Führerschein – Definition, Voraussetzungen und Kosten

In der Bundesrepublik sind im Jahre 2017 rund 45,8 Millionen Pkw angemeldet. Um diese fahren zu dürfen, bedarf es eines Führerscheins sowie einer gültigen Fahrerlaubnis. Im nachfolgenden Artikel erklären wir Ihnen, welche Bedeutung der deutsche Führerschein hat, welche Führerscheinklassen es gibt und welche Voraussetzungen für die Fahrerlaubnis gegeben sein müssen.

Was bedeutet Führerschein und Fahrerlaubnis?

Wer seine Fahrprüfung (theoretisch und praktisch) erfolgreich ablegt sowie fahrtauglich ist, kann bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde für etwa 40 bis 50 Euro den Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis stellen. Liegen alle notwendigen Dokumente, wie beispielsweise Sehtest, Lichtbild sowie Personalausweis vor, erstellt die Behörde einen Führerschein und gibt damit die Fahrerlaubnis bekannt.

Der Führerschein ist also eine Urkunde, welche die Fahrerlaubnis sichtbar macht und belegt. Auf ihm ist neben dem Namen sowie dem Geburts- und Ausstellungsdatum ebenfalls die Fahrerlaubnisklasse vermerkt. Er muss beim Führen eines Kraftfahrzeuges stets mitgeführt werden. Seit dem 19.01.2013 werden nur noch Führerscheine nach der 3. EU-Führerscheinrichtlinie ausgestellt. Die größte Änderung liegt in der begrenzten Gültigkeit des Dokuments. Dieses muss nach 15 Jahren erneuert werden. Die Fahrerlaubnis bleibt hingegen gültig. Eine Prüfung muss also nicht nochmals abgelegt werden. Führerscheine, die vor dem 19.01.2013 ausgestellt wurden, behalten ihre Gültigkeit, müssen jedoch bis spätestens 2033 im Rahmen der neuen Standards umgewandelt werden.


Welche Führerscheinklassen gibt es?

Seit dem 01.01.1999 gelten in Deutschland neue Führerscheinklassen. Weitere Änderungen kamen mit der 3. EU-Führerscheinrichtlinie hinzu. Aufgrund des Bestandsschutzes behalten zuvor ausgestellte Führerscheine und die darin aufgeführten Fahrzeugklassen jedoch ihre Gültigkeit.

Die alten Führerscheinklassen 1, 1a, 1b, 2, 3, 4, 5 existieren also nicht mehr. So wird die ehemalige Klasse 1 jetzt A, Klasse 3 jetzt B genannt. Mit einem Führerschein letztgenannter Klasse kann nun nur noch ein Pkw beziehungsweise ein Pkw-Anhänger-Gespann bis zu 3,5 t Gesamtgewicht gefahren werden – der Anhänger darf ein zulässiges Gesamtgewicht von 750 Kilogramm nicht überschreiten. Soll ein größerer Anhänger mitgeführt werden, bedarf es einer zusätzlichen Fahrerlaubnis der Klasse BE.

Voraussetzungen für den Erhalt eines Führerscheins

Die Voraussetzungen für den Erhalt eines Führerscheins richten sich in Deutschland nach der Fahrerlaubnisverordnung (FeV).

Eine Fahrerlaubnis kann nur Bewerbern mit Wohnsitz in Deutschland erteilt werden. Zudem muss je nach Fahrzeugklasse ein gewisses Mindestalter erreicht sein. Im Falle der Klasse B liegt dieses beispielsweise bei 18 Jahren, es sei denn, es findet eine Teilnahme am Begleiteten Fahren ab 17 Jahren statt. Des Weiteren sind nach mindestens zwölf Theoriestunden à 90 Minuten eine theoretische Prüfung und nach deren Bestehen eine 45-minütige praktische Fahrprüfung zu absolvieren, die von legitimierten Prüfstellen abgenommen werden. Der Führerschein wird darüber hinaus nur dann ausgestellt, wenn ein Beleg für einen Erste-Hilfe-Kurs und einen Sehtest vorliegt. Eine Erlaubniserteilung für die Klassen C1, C, C1E, CE, D1, D, D1E und DE erfordert weitere Dokumente, wie etwa ein ärztliches Gutachten und polizeiliches Führungszeugnis.

Die theoretische Prüfung beinhaltet die Bearbeitung von Fragen, die bereits mit dem Lehrmaterial der Fahrschule bearbeitet wurden, am PC. Mit bis zu zehn Fehlern ist die Prüfung bestanden, sofern nicht zwei Fünf-Punkte-Fragen falsch beantwortet wurden. Die praktische Prüfung von – je nach Klasse – 45 bis 60 Minuten Dauer umfasst Grundfahraufgaben wie Einparken und Gefahrbremsung, Fahrten innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften (eventuell auch Autobahn) sowie eine Abschlussbesprechung. Wer eine oder beide dieser Prüfungen nicht besteht, kann sie nach kurzer Zeit (frühestens nach 14 Tagen) wiederholen.

Mit diesen Kosten ist zu rechnen

Fahrschüler sollten sich für Führerscheine der Klasse B auf Kosten zwischen 1200 und 2000 Euro einstellen – wer mehr Übung benötigt, muss mehr bezahlen. Die Höhe bemisst sich vor allem nach der Anzahl der absolvierten Fahrstunden. Auszugehen ist zumindest von zwölf Sonderfahrten, da diese gesetzlich vorgeschrieben sind. Im Normalfall kommen rund 26 „normale“ Fahrstunden à 45 Minuten hinzu.

Einkalkuliert werden müssen:

  • Anmeldegebühr der Fahrschule und Theorieunterricht
  • Lernmaterial
  • zwölf Sonderfahrten
  • rund 26 Stadtfahrten
  • Theorieprüfung
  • praktische Prüfung
  • Sehtest
  • Erste-Hilfe-Test
  • Gebühren der Straßenverkehrsbehörde zur Erteilung der Fahrerlaubnis

 


Verlust von Führerschein oder Fahrerlaubnis

Der Unterschied zwischen Führerschein und Fahrerlaubnis ist auch bei einem eventuellen Verlust zu beachten. So kann der Führerschein etwa im Rahmen eines Fahrverbots nach § 44 StGB als sogenannte Nebenstrafe bis zu sechs Monate amtlich verwahrt werden. Grundsätzlich kann das Fahrverbot aber bei jeder Straftat neben einer Freiheits- oder Geldstrafe verhängt werden. Der vorübergehende Verlust des Führerscheins bedeutet jedoch nicht, dass auch die Fahrerlaubnis erlischt.

Nach §§ 2 ff. StVG oder § 69 StGB ist aber auch der Entzug der Fahrerlaubnis möglich. Dieser ist zeitlich unbegrenzt und kann nur durch eine Neubeantragung abgewendet werden. Ein Entzug erfolgt etwa, wenn sich ein Fahrer als ungeeignet erweist, ein Fahrzeug zu führen. Auch Straftaten im Verkehr wie etwa das unerlaubte Entfernen vom Unfallort können zu einem Verlust der Fahrerlaubnis führen. Gleiches gilt für Fahrer, die acht Punkte im Fahreignungsregister überschritten haben. Zum Neuerhalt der Fahrerlaubnis ist eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung notwendig.

Gültigkeit von Führerscheinen aus Nicht-EU-Staaten

Führerscheine aus anderen EU-Ländern sind auch in Deutschland gültig – das heißt im Umkehrschluss, dass der deutsche Führerschein auch in der Europäischen Union verwendet werden kann. Wurde der Führerschein in Staaten außerhalb der EU ausgestellt, müssen Fahrzeugführer grundsätzlich in Deutschland erneut eine Führerscheinprüfung ablegen, um eine deutsche Fahrerlaubnis zu erhalten. Diese besteht aus einem theoretischen sowie einem praktischen Teil, auf vorhergehende Fahrstunden kann jedoch verzichtet werden. Etwas anderes gilt nur dann, wenn kein ordentlicher Wohnsitz in Deutschland begründet wird. Unter Umständen ist der ausländische Führerschein aber zu übersetzen beziehungsweise ein internationaler Führerschein zu beantragen. Wird ein Wohnsitz in Deutschland angemeldet, bleibt die ausländische Fahrerlaubnis zudem noch weitere sechs Monate gültig.

In Sonderfällen kann auf ein erneutes Ablegen einer Führerscheinprüfung verzichtet werden: Dies ist dann der Fall, wenn zwischen Deutschland und einem Nicht-EU-Staat ein Abkommen zur Gültigkeit der Fahrerlaubnis besteht wie etwa mit den USA, Australien, Japan oder Südafrika. Eine Aufzählung findet sich im Rahmen der Staatenliste nach Anlage 11 FeV.