Gebrauchtwagen – Tipps, Tricks und Infos übersichtlich dargestellt

Nicht mehr neuwertige Pkw werden als Gebrauchtwagen in der Regel zu erfreulich niedrigen Preisen angeboten. Doch rund um den Kauf kommt es immer wieder zu Unklarheiten, Streitigkeiten und Missverständnissen. Fachbegriffe, deren Definitionen privaten Kaufinteressenten oft nicht ganz klar sind, versteckte und offene Mängel sowie Unsicherheiten in Bezug auf die Auswahlkriterien sorgen häufig für Verwirrung, Enttäuschungen oder gar Fehlkäufe. Dieser Beitrag widmet sich daher dem Gebrauchtwagen und klärt wichtige Fragen rund um den Kauf.


Die Definition des Begriffs Gebrauchtwagen

Streng genommen wird ein Auto schon mit dem Tag der Erstzulassung zum Gebrauchtfahrzeug. Dabei handelt es sich aber eher um den symbolischen Unterschied zwischen Neu- und Gebrauchtwagen. Schließlich ist mit der Erstzulassung nicht unbedingt eine Fahrleistung verbunden. Auf der anderen Seite kann es auch sein, dass ein Neufahrzeug nach der Fertigung mehrere Monate ohne Zulassung auf Halde steht. Darum lautet die allgemeingültige Definition: Ein Auto ist immer dann ein Gebrauchtwagen, wenn es mindestens einen Vorbesitzer hat. Ein Neufahrzeug ohne Erstzulassung wird dagegen gemäß Rechtsprechung ab einem Lebensalter von zwei Jahren zum Gebrauchtwagen.

Die Unterschiede zwischen den Gebrauchtwagen-Arten

Der Jahreswagen

Bei einem Jahreswagen liegt die Erstzulassung weniger als zwölf Monate zurück. Wenn zwischen Fertigung und Erstzulassung jedoch mehr als zwölf Monate liegen, kann das Fahrzeug nicht mehr als Jahreswagen verkauft werden. Für die Bezeichnung Jahreswagen sind also zwei Faktoren verantwortlich: der Zeitpunkt der Fertigung und das Datum der Erstzulassung. Für potenzielle Käufer sind Jahreswagen sehr interessant, denn sie bieten ihnen die Möglichkeit, ein fast neuwertiges Fahrzeug zu erwerben, ohne dabei den ursprünglichen vollen Preis zahlen zu müssen. Die Preisdifferenz zum Neufahrzeug kann je nach Modell und Typ zehn bis maximal 40 Prozent betragen.

Informationen zum Jahreswagen

Die Tageszulassung

Bei einer Tageszulassung handelt es sich um ein Fahrzeug, das von einem Händler für nur einen Tag zugelassen wurde. Üblicherweise wird das Auto an diesem Tag aber nicht im Straßenverkehr bewegt, es ist also ein neuwertiges ungenutztes Lagerfahrzeug und die An- und Abmeldung findet nur auf dem Papier statt. Für die kurze Zulassung hat der Händler einen guten Grund. Auf diese Weise profitiert er nämlich von verschiedenen Prämien- und Rabattmodellen des Herstellers, die daraus resultierenden Preisvorteile kann er dann an den Endkunden weitergeben. Oft spielen vertraglich fixierte Mindestabnahmemengen dabei eine große Rolle. Erwerben Kunden ein neues Auto mit Tageszulassung, sind Ersparnisse bis zu 35 Prozent möglich. In der Zulassungsbescheinigung Teil II erscheint der Händler als Vorbesitzer des Wagens. Streng genommen zählen Tageszulassungen aber nicht zu den Gebrauchtwagen.

Informationen zu Tageszulassungen

Junge Gebrauchte

Viele Kaufinteressenten suchen nach einem Gebrauchtwagen, der noch in einem guten Zustand ist und eine relativ geringe Fahrleistung hat. In diesem Fall bietet sich ein junger Gebrauchter an. Dieser Begriff beschreibt Gebrauchtfahrzeuge, die nach der Erstzulassung maximal vier Jahre im Verkehr sind. Sie sind aber auch grundsätzlich älter als ein Jahr, denn ansonsten würde es sich bei ihnen ja um Jahreswagen handeln.

Der Vorführwagen

Ein Vorführwagen ist ein gewerblich genutztes Fahrzeug, das ein Händler für Besichtigungen und Probefahrten eingesetzt hat. Mit dem Begriff ist kein bestimmtes Alter des Gebrauchtautos verbunden. Zwar werden die meisten Vorführwagen nur für kurze Probefahrten genutzt und sind selten älter als zwei Jahre, dennoch darf ein Kaufinteressent nicht automatisch davon ausgehen, dass es sich hierbei um einen recht neuen Wagen handelt. Voraussetzung für die Einstufung als Vorführfahrzeug ist jedoch, dass der Wagen bisher noch nicht auf einen Endabnehmer zugelassen war (BGH, 15. September 2010, VIII ZR 61/09).

Informationen zum Vorführwagen


Der Gebrauchtwagen-Markt in Deutschland

Kaum ein anderer Markt in Deutschland macht schon seit Jahren einen derart hohen Umsatz wie der Gebrauchtwagenmarkt. Allein im Jahr 2017 gab es laut Kraftfahrtbundesamt 7,3 Millionen Besitzumschreibungen, allerdings wurden dabei nicht nur Autos gezählt, sondern auch Anhänger. Gemäß einer Schätzung eines Marktforschungsinstitutes setzt der Gebrauchtwagenmarkt hierzulande jedes Jahr mehr als 80 Milliarden Euro um. Er zeigt sich erstaunlich stabil und ist nur geringen Schwankungen unterworfen.

Interessante Zahlen zum Gebrauchtwagenmarkt

Laut KBA wurden beispielsweise im Juli 2018 624.121 Gebrauchtwagen verkauft, was im Vergleich zum Vormonat ein Plus von 1,1 Prozent bedeutet. Vom Jahresbeginn bis Anfang August 2018 wechselten in Deutschland 4.258.823 gebrauchte Fahrzeuge ihren Besitzer, 1,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Deutschland lag das Durchschnittsalter eines Gebrauchtwagens im Jahr 2017 bei rund 6,5 Jahren. Im gleichen Jahr betrug der durchschnittliche Gebrauchtwagenpreis im Markenhandel 15.110 Euro.

Auch interessant: Die Kilometeranzeige eines Gebrauchtfahrzeugs zeigte im Durchschnitt rund 74.040 Kilometer an. Der Marktanteil von privaten Händlern am Gebrauchtwagengeschäft lag 2017 bei rund 32 Prozent (alle Zahlen: Statista.de).

Bei diesen Anlaufstellen finden Kaufinteressenten ein Gebrauchtfahrzeug

Wichtigste Anlaufstelle für die erste Informationsbeschaffung ist und bleibt für potenzielle Gebrauchtwagenkäufer das Internet. Die großen Automobilportale und Pkw-Marktplätze werben mit umfassenden Vergleichen und erleichtern den Interessenten ganz enorm die Recherche. Doch auch außerhalb der Portale und „offline“ ist es natürlich möglich, an einen guten Gebrauchtwagen zu kommen.

Der Gebrauchtwagenkauf über das Internet

Die deutschen Gebrauchtwagenportale im Internet verfügen über riesige Datenbanken. Mehr als eine Million Gebrauchtautos sind bei den größten Portalen keine Seltenheit. Das erleichtert die Recherche, kann die Entscheidung aber auch erschweren. Hat ein Interessent sein Wunschfahrzeug gefunden, muss er unter Umständen lange Wege auf sich nehmen, um sich den Wagen anzuschauen. Das kann auch zu herben Enttäuschungen führen, wenn sich ein vermeintliches Schnäppchen bei einer persönlichen Begutachtung als Flop herausstellt. Mithilfe diverser Filtermöglichkeiten lassen sich Entfernung und Umkreis aber zumindest eingrenzen.
Grundsätzlich ist es auch über das Internet möglich, einen Gebrauchtwagen außerhalb der großen Plattformen von einem privaten Käufer zu erwerben. Lokale Anzeigenportale sind diesbezüglich die besten Anlaufstellen.

Der Gebrauchtwagenkauf vor Ort

Nach einer vom ADAC durchgeführten Studie sind Gebrauchtwagen von privat in Deutschland durchschnittlich rund acht Prozent günstiger als Fahrzeuge vom Händler im örtlichen Autohaus. Allerdings bietet ein Händler auch deutlich mehr Sicherheit. Er muss nämlich – anders als ein privater Verkäufer – eine gewisse Zeit für Sachmängel haften. Wer sich dennoch „offline“ für einen privaten Verkäufer entscheiden möchte, muss einfach nur die Anzeigen in regionalen Zeitungen durchforsten oder selbst eine Suchanzeige aufgeben. Weitere Möglichkeiten sind Aushänge am „Schwarzen Brett“ (beispielsweise im Supermarkt, in der Firma oder an der Uni) und die klassische Mundpropaganda. Die lokale Suche erspart lange Wege und der Interessent muss zur Besichtigung keine lange Anfahrt auf sich nehmen, wenn sich das anvisierte Fahrzeug in der Nähe befindet.

Für Käufe vom Händler bietet sich dagegen der Weg ins Autohaus an, wobei zu unterscheiden ist, ob es sich um einen reinen Gebrauchtwagenhändler handelt oder ein Autohaus, das sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen anbietet. Bei letztgenannter Variante sind die Preise für Gebrauchtfahrzeuge in vielen Fällen günstiger.

Die Unterschiede zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern

Der Gebrauchtwagenkauf beim Händler und die rechtlichen Konsequenzen

Gebrauchtwagen von Händlern sind in der Regel fachmännisch übergeprüft und bei Bedarf auch instandgesetzt worden. Damit tun sich die Händler selbst einen Gefallen, denn schließlich sind sie, wie oben schon erwähnt, zu einer Sachmängelhaftung verpflichtet. Sollte ein Gebrauchtwagen eines Händlers also innerhalb von 24 Monaten einen (vom Käufer unverschuldeten) Defekt aufweisen, muss der Verkäufer dafür haften (§ 438 Absatz 1 Nummer 3 BGB). Davon kann er sich nicht freisprechen, auch nicht mit möglichen Klauseln wie „Gekauft wie gesehen“. Allerdings steht es dem Händler frei, die Gewährleistungsfrist vertraglich auf ein Jahr zu verkürzen. Grundsätzlich beginnt die Frist immer mit der Fahrzeugübergabe.

Wichtig: Üblicher Verschleiß gilt nicht als Sachmangel.

Außerdem muss der Mangel schon bei der Übergabe des Pkw vorhanden gewesen sein. Entstand der Schaden erst nach der Übergabe, muss der Händler nicht haften.
Es wird davon ausgegangen, dass ein Mangel, der innerhalb der ersten sechs Monate nach einem Kaufvertragsabschluss auftritt, vermutlich bereits bei der Übergabe des Gebrauchtwagens vorlag. Dann muss der Händler den Schaden entweder kostenlos beheben oder er muss beweisen, dass der Mangel beim Verkaufsabschluss noch nicht vorlag. Wenn die Reparatur zweimal scheitert, kann der Kunde den Preis mindern oder sogar vom Kaufvertrag zurücktreten, was vor allem bei erheblichen Mängeln oft der Fall ist. Nach diesen ersten sechs Monaten liegt die Beweislast jedoch beim Käufer.
Ein Unfallschaden, der dem Händler bekannt war, muss vor dem Verkaufsabschluss auf jeden Fall offengelegt und festgehalten werden. Für diesen Schaden oder daraus resultierende Folgeschäden haftet der Verkäufer in der Folge dann nicht mehr, denn dem Käufer war der Unfall schließlich bekannt.

Bei Gebrauchtautos wie beispielsweise jungen Gebrauchten kann sich ein Käufer bei auftretenden Problemen auch auf eine Restgarantie des Herstellers berufen. Voraussetzung: Das Garantiebuch oder das Garantiescheckheft liegt vor und die vorgeschriebenen Wartungs- und Pflegeintervalle wurden eingehalten. Doch auch wenn Inspektionen versäumt wurden, muss der Käufer nicht unbedingt auf seinen Garantieanspruch verzichten: Entsprechende Klauseln in den AGB wären in diesem Fall unwirksam. War eine nicht durchgeführte Inspektion jedoch die Ursache des aufgetretenen Schadens, entfällt die Reparaturkostengarantie.

Bei Unklarheiten und Streitigkeiten mit dem Händler empfiehlt es sich, die Kfz-Schiedsstelle für den Gebrauchtwagenhandel einzuschalten.

Die Gebrauchtwagengarantie

Eine Gebrauchtwagengarantie vom Händler ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, sie wird aber von vielen gewerblichen Verkäufern angeboten und ist manchmal bereits mit im Kaufpreis enthalten. Oft kann sie aber auch zusätzlich erworben werden. Sie ist klar von der Sachmängelhaftung zu unterscheiden, bei der es sich um ein gesetzliches verankertes Recht handelt. Häufig sind in dieser Garantie nur einige bestimmte Fahrzeugbauteile enthalten, auch eine Selbstbeteiligung des Käufers kann inkludiert sein. Die gesetzlichen Rechte werden durch eine Gebrauchtwagengarantie in keiner Weise beeinflusst oder eingeschränkt. Ein Händler dürfte dem Käufer nach fehlgeschlagenen Nachbesserungsversuchen also keinesfalls das gesetzliche Recht zum Rücktritt oder zur Kaufpreisminderung verweigern, weil dies in der Gebrauchtwagengarantie nicht vorgesehen ist.

Einen Gebrauchtwagen privat kaufen: günstig, aber manchmal unsicher

Bei Privatkäufen können Interessenten zunächst einmal günstigere Preise erzielen. Oft sind sogar echte Schnäppchen möglich, zumal viele Verkäufer mit sich handeln lassen. Allerdings muss ein privater Verkäufer auch keine Garantie oder Gewährleistung geben. Klauseln wie „Gekauft wie gesehen“ sind hier sogar absolut üblich. Ein privater Verkäufer muss nur dann haften, wenn ihm Arglist nachgewiesen werden kann, weil er Mängel bewusst verschwieg, oder er eine ausdrückliche Garantiezusage gab. Wenn er also vertraglich eine Garantie für eine bestimmte Eigenschaft des Fahrzeugs übernommen hat, muss er für diese Zusage auch haften.

Die Bewertung von Gebrauchtwagen

Die Schwacke-Liste

Wer sein Auto verkaufen will oder wissen möchte, ob ein bestimmter Gebrauchtwagen seinen Kaufpreis wert ist, kann sich zunächst einmal anhand der bekannten Schwacke-Liste orientieren. Sie ist noch immer die bedeutendste Grundlage für gewerbliche und private Fahrzeughändler. Die Liste beinhaltet etwa 80.000 Fahrzeuge mit ihrem jeweiligen Wert. Sie basiert auf einer bundesweit durchgeführten Marktbeobachtung und berücksichtigt Faktoren wie die Verkaufspreise aus dem Handel und die aktuelle Situation auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt. Durch solche und andere Faktoren kann für jedes Baujahr eines Modells ein durchschnittlicher Wert ermittelt werden. Die Bewertung für das eigene Fahrzeug erfolgt online gegen eine Kostenerstattung von derzeit 7,90 Euro (Stand: Oktober 2018). Abgefragt werden Daten wie Baujahr, Modell, Marke, Kraftstoffart, Kilometerstand und Anzahl der Türen. Die Schwacke- Fahrzeugbewertung ermöglicht eine Wertermittlung für Fahrzeuge bis zu einem Alter von zwölf Jahren.

Zu beachten ist aber, dass es sich bei der Liste um tatsächliche Durchschnittswerte gemessen an Durchschnittsfahrzeugenhandelt. Das bedeutet: unfallfrei, mit durchschnittlicher Laufleistung und ohne Schäden. Den dargestellten Durchschnittsautos entsprechen jedoch nur wenige Fahrzeuge, denn kaum ein Pkw ist frei von kleineren Mängeln wie beispielsweise vereinzelten Beschädigungen an der Lackierung. Es kann hierbei also durchaus zu Verzerrungen der Restwertbeurteilung kommen.

Informationen zur Fahrzeugbewertung

Alternativen zu Schwacke

Mittlerweile gibt es mehrere Gebrauchtwagenportale und Dienstleister im Internet, die für die Bewertung keine Gebühren erheben. Einige Portale werben sogar damit, Daten wie die Preisentwicklung am Markt deutlich häufiger zu aktualisieren als Schwacke, was zu präziseren Aussagen führen soll. Außerdem bieten einige wenige Gebrauchtwagenportale eine kostenlose Wertermittlung direkt vor Ort an. Und auch ADAC-Mitglieder können ihr Fahrzeug kostenlos online bewerten lassen. Die Datenbank enthält allerdings nur Modelle der letzten zehn Jahre. Allgemeine Informationen zu mehr als 100 Gebrauchtwagen sind dagegen auch für Nicht-Mitglieder kostenfrei abrufbar.

Eine weitere Möglichkeit sind Gebrauchtwagen-Gutachten und der Gebrauchtwagen-Check wie der „TÜV SÜD Auto Privat Check“. Auch Niederlassungen von DEKRA und anderen Prüforganisationen bieten diese Dienstleistung. Sie werden vor Ort in einem Servicecenter durchgeführt und sind kostenpflichtig. Unterschieden wird üblicherweise zwischen Basispaketen und verschiedenen Optionspaketen, oft wird nach der Begutachtung ein Gebrauchtwagenzertifikat erteilt. Ein solcher Check stärkt zunächst einmal die Verkaufsargumente des Verkäufers und grenzt das Auto gegenüber den anderen Fahrzeugen des privaten Gebrauchtwagenmarktes ab. Gleichzeitig hat der Käufer das beruhigende Gefühl, dass er sich für einen Wagen im angegebenen guten Zustand entschieden hat.

Darauf sollten Kaufinteressenten bei einem Gebrauchtwagen achten

Grundsätzliche Überlegungen bei der Auswahl eines Gebrauchtfahrzeugs

Wer noch überhaupt nicht weiß, welchen Gebrauchtwagen er sich zulegen möchte, sollte zunächst einige Überlegungen anstellen und Recherchen durchführen. Generell sollte ein Auto natürlich wirtschaftlich und günstig im Unterhalt sein, das heißt, Faktoren wie Kraftstoffverbrauch, Höhe der Kfz-Steuer und Typenklasse in der Kfz-Versicherung spielen bei der Entscheidung eine große Rolle. Auch der zu erwartende Wertverlust des Fahrzeugs fließt in die Überlegungen ein. Nach dem ersten Jahr, das bereits zu einem Wertverlust von bis zu 25 Prozent führt, sinkt der Wert in jedem weiterem Jahr jeweils um etwa fünf bis sechs Prozent. Es gibt aber Faktoren, die für mehr Wertstabilität sorgen. Dazu gehören in erster Linie Sonderausstattungsmerkmale wie Alufelgen, Assistenzsysteme wie ESP, Audiosysteme und Klimaautomatik. Außerdem gilt: Ein stark gefragter Gebrauchtwagen erzielt meist deutlich höhere Preise als ein Auto, das vergleichsweise wenige Käufer anspricht. Und natürlich sollte auch die Umweltfreundlichkeit bei der Entscheidung für ein Gebrauchtfahrzeug eine Rolle spielen. Allem voran steht dabei die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, ein Dieselauto zu kaufen. Hier sollten die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Vorteile wie der niedrigere Kraftstoffverbrauch und insgesamt niedrigere Diesel-Preise an den Tankstellen stehen einer höheren Kfz-Besteuerung und drohenden Fahrverboten gegenüber. Schon jetzt brechen die Preise für Dieselfahrzeuge ein, mit extremen Wertverlusten ist zu rechnen. Wie es in Zukunft weitergeht, kann jedoch noch niemand voraussagen.

Die Probefahrt

Hat der Kaufinteressant einen passenden Gebrauchtwagen gefunden, ist eine Probefahrt sozusagen Pflicht. Sie findet idealerweise teilweise in der Stadt und teilweise auf Landstraßen statt. Dank häufiger Gangwechsel kann die einwandfreie Funktion des Getriebes gerade bei Stadtfahrten besonders gut überprüft werden.

Im besten Fall fährt der Kaufinteressant auch einige Kilometer auf der Autobahn, denn dort lässt sich die Durchzugskraft des Motors optimal testen. Er sollte mindestens 30 bis 45 Minuten für die Fahrt einplanen und den Termin so legen, dass bei Tageslicht gefahren werden kann. Bei ungewohnten Geräuschen sollte er sofort hellhörig werden. Wichtig ist auch, das Bremsverhalten in verschiedenen Situationen zu testen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Gebrauchtwagen nicht etwa in eine Richtung zieht. Parkmanöver liefern wichtige Hinweise auf die Rangierfähigkeit des Autos.

Darüber hinaus sind der Zustand und die Verarbeitung des Innenraums zu überprüfen. Oft wackeln Tür- und Seitenverkleidungen oder die Bedienelemente im Cockpit sind bei einem bestimmten Modell so angebracht, dass sie sich für das Empfinden des potenziellen neuen Fahrers zu umständlich erreichen lassen.

Oft sind Fahrzeuge, welche zum Verkauf stehen noch auf den Besitzer angemeldet, so dass einer Prüfungsfahrt nichts im Wege steht. Sollte das Kraftfahrzeug jedoch abgemeldet sein, kann mit einer Anmeldung auf ein Kurzzeitkennzeichen dennoch eine Testfahrt stattfinden. Dass auch der Käufer aus der Ferne ein Kurzzeitkennzeichen beantragen kann und wie es genau steht, wenn das Kfz keine gültige Hauptuntersuchung hat, erfahren Sie in unserem Artikel zum Kurzzeitkennzeichen. Ebenso zeigen wir Ihnen auf, wie man günstig zu einer Kurzzeitkennzeichen Versicherung kommt.

Informationen zum Kurzzeitkennzeichen

Informationen zur günstigen Kurzzeitkennzeichen Versicherung

Der Gang um das Fahrzeug

Das Scheckheft liefert wichtige Hinweise, wie gut (oder schlecht) ein Fahrzeug instandgehalten wurde. Doch ein Blick ins Heft reicht nicht aus, denn eine gründliche optische Inspektion des Gebrauchtwagens ist genauso wichtig wie eine Probefahrt. Sie sollte beim Öffnen der Motorhaube beginnen, hier muss vor allem auf austretendes Öl, Kühlwasser oder andere Betriebsflüssigkeiten geachtet werden. Wirkt der Motor auffällig sorgfältig und frisch geputzt, könnte es sein, dass der Verkäufer einen Ölaustritt verbergen möchte: Hier kann ein nochmaliger genauerer Blick nach der Probefahrt hilfreich sein. Spaltmaße, also Lücken zwischen einzelnen Karosseriebestandteilen, die sehr ungleichmäßig sind, deuten in den meisten Fällen darauf hin, dass größere Unfallschäden repariert worden sind. Die Blinker, das Warnblinklicht, die Scheibenwischer, Pedalen und Sitze sollten ebenso kontrolliert werden wie die Scheiben und die Abdichtungen. Auf Rost und Lackschäden ist natürlich ebenfalls zu achten: auch an schwer zugänglichen Stellen. Nicht weniger wichtig: Funktionsfähigkeit und Verhalten von Armaturenbrett-Beleuchtung und Kupplung.

Abschließend sollten Interessenten einen prüfenden Blick unter den Gebrauchtwagen werfen (lassen).

Der Kaufvertrag beim Gebrauchtwagenkauf

Ein schriftlicher Kaufvertrag ist immer dringend anzuraten, auch wenn mündliche Verträge ebenfalls Gültigkeit haben. Kommt es später zu Streitigkeiten, hat ein schriftlich festgehaltener Kaufvertrag deutlich mehr Aussagekraft. Formelle Vorschriften gibt es für den schriftlichen Vertrag nicht, es empfiehlt sich aber, die wichtigsten Daten unbedingt aufzuführen. Dazu gehören die persönlichen Daten vom Käufer und vom Verkäufer, die genauen Daten des Fahrzeugs inklusive Fahrzeug-Identifikations-Nummer (Fahrgestellnummer), eventuelles Zubehör, das mitverkauft wurde, Kaufpreis, Kilometerstand, zugesagte Eigenschaften des Fahrzeugs, die Anzahl der Vorbesitzer, eventuelle Garantiezusagen und die Erklärung des Verkäufers zur Ummeldung. Selbstverständlich müssen beide Parteien den Kaufvertrag unterschreiben. Im Internet stehen Muster-Kaufverträge zum Download und zum Ausdrucken zur Verfügung.

Käufer sollten auch darauf achten, ob der im Vertrag aufgeführte Verkäufer im Fahrzeugschein als Eigentümer eingetragen ist. Ist dies nicht der Fall, kann sich der Käufer zumindest eine schriftliche Vollmacht sowie den Personalausweis des Bevollmächtigten zeigen lassen.

Die Übergabe der Papiere nach dem Kauf

Der Verkäufer muss dem Käufer bei der Übergabe des Gebrauchtwagens alle erforderlichen Papiere überlassen. Das wären die Zulassungsbescheinigungen Teil I (der ehemalige Fahrzeugschein) und Teil II (der ehemalige Fahrzeugbrief), die TÜV-Bescheinigungen (HU-Bericht), das EU-weit gültige COC-Papier, die Bedienungsanleitung und das Inspektionsheft.

Typische Gebrauchtwagen-Krankheiten

Nicht immer läuft ein Gebrauchtwagen so, wie es sich ein Kaufinteressent oder Käufer wünscht. Und auch optisch muss bei einem gebrauchten Fahrzeug immer mit einigen Blessuren gerechnet werden. Allerdings sollten echte Mängel von alters- und nutzungsbedingten Verschleißerscheinungen unterschieden werden, da dies Auswirkungen auf eine mögliche Haftung des Verkäufers hat. Typische Verschleißteile sind beispielsweise Batterien, Lampen, Scheibenwischer, Bremsscheiben, Bremsbeläge und -klötze, Glühkerzen/Glühstifte sowie Reifen. Zu den häufigsten echten Mängeln gehören dagegen Roststellen an (nur schwer zugänglichen Bereichen) der Karosserie. Weitere typische Gebrauchtwagen-Krankheiten: ein mehr als nur geringfügiger Ölverlust an Motor und Getriebe und Schäden am Radlager sowie an der Servolenkung.

Der ADAC gibt übrigens regelmäßig eine Liste zur Abgrenzung zwischen Mangel und Verschleiß heraus, die online abgerufen werden kann (https://www.adac.de/infotestrat/fahrzeugkauf-und-verkauf/gebrauchtfahrzeuge/gebrauchtwagenkauf/liste-mangel-verschleiss/).

Wer clever agiert, kauft gut

Gebrauchtwagen liegen bei deutschen Autofahrern hoch im Kurs. Argumente wie günstige Anschaffungspreise und eine sofortige Verfügbarkeit sprechen schließlich eine deutliche Sprache. Wer beim Gebrauchtwagenkauf auf der Hut ist und sich nicht von zweifelhaften Versprechungen blenden lässt, erhält auch tatsächlich ein Fahrzeug, das sich auf Dauer auszahlt.