Die neuen Führerscheinklassen im Überblick

Im Zuge der Führerscheinreform wurde das alte System mit den Führerscheinklassen 1 bis 5 auf die neuen europäischen Fahrerlaubnisklassen umgestellt. Heute gibt es sieben neue Klassen, die jeweils mit Buchstaben bezeichnet werden, sowie zusätzlich acht Unterklassen. Dies sorgt bisweilen für Verwirrung nicht nur bei älteren Führerscheininhabern, die noch immer das alte System gewohnt sind. Folgende Übersicht stellt die neuen Führerscheinklassen und ihre jeweiligen Befugnisse beziehungsweise Einschränkungen etwas näher vor.

Hier erfahren Sie alles über die alten Führerscheinklassen


Die Klassen aus dem A-Sektor: Kraftrad, Trike und Quad

Klasse A

Die verschiedenen Führerscheinklassen aus dem A-Sektor sind relativ überschaubar und gut strukturiert gegliedert. So umfasst der Führerschein der Klasse A beispielsweise generell alle Krafträder (mit oder ohne Beiwagen) und dreirädrigen Kraftfahrzeuge. Allerdings gibt es in dieser Klasse verschiedene Altersvorgaben.
Für Krafträder ist ein Direkteinstieg ab 24 Jahren möglich. Ab 21 Jahren dürfen dreirädrige Fahrzeuge mit mehr als 15 kW gefahren werden. Außerdem ist das Fahren von Krafträdern ab 20 Jahren bei einem zweijährigen Vorbesitz der Klasse A2erlaubt. Für diesen Aufstieg ist dann keine theoretische Prüfung, sondern nur eine Praxisprüfung erforderlich. Die Klasse A beinhaltet auch immer die Klassen A1 und A2.

Die Unterklassen A1, A2 und AM

Die Führerscheinklasse A1 (ab 16 Jahre) schließt dreirädrige Kraftfahrzeuge bis 15 kW sowie Krafträder mit einer Nennleistung von höchstens 11 kW und einem Hubraum von maximal 125 Kubikzentimetern ein, sofern das Verhältnis zwischen Leistung und Leergewicht 0,1 kW pro Kilogramm nicht übersteigt.
Die Führerscheinklasse A2 (ab 18 Jahre) ist für Krafträder bis 35 kW Leistung vorgesehen, deren Leistung-Leergewicht-Verhältnis maximal 0,2 kW pro Kilogramm beträgt. Bei einem zweijährigen Vorbesitz der Klasse A1 muss nur eine praktische Prüfung absolviert werden.
Etwas komplexer sind die Befugnisse in der Klasse AM, die mit 16 Jahren erworben werden kann. Sie umfasst zum einen zweirädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern, einer Nutzleistung/Nenndauerleistung von maximal 4,0 kW sowie einem Verbrennungsmotor, dessen Hubraum 50 Kubikzentimeter nicht übersteigt.
Ebenfalls eingeschlossen sind dreirädrige KleinkrafträderTrikes – mit höchstens zwei Sitzplätzen, einer maximalen Leermasse von 270 Kilogramm, einem Selbstzündungsmotor mit einem Hubraum von maximal 500 Kubikzentimetern beziehungsweise einem Fremdzündungsmotor mit einem Hubraum von höchstens 50 Kubikzentimetern sowie einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern (Nenndauerleistung/Nutzleistung maximal 4,0 kW).
Und „last but not least“ dürfen Führerscheininhaber der Klasse AM auch leichte vierrädrige Quads mit einer Nutzleistung/Nenndauerleistung von maximal 4,0 kW sowie vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge mit einer Nutzleistung/Nenndauerleistung von höchstens 6,0 kW fahren, sofern diese nicht mehr als zwei Sitzplätze besitzen, die bauartbestimmte Höchstgeschwindigkeit 45 Stundenkilometer nicht übersteigt und die maximale Leermasse 425 Kilogramm beträgt.

Der Führerschein Klasse B: der Standard-Führerschein

Die Führerscheinklasse B verbietet es im Gegensatz zum alten Führerschein der Klasse 3, einen Lkw zu führen. Verantwortlich für diese Änderung war vor allem die mangelnde Lkw-Fahrpraxis, die im Straßenverkehr immer wieder zu riskanten Situationen oder gar Unfällen geführt hat, denn beim Führerschein der alten Klasse 3 wurde in der Fahrschule lediglich das Fahren mit dem PKW geübt.
Die heutige Klasse B (ab 18 Jahren, ab 17 Jahren bei begleitetem Fahren) schließt die Klassen AM und L mit ein und ermöglicht das Führen von Kfz mit einer zulässigen Gesamtmasse von höchstens 3.500 Kilogramm mit nicht mehr als acht Sitzplätzen. Mit Anhänger darf gefahren werden, wenn dessen zulässige Gesamtmasse bei höchstens 750 Kilogramm liegt. Sie darf jedoch darüber liegen, wenn die zulässige Gesamtmasse der Kfz-Anhänger-Kombination 3.500 Kilogramm nicht übersteigt.
Die Klasse BE (Mindestalter wie Klasse B) beinhaltet Kombinationen aus einem Zugfahrzeug der Klasse B und einem Sattelanhänger beziehungsweise Anhänger. Das zulässige Gesamtgewicht des Hängers darf zwischen 750 und maximal 3.500 Kilogramm liegen. Viele Fahrschulen bieten eine duale Ausbildung an, die sowohl die Klasse B als auch die Klasse BE einschließt. Dies ist sinnvoll, da für die Klasse BE ohnehin der Vorbesitz der Führerscheinklasse B notwendig ist.
Eine Besonderheit stellt die Klasse B mit der Schlüsselnummer 96 dar. Hier darf die zulässige Gesamtmasse von Kfz und Anhänger zwischen 3.500 und 4.250 Kilogramm liegen. Dabei handelt es sich aber um keine eigene Fahrerlaubnisklasse, sondern um eine Sonderregelung.


Die Lkw-Klassen C, C1, CE und C1E

Die Lkw-Führerscheinklasse C kann nur mit Klasse B erworben werden und beinhaltet die Klasse C1. Die Besitzdauer ist grundsätzlich auf fünf Jahre beschränkt, anschließend folgen eine neue ärztliche Untersuchung sowie ein augenärztliches Gutachten. Die Klasse C schließt Kraftfahrzeuge ohne Krafträder der Klassen AM, A, A1 und A2 ein, deren zulässige Gesamtmasse über 3.500 Kilogramm liegt. Ebenfalls gefahren werden dürfen (nur Inland) Kraftomnibusse ohne Fahrgäste über 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse zwecks Überführung an einen anderen Ort oder Überprüfung des technischen Zustandes. Fahranfänger müssen in der Regel 21 Jahre alt sein. Mit einer entsprechenden Grundqualifikation im Sinne des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz kann das Mindestalter auf 18 Jahre herabgesetzt werden. Dies ist unter anderem im Rahmen einer Ausbildung zum Berufskraftfahrer üblich. Ein Einsatz in der gewerblichen Güterbeförderung ist für junge Fahrer unter 21 Jahren allerdings nur bis 7,5 Tonnen (einschließlich Anhänger) zulässig.
Die schon erwähnte Führerscheinklasse C1 (ab 18 Jahren und nur mit Klasse B) gilt grundsätzlich bis zur Vollendung des fünfzigsten Lebensjahres. Danach müssen ebenfalls für jeweils fünf Jahre eine neue ärztliche Untersuchung und ein augenärztliches Gutachten folgen. Die Klasse C1 umfasst Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5Tonnen, die jedoch 7,5 Tonnen nicht übersteigt.
Sowohl für die Klasse C als auch für die Klasse C1 gilt: Auch mit Anhänger dürfen die Höchstgrenzen nicht überschritten werden, wobei der Anhänger maximal 750 Kilogramm wiegen darf.
Die nächsthöhere Klasse ist CE (nur mit Führerscheinklasse C, ab 21 Jahren beziehungsweise ab 18 mit Grundqualifikation). Sie ermöglicht die Kombination aus einem C-Klasse-Zugfahrzeug und einem Anhänger mit mehr als 750 Kilogramm zulässige Gesamtmasse. Ein Einsatz in der gewerblichen Güterbeförderung ist für junge Fahrer unter 21 Jahren auch in dieser Klasse nur bis 7,5 Tonnen (einschließlich Anhänger) zulässig. Außerdem gilt eine allgemeine Befristung auf fünf Jahre mit anschließendem ärztlichem Gutachten.
Die neue Führerscheinklasse C1E sorgt regelmäßig für Verwirrung, da die Richtlinien hier sehr umfangreich sind. Sie beinhaltet die Klassen BE und D1E, sofern die Klasse D1 bereits erworben wurde. Erlaubt ist zum einen das Führen von Kombinationen, die aus einem Zugfahrzeug der C1-Klasse sowie einem Sattelanhänger oder Anhänger mit einer maximal zulässigen Gesamtmasse von mehr als 7,5 Tonnen bestehen, sofern die zulässige Gesamtmasse der kompletten Fahrzeugkombination zwölf Tonnen nicht übersteigt.
Gefahren werden dürfen aber auch Kombinationen, die aus einem Klasse-B-Zugfahrzeug sowie einem Sattelanhänger oder Anhänger mit einer maximal zulässigen Gesamtmasse von mehr 3,5 Tonnen bestehen, wenn die zulässige Masse der gesamten Kombination bei ebenfalls zwölf Tonnen liegt. Das Verhältnis des zulässigen Gesamtgewichtes des Hängers zur Leermasse des Zugfahrzeugs spielt in diesem Fall keine Rolle, allerdings müssen natürlich die technischen Vorschriften bezüglich der Kraftfahrzeuge beachtet werden.

Die Bus-Klassen D, DE, D1 und D1E

Die Führerscheinklasse D setzt die Klasse B voraus und beinhaltet die Klasse D1. Sie ist grundsätzlich ab 24 Jahren vorgesehen, abweichende Altersgrenzen von 18, 20, 21 und 23 Jahren orientieren sich an den Vorgaben und Richtlinien des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes. Bei Erstausstellung ist in jedem Fall ein betriebs- oder arbeitsmedizinisches Gutachten beziehungsweise ein Medizinisch-Psychologisches Gutachten erforderlich. Die Klasse D ist auf jeweils fünf Jahre begrenzt, nach dem 50. Geburtstag und auch bei jeder anschließenden Verlängerung muss wie bei einer Ersterteilungverfahren werden.
Sie ermöglicht das Führen von Kfz beziehungsweise Bussen zur Beförderung von mehr als acht Personen mit oder ohne Anhänger, die ein zulässiges Gesamtgewicht von höchstens 750 Kilogramm haben dürfen. Der Fahrzeugführer wird bei der Anzahl der zu befördernden Personen nicht mitgezählt.
Die neue Klasse DE kann nur bei Besitz der Führerscheinklasse D erworben werden und beinhaltet die Klassen BE, D1E und C1E, sofern bereits die Klasse C1 vorhanden ist. Die Altersgrenzen und Befristungs- beziehungsweise Untersuchungsvorgaben entsprechen den Richtlinien der Klasse D.
Die Klasse DE erteilt die Erlaubnis zum Führen von Kombinationen aus einem Zugfahrzeug beziehungsweise Bus der D-Klasse sowie einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von 750 Kilogramm (im Inland grundsätzlich nur mit Gepäckanhänger).
Die Fahrerlaubnisklasse D1 erlaubt dagegen das Führen von Kraftfahrzeugen mit einer Höchstlänge von acht Metern zur Beförderung von mehr als acht und maximal 16 Personen mit oder ohne Anhänger, dessen zulässige Gesamtmasse 750 Kilogramm nicht übersteigen darf. Sie wird ab 21 Jahren, mit Grundqualifikation ab 18 Jahren erteilt und umfasst die gleichen Befristungsvorgaben wie die Klasse D.
Und dann gibt es – ähnlich wie bei den Lkw-Klassen – die Klasse D1E. Sie wird nur bei Besitz der Führerscheinklasse D1 erteilt und schließt die Klassen BE und C1E (sofern Klasse C1 vorhanden) ein. Eine Erteilung ist ab einem Lebensalter von 21 Jahren beziehungsweise 18 Jahren (mit Grundqualifikation) möglich. Sie berechtigt zum Führen von Fahrzeugkombinationen aus einem D1-Klasse-Zugfahrzeug und einem Anhänger mit mehr als 750 Kilogramm zulässige Gesamtmasse.

Die Sonderklassen T und L

Die Klasse T

Die neue Führerscheinklasse T umfasst Zugmaschinen mit einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit von maximal 60 Stundenkilometern sowie selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Futtermischwagen mit einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit von höchstens 40 Stundenkilometern, die für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bestimmt sind und dafür auch eingesetzt werden.
Die Sonderklasse T ist nicht befristet und kann ab 18 beziehungsweise 16 (Zugmaschinen mit bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeiten bis 40 Stundenkilometern) Jahren erteilt werden.

Die Klasse L

Auch die Klasse L ist nicht befristet, ein Erwerb ist ab 16 Jahren möglich. Sie umfasst selbstfahrende Arbeitsmaschinen, Stapler, selbstfahrende Futtermischwagen sowie Flurförderzeuge (jeweils höchstens 25 Stundenkilometer), aber auch Zugmaschinen für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern sowie Kombinationen aus diesen Fahrzeugen und Anhängern (maximal 25 Stundenkilometer).

Erlaubnisse und Befugnisse richtig einschätzen

Im Zweifelsfalls empfiehlt es sich immer, einen genaueren Blick auf den EU-Führerschein
zu werfen. Auf seiner Rückseite sind nämlich nicht nur die zugelassenen Klassen aufgeführt, sondern auch die Schlüsselnummern (rechte Spalte). Diese Schlüsselnummern weisen auch auf mögliche Auflagen oder Einschränkungen hin.
In der EU sind sowohl die alten (bis zum Jahr 2033) als auch die neuen Führerscheinklassen uneingeschränkt gültig. In den restlichen Ländern Europas sowie auf anderen Kontinenten sieht das schon anders aus. In Asien, Afrika, Neuseeland, Mittelamerika und Südamerika ist die Übersetzung des deutschen Führerscheins Pflicht, für eine Reise in die USA, nach Kanada und nach Australien ist dagegen zusätzlich zum Original der internationale Führerschein empfehlenswert. Dieser kann bei der örtlich zuständigen Fahrerlaubnisbehörde beantragt werden.

Der Sinn und Zweck der neuen Führerscheinklassen

Auch wenn die neuen Führerscheinklassen teilweise unübersichtlicher und verwirrender als die alten Klassen aufgebaut sind, leisten sie dennoch einen wertvollen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr. Allein die Tatsache, dass mit der heutigen Klasse B keine LKW mehr geführt werden dürfen, trägt zur Reduzierung von Gefahren und Risiken bei, denn gelernt haben die Klasse-3-Inhaber das Steuern von Lastkraftwagen nicht. Und auch die Befristungen beziehungsweise vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchungen machen unsere Straßen auf jeden Fall sicherer. Letztendlich passen sich die neuen Führerscheinklassen aber auch den Eu-weiten Richtlinien an, was für mehr Transparenz und eine vereinfachte bürokratische Abwicklung sorgt.