Der Oldtimer als Fahrzeugart in der Übersicht

Speziell als Pkw sind Oldtimer bei Sammlern und Fans beliebt. Dennoch steht der Begriff Oldtimer gleichermaßen für historische Pkw, Traktoren, Motorräder, Lastkraftwagen und Omnibusse. Welche Kriterien für den Oldtimer-Status erfüllt sein müssen, erfahren Sie hier.

Charakteristik eines Oldtimers

Für den Begriff des Oldtimers gibt es klare Richtlinien. Die EU-Gesetzgebung definiert seit 2012 ein Fahrzeug als historisch, wenn es vier Kriterien erfüllt: Zunächst spielt das Alter des Anwärters für den Oldtimer-Status eine Rolle. Damit es als Oldtimer gilt, liegt sein Herstellungsdatum mindestens 30 Jahre zurück. Die eingebauten Ersatzteile gleichen den originalen Komponenten des Automobils, Traktors oder Motorrads. Ferner kommt es auf die Originalität der Technik an. Vor allem die Hauptbestandteile des Fahrzeugs, beispielsweise Motor und Bremsen, müssen unverändert sein. Gleiches gilt für die Steuerung und die Aufhängung. Als echte Oldtimer gelten ausschließlich Vehikel, deren äußeres Erscheinungsbild seit der Herstellung unverändert geblieben ist.

Automobile mit einem Alter zwischen 20 und 29 Jahren bezeichnen Sammler als Youngtimer, vereinzelt zählen auch jüngere Fahrzeuge dazu. Eine genaue Festlegung des Begriffs existiert nicht, denn seit 2007 steht der Youngtimer nicht mehr in der Straßenverkehrszulassungsordnung (Stand: 12.2017).


Die Oldtimer-Klassifizierung nach Alter oder Zustand

Damit ein Fahrzeug in Deutschland als Oldtimer zugelassen werden kann, benötigt der Halter seit März 2007 ein Gutachten. Das besagt Paragraf 23 der Straßenverkehrszulassungsordnung. Die Legaldefinition beschreibt den Fahrzeugtyp als:

  • mindestens vor 30 Jahren erstmalig in den Verkehr gekommen,
  • weitgehend im originalen Zustand belassen,
  • im guten Erhaltungszustand befindlich und
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienend.

 
Das Alter des Vehikels bestimmt der Tag der Erstzulassung.

ADAC und AvD verwenden die Klassifizierung nach dem Baujahr

Um Oldtimer bei Veranstaltungen wie Rallyes vergleichen zu können, werden sie vom Oldtimer-Weltverband (FIVA) in verschiedene Baujahrs-Klassen eingeteilt. Diese Einteilung berücksichtigt den technischen Entwicklungsstand der damaligen Zeit. Die Oldtimer-Klassifizierung nach dem Baujahr ist international gebräuchlich.

  • Klasse B. (Veteran): 1. Januar 1905 bis 31. Dezember 1918
  • Klasse C. (Vintage):1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1930
  • Klasse D. (Post Vintage): 1. Januar 1931 bis 31. Dezember 1945
  • Klasse E. (Post War): 1. Januar 1946 bis 31. Dezember 1960
  • Klasse F: 1. Januar 1961 bis 31.12.1970
  • Klasse G: ab 1. Januar 1971, Fahrzeugalter mind. 30 Jahre

 

Die Oldtimer-Klassifizierung nach dem Fahrzeugzustand

Speziell für die Wertermittlung eines Oldtimers ist die Klassifizierung nach technischem und optischem Zustand relevant. Bei den Sammlern etablierte sich daher ein gesondertes Notensystem, das beispielsweise als Kriterium für die Versicherung des Fahrzeugs dient:

Die Note 1 beschreibt den makellosen Zustand des Vehikels. Dieses weist keine Mängel, Beschädigungen oder Gebrauchsspuren auf. Es handelt sich um einen perfekt gepflegten Oldtimer, der dem Originalzustand entspricht.

Note 2i bezeichnet einen guten Zustand, wobei der Wagen leichte Gebrauchsspuren aufweist.

Der gebrauchte Zustand entspricht im Notensystem der 3. Entsprechende Fahrzeuge sind verkehrssicher und fahrbereit. Allerdings weisen Ausstattung und Technik Gebrauchsspuren auf.

Die Note 4 steht für den verbrauchten Zustand. Die Oldtimer fahren eingeschränkt. Zudem beeinträchtigen leichte Durchrostungen ihr allgemeines Erscheinungsbild. Sie verfügen über komplette, jedoch nicht zwingend unbeschädigte Baugruppen.

Restaurierungsbedürftige Fahrzeuge bewertet das Notensystem mit einer 5. Diese bescheinigt dem Vehikel einen mangelhaften, nicht fahrbaren Gesamtzustand. Damit der Wagen fährt, bedarf es umfangreicher Arbeiten.

Der FIVA-Fahrzeugpass klassifiziert anerkannte Oldtimer gesondert

Den FIVA-Fahrzeugpass – auch Identity Card genannt – erhalten die Eigentümer der historischen Fahrzeuge vom Weltverband der Oldtimer-Klubs. Dabei vergibt die Fédération Internationale des Véhicules Anciens den Pass ausschließlich an geprüfte Vehikel. In Deutschland übernimmt der ADAC die nationale Vertretung für die FIVA.

Der Fahrzeugpass behält seine Gültigkeit für zehn Jahre und fungiert als Identifikationshilfe des Fahrzeugs. Dadurch wirkt der Weltverband der Oldtimer-Klubs den Fälschungen hochpreisiger historischer Kraftfahrzeuge entgegen. Im Pass klassifiziert die FIVA das jeweilige Fahrzeug nach Fahrzeugklasse und der Erhaltungsgruppe. Dabei existieren vier Gruppen:

  • Gruppe eins: authentische Fahrzeuge, die sich im Originalzustand befinden,
  • Gruppe zwei: originale Kraftfahrzeuge mit lückenloser Historie und ohne Restaurationen,
  • Gruppe drei: restaurierte Vehikel mit minimalen Abweichungen,
  • Gruppe vier: wiederaufgebaute Modelle, die sich nahe an der Hersteller-Spezifikation orientieren.

 

Berühmte Oldtimer: VW-Käfer und Ford Mustang

Der VW Käfer wurde von 1938 bis 2003 hergestellt und zählt mit mehr als 21,5 Millionen Exemplaren zu den meist verkauften Automobilen der Welt. Modelle, die bis 1987 gebaut wurden (Stand 2017), zählen heute zu Oldtimern. In der Filmreihe „Ein toller Käfer“ (1968, diverse Fortsetzungen bis 2005) spielt der VW Käfer „Herbie“ aus dem Baujahr 1963 die Hauptrolle.

Ein weiteres beliebtes Exemplar ist der Ford Mustang 1 (T5). Der Sportwagen wurde in vier Versionen von 1964 bis 1973 gefertigt und hatte bereits in zahlreichen amerikanischen Filmen seinen großen Auftritt. Auch Modelle des Mustang 2 und 3 zählen heute zu den Oldtimern.


Fazit: Oldtimer als Wertanlage

Durch das H-Kennzeichen erhalten die Besitzer eines historischen Fahrzeugs steuerliche Vergünstigungen. Sämtliche Benziner, deren Erstzulassung vor dem ersten Juli 1969 liegt, befreit der Gesetzgeber von der Abgasuntersuchung. Gleiches gilt für Dieselfahrzeuge, die erstmalig vor Januar 1977 zugelassen wurden. Dem Fahrer eines Kraftfahrzeugs mit H-Kennzeichen ist es gestattet, ohne Plakette in jede Umweltzone einzufahren. Ein weiterer Vorteil besteht in geringeren Versicherungskosten. Dienen die historischen Fahrzeuge nicht dem täglichen Gebrauch, sinkt die Kfz-Haftpflichtversicherung mit zunehmendem Alter des Wagens. Ein Nachteil der Wertanlage Oldtimer besteht im kostspieligen Unterhalt der Gefährte. Speziell bei sehr alten und seltenen Modellen fällt es schwer, originale Ersatzteile zu finden.