Das Motorrad in der Übersicht

Das Motorrad stellt allgemein gesprochen ein einspuriges, ein- bis zweisitziges Motorfahrzeug dar. Motorräder gibt es in zahlreichen Ausführungen, Bauformen und Leistungsklassen. Der Hubraum ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. So werden etwa Leichtkrafträder (Klasse A1) von Motorrädern im engeren Sinne (Führerscheinklasse A) abgegrenzt. Die Kategorien sind in Abhängigkeit von der Leistung vom Gesetzgeber vorgegeben. Welche Motorradarten es gibt, wie sie sich technisch unterscheiden und worin die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Fahrzeugarten bestehen, erfahren Sie hier auf dem Kfz-Serviceportal.


Definition: juristisch und technisch

Gemäß § 9 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung sind Motorräder im engeren Sinne maschinenkraftbewegte, nicht an Gleise gebundene und mit nicht mehr als zwei Rädern ausgestattete Landfahrzeuge. Sie haben einen Hubraum von mehr als 50 Kubikzentimetern oder erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von über 45 Kilometern pro Stunde. Für Motorräder im engeren Sinne ist grundsätzlich eine Fahrerlaubnis der Klasse A erforderlich. Dies ist in § 6 der Fahrerlaubnisverordnung geregelt.

Motorräder zeigen im Vergleich zu anderen Kraftfahrzeugen wie etwa Pkw ein deutlich geringeres Leistungsgewicht. Dies hängt mit dem in Relation zur Motorleistung geringeren Gewicht des Fahrzeuges zusammen. Davon abgesehen ist der Rollwiderstand eines Motorrads geringer, was auch bei weniger leistungsstarken Fahrzeugen eine starke Beschleunigung ermöglicht. Bauartbedingt zeigen Motorräder jedoch einen größeren Luftwiderstand, weshalb geringere Höchstgeschwindigkeiten als bei den schnellsten Pkw erreicht werden.

Die vielfältigen Bauformen der Motorräder lassen sich grob in Gelände- und Straßenmotorräder unterscheiden. Zu den bekanntesten Vertretern der Geländemotorräder zählen:

  • Enduro (mit Straßenzulassung), darunter Sport-Enduro und Reise-Enduro
  • Motocross-Motorräder (Crosser, ohne Straßenzulassung)
  • Trial-Motorrad

Die wichtigsten Straßenmotorräder umfassen die Bauformen:

  • Allrounder
  • Tourer
  • Chopper
  • Sportler und Supersportler
  • Naked Bike
  • Superbike
  • Streetfighter
  • Tourer
  • Sporttourer

Daneben finden sich noch zahlreiche Sonder-Bauformen unter den Motorrädern. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Custombike
  • Ratbike
  • Motorradgespanne
  • Dragbike
  • Minibike
  • Steilwandmotorrad

Motorräder und ihre Motor-Charakteristiken

Als Kernstück des Motorrades trägt der Motor mit seiner Bauform und Charakteristik maßgeblich zum Gesamtbild eines Motorrades bei. Motorrad-Motoren lassen sich anhand mehrerer Kriterien unterschieden, so gibt es etwa:

  • Zweitakt- und Viertakt-Motoren
  • Otto- und Dieselmotoren
  • Hubkolbenmotoren und Rotationskolbenmotoren

Größte Verbreitung haben bei heutigen Motorrädern Viertakt-Ottomotoren ohne Aufladung. Bei manchen Motorradarten wie etwa Enduros kommen Zweitakter zum Einsatz. Auch bei Leichtkrafträdern und Krafträdern unter 125 Kubikzentimetern spielen Zweitakt-Motoren noch eine Rolle.

Daneben sind die wesentlichen Kenngrößen der Motoren:

  • der Hubraum
  • die Anzahl der Zylinder
  • die Leistung
  • das Drehmoment
  • die Nenndrehzahl und die Höchstdrehzahl
  • das Motorgewicht
  • die Gemischbildung (Einspritzung oder Vergaser)
  • die Ventilsteuerung

Varianten der Kühlung

Auch im Hinblick auf die Kühlung gibt es starke Unterschiede zwischen den Motor-Bauformen.

Motoren mit Luftkühlung

Verbrennungsmotoren mit Luftkühlung erfahren ihre Kühlung ausschließlich durch den entstehenden Fahrtwind. Zu diesem Zweck sind an den Zylinderköpfen Kühlrippen angebracht. Diese dienen der Vergrößerung der wärmeabgebenden Oberfläche. Ein Vorteil der Luftkühlung ist der schnörkellose Aufbau. Die Einfachheit des Aufbaus führt zu einem geringeren Motorgewicht und zu weniger Verschleißteilen. Bauteile wie Wasserpumpen, Kühler und Schläuche werden bei einem luftgekühlten Motor nicht benötigt. Nachteilig ist die geringere Kühlleistung. Die Effizienz ist niedriger als bei anderen Kühlungsarten, weshalb sie sich bei höheren spezifischen Motorleistungen nicht mehr eignet beziehungsweise nicht mehr ausreicht. Ein weiterer Nachteil findet sich in der Schwierigkeit, luftgekühlte Motoren auf einen niedrigen Schadstoffausstoß abzustimmen. Ebenso zeigen luftgekühlte Maschinen eine stärkere Geräuschentwicklung als wasser- oder ölgekühlte Motoren. Luftgekühlte Motoren haben eine klassische Optik und sind bei einigen Motorrädern noch immer sehr beliebt. Eine Erweiterung der Luftkühlung ist die kombinierte Luft- und Ölkühlung. Leistungsstärkere Maschinen, bei denen die reine Luftkühlung an ihre Grenzen stoßen würde, verfügen häufig über einen zusätzlichen Ölkühler, der das Motorenöl vor Überhitzung schützt.

Motoren mit Flüssigkeitskühlung

Die Flüssigkeitskühlung oder Wasserkühlung verwendet ein Kühlmittel, das überwiegend aus Wasser besteht. Diese Kühlflüssigkeit sorgt dafür, dass die bei der Verbrennung entstehende Wärme aufgenommen und abgeführt wird. Zu diesem Zweck werden Zylinderköpfe und Zylinder ständig vom Kühlmittel umspült. Wenn das Kühlmittel den Kühler passiert, wird seine Temperatur durch den Fahrtwind reduziert. Eine Flüssigkeitskühlung hat den Vorteil, die Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Motor-Bestandteilen klein zu halten. Damit bleibt auch der Verzug gering. Auf diese Weise ist eine größere Leistungsdichte des Motors möglich. Zusätzlich trägt der Wassermantel zur Geräuschdämmung bei, sodass die Geräuschemission im Allgemeinen geringer ist als bei luftgekühlten Motoren. Flüssigkeitskühlung ist speziell bei leistungsstarken Motoren zur Geringhaltung der Klopfneigung angebracht, die bei höheren Temperaturen einsetzen könnte. Die Mehrheit heutiger Motorräder verfügt über eine Wasserkühlung.

Motoren mit Ölkühlung

Eine seltenere Variante der Flüssigkeitskühlung stellt die Ölkühlung dar. Hier wird anstelle wasserbasierter Kühlflüssigkeit das Motorenöl zur Kühlung eingesetzt. Als Kühler kommt in diesem Fall ein spezieller Ölkühler zum Einsatz. Reine Ölkühlungen, bei denen Zylinder und Zylinderköpfe mit Öl gekühlt werden, sind bisher nur vereinzelt gebaut worden.


Vor- und Nachteile des Motorrads gegenüber anderen Kraftfahrzeugen

Bei der Entscheidung für ein Motorrad oder ein anderes Kraftfahrzeug wie einen Pkw stellen sich die Fragen nach den individuellen Zielen, dem Sicherheitsbedürfnis und dem Umfeld. Die Vorteile des Motorrads liegen in erster Linie in seinen geringeren Anschaffungskosten und Unterhaltskosten. Motorräder sind zudem dank ihrer geringeren Größe und ihrer hohen Wendigkeit in Städten zur schnellen Fortbewegung geeignet. Schneller als Autofahrer können Motorradfahrer sich über volle Straßen von A nach B bewegen. Umgekehrt sind Motorräder für Reisen mit mehreren Personen oder größerem Gepäck weniger komfortabel. Bei unangenehmen Wetterverhältnissen geht gerade bei längeren Strecken die Freude am Motorradfahren schnell verloren.

Zu berücksichtigen ist zudem der Sicherheitsfaktor. Das Verkehrsunfallrisiko ist für Motorradfahrer gegenüber Autofahrern stark erhöht. Zahlen der Statistik ist zu entnehmen, dass Motorradfahrer gegenüber Autofahrern ein um das Vierfache erhöhtes Risiko haben, einem tödlichen Unfall zum Opfer zu fallen.

Bauformen: Abgrenzung zum Leichtkraftrad und zum Motorroller

Der Oberbegriff Krafträder für zweirädrige und motorbetriebene Fahrzeuge wird in mehrere Bauformen untergliedert. Motorroller, Leichtkrafträder und Motorräder im eigentlichen Sinne erfordern unterschiedliche Führerscheinklassen. Maßgebliche Unterscheidungsmerkmale sind die Motoreigenschaften. Der Roller hat zudem eine abweichende Bauform und verfügt über einen Durchstieg.

Motorrad

Das Motorrad im engeren Sinne unterscheidet sich im Hinblick auf Motorleistung und Hubraum von verwandten Krafträdern. Das Motorrad kennt im Gegensatz zu beispielsweise Leichtkrafträdern keine Beschränkung dieser Eigenschaften. Ebenso gibt es keine Gewichtsbeschränkungen. Ab Werk haben sich Motorradhersteller jedoch auf eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 300 Kilometer pro Stunde geeinigt. Zum Führen eines Motorrades mit mehr als 50 Kubikzentimetern Hubraum ist ein Führerschein der Klasse A erforderlich. In dieser Klasse eingeschlossen ist ein Beiwagen. Diese Fahrerlaubnisklasse kommt für Personen mit einem Mindestalter von 20 Jahren infrage. Um in diesem Alter diesen Führerschein zu erwerben, ist ein zwei Jahre langer Vorbesitz des Führerscheins der Klasse A2 Voraussetzung.

Ab einem Alter von 24 Jahren kann auf direktem Weg der Führerschein der Klasse A gemacht werden. Im Alter von 18 Jahren ist lediglich der Führerschein der Klasse A2 möglich. In dieser Klasse ist das Fahren von Motorrädern mit maximal 35 Kilowatt beziehungsweise 48 PS erlaubt. Zusätzlich gilt eine Beschränkung des Leistungsgewichts auf 0,2 Kilowatt pro Kilogramm. Offene Motorräder unterliegen der Kfz-Steuer. Ebenso ist der Abschluss einer Motorrad-Haftpflichtversicherung obligatorisch. Motorräder erfordern eine regelmäßige Hauptuntersuchung (HU) im Rhythmus von zwei Jahren.

Motorroller

Ein einspuriges und zweirädriges Kraftrad mit Durchstieg wird als Motorroller bezeichnet. Diese Krafträder erreichen in der Regel eine Maximalgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde und verfügen über maximal 50 Kubikzentimeter Hubraum. Die Leistung des Motorrollers liegt üblicherweise zwischen 2 und 6 PS. Der Rollerführerschein der Fahrerlaubnisklasse AM ist bereits ab dem 16. Lebensjahr möglich. Zum Fahren eines Rollers berechtigt auch der Führerschein der Klasse B beziehungsweise 3. Roller benötigen eine Betriebserlaubnis sowie ein Versicherungskennzeichen, wenn sie auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Hauptuntersuchungen sind bei Rollern nur dann erforderlich, wenn Modifikationen eintragungspflichtiger Art am Fahrzeug vorgenommen wurden. Dazu gehören auch Drosselungen. Einige Leichtkrafträder mit mehr als 50 Kubikzentimetern Hubraum haben die Optik von Motorrollern. Ebenso gibt es Vespas und Großroller, die mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum aufweisen. Hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass für diese Fahrzeuge separate Bestimmungen gelten.

Leichtkrafträder

Bei Krafträdern mit einem Hubraum zwischen 50 und 125 Kubikzentimetern wird vom Leichtkraftrad gesprochen. Diese Krafträder erreichen eine Leistung von maximal 15 PS. Zum Fahren berechtigen die Führerscheinklassen A1 beziehungsweise 1B. Ebenso sind Pkw-Führerscheininhaber, deren Fahrerlaubnis vor dem 1. April 1980 ausgestellt wurde, zum Fahren von Leichtkrafträdern berechtigt. Diese Kraftrad-Bauform ist besonders bei unter 18-Jährigen im Trend, da die Fahrerlaubnisklassen A2 und A erst später möglich sind. Eine Drosselung beim Kraftrad auf 80 Kilometer pro Stunde ist für Fahrer unter 18 Jahren seit Januar 2013 nicht mehr erforderlich. Jedoch gilt beim Leichtkraftrad weiterhin die Beschränkung auf 15 PS. Oberhalb dieser Leistungsgrenze ist die Klasse A erforderlich. Zudem gilt für Leichtkrafträder und die entsprechende Führerscheinklasse eine Beschränkung des Leistungsgewichts auf 0,1 Kilowatt pro Kilogramm.

Fazit

Die Vielfalt der Bauformen und Ausführungen von Motorrädern sorgt dafür, dass sich für jedes Bedürfnis das passende Vehikel findet. Bei der Entscheidung zwischen Motorrad und anderen Kraftfahrzeugen sind Kosten, Fahrspaß, Komfort- und Sicherheitsfragen gegeneinander abzuwägen. Die zahlreichen Motorentypen unterscheiden sich im Hinblick auf mehrere Kenngrößen. Dabei sind Hubraum und Leistung ausschlaggebend für die Fahrerlaubnisklasse. Im engeren Sinne wird erst bei Maschinen der Fahrerlaubnisklasse A beziehungsweise A2 von Motorrädern gesprochen. Diese sind von Leichtkrafträdern und Motorrollern abzugrenzen.