zusammenhang mit Kurzzeitkennzeichen oder Ausfuhrkennzeichen verwendet, gilt die Grüne Karte nur bis zum Erlöschen der Haftpflichtversicherung.

Ansprechpartner bei versicherungsrelevanten Unfällen sind die sogenannten Grüne-Karte-Büros.

 

In allen Mitgliedsstaaten vorhanden, können diese schnell die betroffenen Versicherer kontaktieren und bei der Schadensabwicklung unterstützen. Die Kontaktdaten der Büros befinden sich auf der Rückseite der Grünen Karte, sodass das Mitführen einer solchen alleine aus diesem Grund sehr wichtig ist.

 

Zwar gibt es mittlerweile weitere Abkommen, die das gesetzlich vorgeschriebene Mitführen der Grünen Karte obsolet machen. Dennoch ist sie eine gern gesehene Unterstützung – vor allem in Verbindung mit einer Kopie, die dem Unfallgegner überreicht werden kann.

Ausschnitt der grünen Karte mit dem Bereich der Länderdeckung.
Auf dem Ausschnitt der grünen Karte ist der Bereich mit der Länderdeckung zu sehen

 

Übrigens: Die Grüne Karte wird nicht nur in Verbindung mit den gewöhnlichen Kfz-Kennzeichen genutzt. Auch bei Fahrten mit dem Kurzzeitkennzeichen oder dem Ausfuhrkennzeichen kann diese eine hilfreiche Unterstützung im Schadensfalle sein.

Verhaltensweise bei Unfällen im Ausland

Wer einen Unfall in einem Land des Kennzeichen- oder Grüne-Karte-Abkommens hat, muss sich in erster Linie an die dort geltenden Richtlinien und Gesetze bezüglich Unfallsicherung, Erste-Hilfe und Co. halten. In Bezug auf die Schadensregulierung gelten jedoch internationale Regeln.

Diese besagen, dass der sogenannte Europäische Unfallbericht ausgefüllt werden muss. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das in der Sprache der Ausfüllenden beschrieben werden kann und als eine Art Zeugenaussage gilt. Weiterhin kann dann das jeweilige Versicherungsbüro des Grüne-Karte-Abkommens kontaktiert werden. Die Adressdaten sowie Telefonnummern befinden sich meist direkt auf der Rückseite der Internationalen Versicherungskarte. Die Büros stehen in engem Kontakt zu den Versicherern und gewährleisten eine schnelle und reibungslose Schadensabwicklung sowie – wenn gewünscht – Unterstützung bei Fragen.

Hinweis: Auf einigen internationalen Versicherungskarten befinden sich mittlerweile nur noch die Websites der Büros und nicht die Kontaktdaten. Auf kfz-serviceportal.de finden Sie alle wichtigen Kontaktdaten, sowohl die Telefon- und Faxnummern, Email-Adressen als auch die Adressen und können sich damit bereits vor Ihrer Reise exzellent vorbereiten.

Sonderfall: Unfälle mit Personenschäden im Ausland

Sollte es im Ausland zu einem Unfall mit Personenschäden kommen, so sind die Grüne-Karte-Büros nicht die passenden Ansprechpartner für die Schadensabwicklung. In diesen Fällen sollte der Versicherer direkt kontaktiert werden. Außerdem wird zuzüglich das Einschalten eines Anwalts empfohlen.

Zielland nicht im Grüne-Karte-Abkommen oder auf der grünen Versicherungskarte gestrichen – was nun?

Rückseite der grünen Versicherungskarte mit den Kontaktdaten der Länderbüros
Sicht auf die Rückseite der grünen Versicherungskarte

 

Befindet sich ein Land, wie beispielsweise der Kosovo, nicht im Grüne-Karte-Abkommen, so gilt das Fahrzeug dort als nicht versichert. An den Grenzen solcher Länder können allerdings direkt Haftpflichtversicherungen abgeschlossen werden, die dann jedoch nur für das jeweilige Land gelten.
Mit Abschluss einer solchen Versicherung gelten dann auch die Vorgaben des Ursprungslandes nicht mehr. Wer also mit einem Kurzzeitkennzeichen oder Ausfuhrkennzeichen ins Ausland fährt und eine neue Kfz-Haftpflichtversicherung erwirbt, der kann das Fahrzeug ungeachtet der auf den Nummernschildern notierten Ablaufdaten bis zum Erlöschen der neuen Haftpflichtpolice bewegen.