Kraftstoff-Additive (Zusätze) im Überblick

Verbrennungsmotoren werden mit Kraftstoffen betrieben. Um eine hohe Leistungseffizienz sowie maximale Reichweiten zu erzielen, verfügen die hauptsächlich verwendeten Kraftstoffe Benzin und Diesel über eine hohe Energiedichte. Um sie wirklich perfekt auf ihren jeweiligen Einsatzzweck zuschneiden zu können, werden diverse Additive – meist schon in der Raffinerie – hinzugefügt. Welche Anforderungen diese erfüllen müssen und welche Zugaben den Kraftstoffen oftmals beigemengt werden, zeigt der nachfolgende Artikel.


Die grundsätzlichen Anforderungen an Kraftstoffe

Kraftstoffe müssen mehrere Eigenschaften erfüllen. Im Vordergrund stehen eine hohe Energiedichte und die optimale, motorschonende Verbrennung. Verschiedene heute übliche Maßnahmen wie die Aufladung durch Turbos und Kompressoren ermöglichen das sogenannte Motoren-Downsizing, was letztendlich in weniger Kraftstoffverbrauch und geringerem Schadstoffanteil der Abgase mündet. Diese hohe Leistung bei kompaktem Hubraum – in Kombination mit niedrigem Schadstoffausstoß – setzt jedoch einige Dinge voraus. Dazu zählen:

  • eine hochpräzise Motorabstimmung (unter anderem exakte Zündzeitpunkte und ein exaktes Einspritzbild).
  • sehr niedrige Fertigungstoleranzen unter Einsatz von Speziallegierungen, um hohen Temperaturen standhalten zu können.
  • ein hoher Wirkungsgrad bei der zusätzlichen Abgasreinigung (Katalysatoren, Rußpartikelfilter).

 
Gleichzeitig müssen die Kraftstoffe mitsamt ihrer Additive einige Anforderungen erfüllen, dazu zählen:

  • Verhinderung von Verschmutzungen und Ablagerungen im Kraftstoffsystem (z.B. Leitungen und Einspritzdüsen).
  • Schmierung mechanisch beweglicher Bauteile.
  • möglichst schadstofffreie und effiziente Verbrennung in allen Situationen (warm, kalt, Kurz- oder Langstrecke etc.).
  • Unterstützung bei der zusätzlichen Abgasreinigung.

 

Additive als Kraftstoff-Ergänzung für Benziner und Diesel

Teilweise werden Kraftstoffen Zusätze bereits ab Raffinerie beigemischt. Viele Tankstellen bewerben Marken-Kraftstoffe mit Eigenschaften, die sich positiv auf Motorleistung, Fahrverhalten und Betriebssicherheit auswirken. An freien Tankstellen wird in der Regel Kraftstoff frei von derartigen Additiven und streng nach Norm angeboten.

Da Kraftstoffe für die breite Masse der Fahrzeuge im Straßenverkehr möglichst optimale Eigenschaften gewährleisten müssen, können ab Raffinerie beigemischte Additive Faktoren wie das individuelle Fahrverhalten nicht berücksichtigen. Mit zusätzlich erhältlichen Additiven können Autofahrer den Kraftstoff jedoch weiter optimieren.

Spezielle Additive für Schmierleistung und Reinigung

Ein Fahrzeug, das vornehmlich im urbanen Stop-and-Go-Verkehr genutzt wird, kommt seltener auf optimale Betriebstemperaturen, was zu größeren Ablagerungen an den Bauteilen führt. Ein Fahrzeug im Langstreckenverkehr mit hoher Laufleistung erfährt dagegen einen höheren mechanischen Verschleiß. Für das Fahrzeug im Stadtverkehr ist daher eine Optimierung der reinigenden Wirkung von Kraftstoff sinnvoll, beim Langstreckenfahrzeug hingegen eine höhere Schmierleistung. Entsprechende Additive verbessern diese Eigenschaften.

Ein weiteres Beispiel für den gezielten Einsatz von Additiven ist die Reinigung des Rußpartikelfilters: Ein Teil des Kraftstoffs verbrennt nicht, sondern gelangt in den Rußpartikelfilter. Hier zündet das Gemisch ab bestimmten Temperaturen und brennt den Filter frei. Ein Langstreckenfahrzeug erreicht die notwendige Temperatur im Partikelfilter regelmäßig, ein Fahrzeug im Stadtverkehr kaum. Additive schaffen hier Abhilfe, da sie die Reinigung auch bei niedrigen Temperaturen in der Abgasanlage unterstützen.

Bleiersatzadditive für Oldtimer

Motoren von Oldtimern benötigen häufig bleihaltiges Benzin zur mechanischen Schmierung. Da Blei in Katalysatoren eine toxische Wirkung entfaltet, wurde verbleites Benzin in den 1990ern jedoch abgeschafft. Der Zubehörmarkt bietet daher spezielle Bleiersatzadditive.

Additive für eine verbesserte Klopffestigkeit

Eine wichtige Kenngröße bei Kraftstoffen ist die Zündwilligkeit. Bei Benzinkraftstoffen gibt die Oktan-Zahl darüber Aufschluss, bei Dieselkraftstoffen die Cetan-Zahl. Bei einer nicht geeigneten Oktanzahl kann eine unkontrollierte Eigenzündung auftreten. Das führt zum Klopfen oder Klingeln eines Motors. Spezielle Additive können das Klopfverhalten verbessern.

Additive für Kraftfahrzeuge mit Gasantrieb

Neben spezifischen Additiven für herkömmliche Benziner und Diesel sind auch für gasbetriebene Fahrzeuge Zusätze erhältlich, die den Motor schützen und die Leistung verbessern können.

Bei Ottomotoren, die mit Erdgas oder Autogas betrieben werden, ist die thermische Belastung durch den Verbrennungsprozess für angrenzende Bauteile oftmals höher als bei Benzinern. Zudem entsteht durch den höheren Druck Reibung, was zu Mikroverschweißungen an den Bauteilen führen kann. Um Schäden an Ventilen und Ventilsitzen zu verhindern, können dem Kraftstoff Additive zur Schmierung und Kühlung beigemischt werden.

Additive für Hybrid-Fahrzeuge

Bei Hybridfahrzeugen kommt der Verbrennungsmotor meist nur für kurze Zeit zum Einsatz, sodass der Kraftstoff länger im Tank bleibt und an Qualität verliert. Durch den unregelmäßigen Betrieb bilden sich zudem häufiger Rückstände im Einspritztrakt. Spezielle Additive für Hybridfahrzeuge halten die Kraftstoffqualität stabil und reinigen das Einspritzsystem.


Wirksamkeit von Additiven

Die am häufigsten beworbenen Additive betreffen die Reinigung des Motors, die Klopffestigkeit und das Laufverhalten des Motors allgemein. Einschlägige Automagazine testen die Wirksamkeit von Additiven regelmäßig. Diese zeigen, dass von Additiven keine Wunder zu erwarten sind, sie die Langlebigkeit und das Laufverhalten von Motoren jedoch durchaus positiv beeinflussen, wenn sie den individuellen Anforderungen entsprechend eingesetzt werden. Autobesitzer sollten jedoch ausnahmslos auf hochwertige, ausgiebig getestete Kraftstoff-Additive namhafter Hersteller zurückgreifen. Bei minderwertigen Produkten besteht stets das Risiko, dass nicht wirklich bekannt ist, was dem Kraftstoff beigemengt wird, und sie dem Motor im schlimmsten Fall schaden. Unter anderem können ungeeignete Produkte Motor-Bauteile wie Dichtungen chemisch angreifen und deshalb mittelfristig zu Schäden führen.