Reifen sind heutzutage weit mehr als nur ein gummierter und austauschbarer Belag für Felgen von Kraftfahrzeugen. Sie entscheiden über Fahreigenschaften, Sicherheit und Komfort – und müssen dabei höchsten Belastungen standhalten.
Der nachfolgende Artikel zeigt Ihnen, aus welcher Idee Reifen entstanden, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und welchen Ansprüchen sie heutzutage genügen müssen.


Die Geschichte des modernen Reifens

Der erste mit Luft gefüllte Reifen wurde bereits im Jahre 1887 konzipiert. Damals befestigte John Boyd Dunlop aus Schottland, seines Zeichens Tierarzt, provisorisch einen Gummischlauch an einem Fahrradrad aus Holz, um das Radeln angenehmer zu machen. Die Grundidee einer schonenden Ummantelung für Räder, die zeitgleich die Bodenhaftung signifikant verbesserte, war geschaffen.
Nur vier Jahre später griffen die Michelin-Brüder die Idee Dunlops auf und entwarfen ein Nachfolgermodell. Im Gegensatz zum Dunlop-Reifen konnte das Michelin-Pendant bereits demontiert und damit gewechselt werden. Zwei Jahrzehnte später erhielt der Reifenprototyp einen Metallkern, der sich äußerst positiv auf Stabilität, Belastbarkeit und Spurhaltevermögen auswirkte. Die Grundidee des modernen Reifens entstand – und wurde 1930 vollendet. In diesem Jahr legte Michelin das Patent für einen einvulkanisierten Schlauch vor – der Vorgänger des heute bekannten schlauchlosen Reifens. Mit seinem Lamellenprofil und der innovativen Kombination aus Kautschuk und Stahldrähten folgten dann weitere Innovationen, die für die Weiterentwicklung des Reifens prägend waren.

Übrigens: Sowohl Dunlop als auch Michelin zählen heutzutage zu den bedeutendsten Reifenherstellern. Beide Unternehmen blicken auf eine langjährige Geschichte zurück – und waren maßgeblich an der Grundidee des Reifens beteiligt.

Hier finden moderne Reifen Anwendung

Nahezu überall dort, wo Fahrzeuge im Einsatz sind, finden sich auch mit Luft gefüllte Gummireifen. Die wohl besten Beispiele finden sich im Straßenverkehr: Hier verrichten Auto-, Motorrad-, Lkw- und andere Arten von Reifen ihren Dienst. Aber auch an Fahrrädern, Baufahrzeugen, Flugzeugen oder gar Mond- oder Mars-Rovern sind Reifen nicht mehr wegzudenken. Schließlich haben sie sich im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten Bestandteile von Rädern entwickelt.

Anforderungen, Belastbarkeit und mehr

Sicherheitsaspekte bei Reifen

Reifen an Kraftfahrzeugen müssen sich in dreierlei Punkten bewähren. An erster Stelle steht für viele Menschen die Sicherheit. Das heißt: Der Reifen muss das Gewicht des Fahrzeugs zuverlässig tragen können und genug Bodenhaftung entwickeln, um sowohl bei Geradeausfahrt als auch in Kurven auf verschiedensten Untergründen nicht ins Rutschen zu geraten. Zeitgleich muss er stabil genug sein, um auch hohe Geschwindigkeiten, extreme Temperaturen und starke Bremsmanöver auszuhalten.

Der Fahrkomfort

Ein weiterer Aspekt ist der Fahrkomfort, der ebenso maßgeblich von den Reifen abhängt. Denn die Pneus entscheiden mit dem Fahrwerk darüber, wie gut Fahrbahnunebenheiten abgefangen werden und wie angenehm das Fahrverhalten ist. Auch der Rollwiderstand spielt eine große Rolle. Er entscheidet über die Geräuschentwicklung des Reifens.

Die Wirtschaftlichkeit

Der letzte und ebenfalls wichtige Punkt ist die Wirtschaftlichkeit von Reifen. Denn zwischen verschiedenen Modellen können große Unterschiede in puncto Spritverbrauch und Abnutzung existieren. Auch hier macht sich der Rollwiderstand bemerkbar – je größer er ist, desto stärker leidet das Material unter Verschleiß. Verstärkt werden kann der Effekt durch die falsche Reifennutzung. Das beste Beispiel dafür ist der Einsatz von Winterreifen im warmen Sommer.


Über Aufbau und Material von Reifen

Sowohl der Aufbau als auch das Material moderner Reifen können in vielerlei Hinsicht variieren. Zum einen verwenden die unterschiedlichen Hersteller verschiedene Vorgehensweisen bei der Herstellung. Zum anderen kommt es auf die spezifischen Anforderungen an. Im Nachfolgenden finden Sie eine Übersicht, auf welche Materialien bei der Produktion und Entwicklung von Reifen gesetzt wird und welcher Aufbau daraus resultiert.

Reifengummi – Natürlicher oder synthetischer Kautschuk

Der Volksmund besagt, dass Reifen – insbesondere Autoreifen – ganz einfach aus Gummi sind. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn schon hier treten die ersten Unterschiede auf. Gemeinhin wird nämlich zwischen verschiedenen Kautschuksorten unterschieden – allen voran zwischen der natürlichen und der synthetischen Version. Je nach Anforderungsprofil kommt die eine oder andere Sorte zum Einsatz. In vielen Fällen werden sie kombiniert und mit Additiven versehen, um gewisse Eigenschaften zu unterstreichen oder zu neutralisieren. Prinzipiell besteht die komplette Lauffläche – also das Profil – mitsamt der Flanken aus Gummi. Andere Materialien werden im Inneren des Reifens verwendet.

Die Reifenkarkasse

Bei der Karkasse handelt es sich um das Skelett des Reifens. Üblicherweise besteht sie aus Textilien, also Geweben, die dem Reifen seine Form geben und ihn stabilisieren. Müssen die Reifen sehr hohen Belastungen standhalten, beispielsweise bei Lastkraftwagen, so kann auch Stahl als formgebender und stabilisierender Werkstoff eingesetzt werden.

Bei einigen Reifentypen – wie etwa den Run-Flat-Reifen – gibt es zusätzliche Verstärkungen in der sogenannten Reifenwulst. Der Vorteil besteht darin, dass der Pneu auch ohne Luft für eine gewisse Strecke genutzt werden kann, ohne dass das Fahrzeug auf der Felge läuft.

Das Reifenprofil

Auf den Laufflächen moderner Reifen sind – abgesehen von den sogenannten Slicks – Profile integriert, die sich über regelmäßige Erhebungen, Kanäle oder Zähne definieren. Diese Reifenprofile kommen zum Einsatz, um auf verschiedenen Untergründen die bestmögliche Bodenhaftung zu erzeugen. Wasserkanäle werden verwendet, um vor dem Reifen bestehendes Fahrbahnwasser abzuführen, ohne dass der Reifen aufschwimmt und es zu Aquaplaning kommt. Je nach Anwendungsgebiet gibt es unterschiedliche Reifenprofile. Beispiele sind Straßenprofile, Offroadprofile oder Rennprofile.

So funktioniert der Reifen am Fahrzeug

Um seinem Verwendungszweck gerecht zu werden, benötigt der Reifen bei nahezu jedem Fahrzeug eine sogenannte Felge. Dabei handelt es sich um ein in der Regel aus Metall bestehendes kreisrundes Bauteil, über das der Reifen gespannt wird. Die Felge übernimmt die Verbindung zwischen Achse und Reifen und bietet über das Felgenbett eine formschlüssige Verbindungsfläche, damit es weder zu Beschädigungen noch zu Druckverlusten kommen kann.

Der richtige Reifendruck

Die meisten modernen Reifen werden entweder mit normaler Luft oder mit Reifengas befüllt. Bei der Verwendung ist in jedem Falle darauf zu achten, dass den Herstellervorgaben in Bezug auf den Reifendruck Folge geleistet wird. Starke Abweichungen können sich negativ auf Verschleiß, Verbrauch und Sicherheit auswirken.

Typische Defekte von Reifen

Am häufigsten werden Reifen ausgetauscht, weil sie entweder verschlissen oder zu alt sind. Ersteres ist der Fall, wenn die Profiltiefe nicht mehr den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben entspricht. Letzterer Grund für einen Austausch besteht, wenn der Kautschuk Risse bildet, weil er austrocknet oder zulange der Sonne ausgesetzt war.

Aber auch andere Arten von Defekten können einen Wechsel oder eine Reparatur notwendig machen. Dazu zählen beispielsweise mechanische Schäden wie Risse oder eingefahrene Gegenstände.

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