Neuwagen – Vorteile, Definition und Tipps für Sie

Rund 34 Prozent der Neuwagenkäufer in Deutschland waren Anfang 2018 älter als 60 Jahre (Quelle: Statista). Das heißt aber nicht, dass jüngere Menschen kein Interesse an Neuwagen haben, ganz im Gegenteil. Oft spielt einfach nur der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle. Der folgende Beitrag widmet sich ausführlich der Anschaffung eines fabrikneuen Fahrzeuges. Er klärt unter anderem, wo Neuwagen besonders günstig erworben werden können und was es beim Kauf zu beachten gibt.


Die Definition des Begriffs Neuwagen

Die Bezeichnung Neuwagen beinhaltet nach einer Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Zusicherung, dass ein Wagen fabrikneu ist. Und damit ein Fahrzeug als fabrikneu gilt, müssen wiederum einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss es sich dabei um einen unbenutzten Pkw handeln. Wurde er im Rahmen einer Fahrzeugüberführung maximal 1.000 Kilometer gefahren, gilt er jedoch immer noch als unbenutzt, sofern die Laufleistung keinem anderen Zweck diente (Urteil des Oberlandesgerichtes Stuttgart 06/2000, AZ.: 4U 53/00). Des Weiteren ist ein Auto nur dann fabrikneu, wenn das Modell zum Zeitpunkt des Kaufvertragabschlusses unverändert weitergebaut wird. Falls die Produktion der Modellreihe zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt wurde, kann gemäß Definition kein fabrikneues Auto mehr vorliegen. Die maximale Standzeit darf zudem zwölf Monate nicht überschreiten, das heißt, zwischen Fertigung und Verkauf kann höchstens ein Jahr liegen. Außerdem dürfen am Fahrzeug während der Standzeit keine Mängel entstanden sein.

Die Vor- und Nachteile eines Neuwagens

Der größte Vorteil von Neuwagen ist in den umfassenden Konfigurationsmöglichkeiten zu sehen. Der Käufer kann sich nicht nur die Farbe aussuchen, sondern auch die Ausstattung. Das bedeutet, dass er letztendlich ein Auto bekommt, das voll und ganz seinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Außerdem steht Verbrauchern beim Kauf von Neuwagen die volle Gewährleistungszeit zu. Da ein neuer Wagen ohnehin auf dem aktuellsten Stand der Technik ist, punktet er auch mit einer äußerst geringen Reparaturanfälligkeit und einer hohen Zuverlässigkeit. Viele Autofahrer schätzen es zudem, dass sie ihren Neuwagen selbst einfahren können und das Fahrzeug, abgesehen von einer eventuellen Überführungsfahrt, bisher noch von keinem anderen Menschen gefahren wurde. Doch es gibt natürlich auch Nachteile. Zum einen geht ein Neuwagen richtig ins Geld, auch wenn viele Händler mit satten Neuwagenrabatten locken. Des Weiteren muss der Käufer den Wertverlust tragen, der bereits im ersten Jahr bei bis zu 25 Prozent liegen kann.


Die Anbieter von Neuwagen

Früher gab es nur eine Möglichkeit, an einen neuen Wagen zu kommen: Der Weg führte ins Autohaus, wo Kunden eine ausführliche Beratung mit der Gelegenheit zur Probefahrt erwartete. Doch die Zeiten haben sich geändert. Bereits 2016 wurden 16 Prozent aller Neuwagenkäufe von Privatpersonen im Internet abgewickelt. Und die Tendenz ist steigend. Der Onlinekauf von Neuwagen funktioniert meist über spezielle Online-Vermittlungsplattformen. Diese suchen von den Händlern das beste Angebot heraus. Die Vermittler kooperieren dabei mit verschiedenen Autohändlern, die den Kunden die beim Hersteller georderten Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Der Kaufvertrag wird jedoch nicht mit dem Vermittler abgeschlossen, sondern direkt mit dem Händler. Die Vermittlungsplattformen werben oft mit attraktiven Rabatt-Versprechen gegenüber dem jeweiligen Listenpreis. Und tatsächlich: Internet-Neuwagen-Vermittler gewähren laut einer Studie des ADAC durchschnittlich um fünf Prozentpunkte höhere Nachlässe. Dafür gibt es auch gute Gründe. Vor allem in Regionen mit einer geringeren Kaufkraft stehen die Händler unter Druck, bestimmte Stückzahlen, Absatzziele und Vorgaben zu erreichen. Sie bieten ihre Neuwagen daher auch online an und sind froh über jedes verkaufte Auto. Seriöse Plattformen verlangen für die Vermittlung zudem keine Provision vom Kunden, so dass der Kauf eines Neuwagens im Internet eine echte Alternative zum örtlichen Autohaus sein kann. Allerdings gibt es auch hier Nachteile. Kaufinteressenten können den gewünschten Wagen vorab weder anschauen noch Probe fahren. Und nicht selten müssen auch lange Anfahrtswege in Kauf genommen werden, um das neue Auto abzuholen. Grundsätzlich ist zwar auch eine Anlieferung möglich, die ist jedoch meist mit erheblichen Kosten verbunden. Eine Inzahlungnahme des alten Wagens ist bei einem Onlinekauf ebenfalls nicht möglich. Potenzielle Autokäufer sollten also sorgfältig abwägen, ob sie ihren Neuwagen im Autohaus oder im Internet kaufen.

Ein Neuwagen muss eingefahren werden: Das gilt auch heute noch

Schon seit jeher gilt bei einem Neuwagen die Faustregel, den Motor über die ersten 1.000 bis 2.000 Kilometer vorsichtig zu bewegen und danach das Motoröl zu wechseln. Zwar sind die Ölfilter heutzutage so leistungsfähig und die Bauteile bei den modernen Motoren so perfekt aufeinander abgestimmt, dass die Autohersteller kaum mehr empfehlen, das Motoröl nach 1.000 Kilometern zu wechseln, auf das behutsame Einfahren sollte aber dennoch nicht verzichtet werden. Schließlich muss sich beispielsweise das Zusammenspiel von Kolben und Zylinder sowie von Scheiben und Belägen trotz der präzisen Abstimmung der Bauteile erst einmal einschleifen. Die Stoßdämpfer entwickeln ihre vollständige absorbierende Wirkung auch erst nach mehreren Hundert Kilometern.

Und auch den Reifen tut das Einfahren gut: Sie werden nämlich in der Fertigung von einem speziellen Trennmittel umhüllt, damit sie sich nach der Vulkanisierung einfacher aus der Form lösen. Dieses Trennmittel muss zunächst abgefahren werden.

Tipp: Der mittlere Drehzahlbereich ist übrigens laut Experten am besten geeignet, einen neuen Wagen einzufahren.

Die Neuwagen-Garantie im Vergleich zur gesetzlichen Gewährleistung

Die gesetzliche Gewährleistung bei Neuwagen ist in § 437 BGB geregelt und wird auch Sachmängelhaftung genannt. Sie gilt unabhängig von Fahrzeugtyp und Automarke zwei Jahre ab dem Auslieferungszeitpunkt beziehungsweise dem Kauf des Wagens. Diese uneingeschränkte Zusicherung für jeden Autokäufer besteht seit dem 01.01.2002.

Die Herstellergarantie für einen Neuwagen ist dagegen eine freiwillige Leistung. Ihr Umfang ist von Marke zu Marke verschieden. In der Regel handelt es sich dabei um eine Haftung für bestimmte Neuwagenteile (beispielsweise Karosserie/Neuwagengarantie gegen Durchrostung oder Motor/Mobilitätsgarantie für Neuwagen), oft ist sie zudem abhängig von der Laufleistung des Fahrzeugs. Auch ihre Dauer kann je nach Hersteller sehr unterschiedlich ausfallen. Deutsche Autobauer gewähren ihre freiwillige Neuwagen-Garantie häufig nur für zwei Jahre, bei asiatischen Fahrzeugherstellern liegt sie oft bei drei, fünf oder gar sieben Jahren. Der gesetzliche Anspruch auf die Sachmängelhaftung gilt genau wie die freiwillige Herstellergarantie auf Neuwagen grundsätzlich unabhängig davon, wie und wo der Neuwagen erworben wurde. Es spielt also keine Rolle, ob der Kauf direkt im Autohaus getätigt wurde oder über Online-Vermittler im Internet.

So lange müssen Käufer auf ihren Neuwagen warten

Die Lieferzeit für Neuwagen liegt in Deutschland bei mindestens drei Monaten. Nur in seltenen Ausnahmefällen geht es auch einmal schneller. Wird der Wagen erst aufwendig nach den Wünschen des Käufers konfiguriert, sind auch längere Wartezeiten möglich. Außerdem kommt es immer wieder zu Lieferengpässen bei einzelnen Herstellern oder für bestimmte Modelle. Dies trifft derzeit insbesondere auf Elektroautos sowie Fahrzeuge mit Hybrid- und Erdgas-Antrieb zu. 2018 sorgt auch der neue Abgas-Prüfzyklus „Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure“ (WLTP) für deutlich längere Lieferzeiten, die bis zu 14 Monate betragen können. Der Grund: Die Neuwagen wurden nicht rechtzeitig nach WLTP zertifiziert und zugelassen, da den Herstellern die Ingenieure und die Prüfstände fehlen (Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article180566778/Lieferschwierigkeiten-bei-Neuwagen-Spaetfolgen-von-Dieselgate-werden-spuerbar.html).

So sollten Neuwagen versichert werden

Bei einem Neuwagen empfiehlt sich grundsätzlich der Abschluss einer Vollkasko-Versicherung. Sie ist im Vergleich zu einer Teilkasko- oder Haftpflichtversicherung zwar teurer, deckt in der Regel aber auch die Schäden am eigenen Fahrzeug bei einem selbst verschuldeten Unfall ab. Um die Beiträge für die Vollkasko zu senken, kann ein Selbstbehalt gewählt werden. Er sollte aber nicht zu hoch ausfallen: Experten raten zu einem Anteil von 300 Euro, denn er stellt einen vernünftigen Kompromiss zwischen Kosten und Nutzen dar.

Darüber hinaus wird Neuwagenkäufern im Rahmen einer Vollkasko-Versicherung der Abschluss einer sogenannten „Neupreisentschädigung“ empfohlen, denn die Versicherung wird bei einem Totalschaden ansonsten nicht den Neuwert, sondern nur den Zeitwert ersetzen.

Wer seinen Neuwagen über ein Leasingmodell finanziert, sollte zudem eine Leasingraten-Ausfallversicherung abschließen. Sie schützt bei einem eventuellen Totalschadens davor, die Leasing-Raten weiter bezahlen zu müssen, obwohl das Auto gar nicht mehr existiert.

Der Erstbesitzer- oder Neuwagenrabatt ist eine verbreitete und beliebte Option im Rahmen der Kfz-Versicherung. Die Ersparnis beträgt beispielsweise bei der Vollkaskoversicherung bis zu fünf Prozent und bei der Kfz-Haftpflichtversicherung bis zu zehn Prozent. Wer den Neuwagenrabatt dann noch zusätzlich mit anderen Nachlässen wie zum Beispiel dem Berufsgruppenrabatt oder dem Einzelfahrer-Rabatt kombiniert, kann seine Jahresprämie noch deutlicher reduzieren.

Der Kauf eines Neuwagens und die Nebenkosten

Oft erleben Käufer eines Neuwagens eine böse Überraschung, denn der Kauf ist oft mit diversen Nebenkosen verbunden. Wichtigster Posten ist die Überführungsgebühr. Sie macht häufig fünf bis zehn Prozent des Kaufpreises aus. Die genaue Höhe ist in der Regel dem jeweiligen Händler überlassen. Bei einer Selbstabholung im Werk kann kaum gespart werden, denn auch dafür fallen Kosten an: für einen Audi ab 500 Euro (Überführungskosten modellabhängig bis 1.166 Euro), für einen BMW 845 Euro und für einen VW 360 Euro. Mercedes verlangt für Fahrzeuge der C- und E-Klasse dagegen weder Überführungs- noch Abholgebühren (Alle Zahlen: Stand 2017/ Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/ratgeber/fahrzeug-ueberfuehrungskosten-das-verlangen-die-haendler/).

So kann ein Neuwagen finanziert werden

Grundsätzlich haben Verbraucher drei Möglichkeit, einen Neuwagen zu kaufen. Entweder mit dem klassischen Barkauf, einer Finanzierung (also einem Autokredit) oder über ein Leasingmodell. Legt der Käufer den Kaufbetrag bar auf den Tisch, kann er beim Händler einen besonders günstigen Preis aushandeln. Doch nur wenige Menschen können über derart hohe Beiträge frei verfügen. Der Autokredit oder auch das Leasing kann daher eine gute Alternative sein.

Der Traum vom Neuwagen

Ein Neuwagen ist für viele Verbraucher immer noch das Nonplusultra, allerdings ist die Verwirklichung des Traums nicht ganz billig: 2017 lag in Deutschland der durchschnittliche Neuwagenpreis bei 30.350 Euro. Laut einer repräsentativen Umfrage gaben im gleichen Jahr 35 Prozent der Fahrer von bis zu fünf Jahren alten Autos in Deutschland an, dass sie bereit wären, für eine attraktivere Innenausstattung einen Aufpreis zu zahlen (Quelle: Statista).