Die alten Führerscheinklassen im Überblick

Die Führerscheinreform im Jahre 1999 und die umfangreichen Änderungen im Jahre 2013 sorgten für einigen Wirbel, denn die alten Führerscheinklassen wurden vollständig von neuen abgelöst. Die Reform orientierte sich am EU-weiten Führerscheinrecht, das eine Einteilung der Klassen nach Buchstaben (A bis D, L und T) vorsieht. Trotzdem trauern viele Autofahrer den alten Führerscheinklassen hinterher, da die ursprüngliche Einteilung teilweise unkomplizierter war und manchmal auch mehr Rechte einräumte. Vor der Reform berechtige nämlich beispielsweise die einstige Klasse 3 nicht nur zum Führen von Pkw, sondern auch von Lkw bis 7,5 Tonnen sowie Zügen bis zu drei Achsen. Wer also heute noch einen Führerschein mit der alten Klasse 3 besitzt, kann damit einen entsprechenden Lastkraftwagen und Sattelzug fahren, obwohl er nur am PKW ausgebildet wurde. Das ist heutigen Führerschein-Neulingen nicht mehr möglich.
In diesem Beitrag widmen wir uns ausschließlich den alten Führerscheinklassen. Wir zeigen die Unterschiede zu den neuen Klassen, aber auch die jeweiligen Gemeinsamkeiten und Besonderheiten auf.

Aktuelle Führerscheinklassen werden hier erklärt


Die alte Führerscheinklasse 1

Umgangssprachlich wurde die alte Führerscheinklasse 1 auch Motorradführerschein genannt, denn sie erlaubt das Führen von Krafträdern ohne jegliche Leistungsbeschränkung. Das heißt, die Höchstgeschwindigkeit der Maschine darf mehr als 50 Stundenkilometer betragen und der Hubraum darf größer als 50 Kubikzentimeter sein. Heute entspricht sie der Klasse A. Die alte Klasse 1b beschränkte die prinzipielle Erlaubnis jedoch: Sie berechtigte nach Vollendung des 16. Lebensjahres zum Führen eines Leichtkraftrades mit höchstens 125 Kubikzentimetern Hubraum sowie einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern (heutige Klasse A1).
Und dann ist da noch die alte Führerscheinklasse 1a: Sie beschränkte sich auf Krafträder, die auf höchstens 25 Kilowatt begrenzt waren, sofern das Verhältnis zwischen Leistung und Leergewicht maximal 0,16 Kilowatt betrug. Sie konnte aber nach einem mindestens zweijährigen Besitz und einer Mindest-Fahrpraxis von 4000 Kilometern auf die Klasse 1 aufgestockt werden.
Doch die Klasse 1 (ohne Beschränkung) umfasst je nach Ausstellungsdatum mehr als nur Motorräder. Wurde sie vor 1954 erteilt, erlaubt sie nämlich sogar bis heute das Führen von Autos bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen. Wer sie später erlangte, darf heute Fahrzeuge der Klassen AM, A1, A2, A, L führen.

Die alte Führerscheinklasse 2

Nach der alten Regelung konnten mit der Führerscheinklasse 2 Kraftfahrzeuge über 7,5 Tonnen – also Lastkraftwagen und Nutzfahrzeuge – sowie Züge mit mehr als drei Achsen geführt werden. Sie wurde darum auch einfach nur Lkw-Führerschein genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht ganz richtig, denn mit der Klasse 2 dürfen Führerscheininhaber auch heute noch einige andere Fahrzeuge fahren. Um welche Fahrzeuge beziehungsweise Klassen es sich dabei handelt, hängt vom Datum und Ort der Ausstellung ab. Es spielt nämlich beispielsweise eine große Rolle, ob die Führerscheinklasse 2 damals in der Bundesrepublik Deutschland oder in der Deutschen Demokratischen Republik erworben wurde. Bei einem Erwerb in der BRD vor dem 01.12.1954 darf der Inhaber quasi alles fahren (heutige Klassen AM, A1, A2, A, B, BE, C, CE, C1, C1E, L und T). Wurde der Führerschein im gleichen Zeitraum in der DDR ausgestellt, ist der Inhaber nur berechtigt, Fahrzeuge der Klassen AM, A1, A2, A, B und L zu fahren.
Auch für den Erwerb nach 1954 gelten besondere Regelungen. So entspricht die alte Führerscheinklasse 2 bei einem Erwerb in der BRD zwischen dem 1. 12. 1954 und dem 1. 04. 1980 den heutigen Klassen AM, A1, A, B, BE, C, CE, C1, C1E, L und T.
Bei Ausstellung im gleichen Zeitraum in der DDR berechtigt sie jedoch nur zum Führen von Fahrzeugen der Klassen AM, A1, A, B und L.
Bei einem Erwerb nach dem 01.04.1980 entspricht die Klasse 2 den heutigen Klassen A, A1, AM, B, BE, C, C1, C1E, CE, L und T (BRD) beziehungsweise A, A1, AM, B, L (DDR), allerdings teilweise mit geänderten Schlüsselzahlen (Befugnissen).


Die alte Führerscheinklasse 3

Die Fahrerlaubnis der Klasse 3 galt viele Jahre als Führerschein-Standard und ist noch immer die verbreitetste der alten Führerscheinklassen.
Alle Autofahrer mit der alten Führerscheinklasse 3 sind auch heute noch berechtigt, Fahrzeuge der neuen Klassen B, BE, C1und C1E zu fahren. Wer also noch im Besitz des alten Dreier-Scheins ist, darf auch Lkw mit einem Gesamtgewicht von bis zu 7,5 Tonnen sowie Züge bis zu zwölf Tonnen (maximal drei Achsen) führen.
Im Gegensatz dazu erlaubt die heutige Klasse B nur noch das Führen von Fahrzeugen und kleineren Lkw mit einem Gesamtgewicht von höchstens 3,5 Tonnen.
Außerdem gilt: Wer die alte Führerscheinklasse 3 vor dem 01.04.1980 erworben hat, darf mit dem Schein auch Kleinkrafträder mit einer maximalen Hubraumgröße von 125 Kubikzentimetern fahren. Dies würde heute der Klasse A1 entsprechen. Weitere Berechtigungen bestehen für landwirtschaftliche Zugmaschinen bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern sowie Quads.
Wer die alte Klasse 3 dagegen erst nach dem 31. März 1980 erworben hat, darf nur Kleinkrafträder mit einem Hubraum von höchstens 50 Kubikzentimetern sowie einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 Stundenkilometern führen.
Beim Umschreiben der alten Fahrerlaubnis der Führerscheinklasse 3 erhalten Autofahrer heute in der Regel einen BE-Führerschein, der Anhänger bis 3,5 Tonnen einschließt. Ist die Schlüsselzahl 79.06 im Führerschein eingetragen, können auch Anhänger bewegt werden, die mehr als 3500 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Erlaubnis zum Führen eines Trikes mit Anhänger bis maximal 750 Kilogramm wird von der alten Führerscheinklasse 3 ebenfalls übertragen (Schlüsselzahl A79.04.). Aber aufgepasst: Das Überschreiten von zulässigen Gewichtsangaben kommt dem Fahren ohne Führerschein gleich!

Die alte Führerscheinklasse 4

Die Führerscheinklasse 4 erlaubt das Führen kleiner Krafträder. Er wurde früher gerne als Rollerführerschein bezeichnet und war für die meisten jungen Menschen der typische Einsteiger-Führerschein. Mit der Führerscheinklasse 4 dürfen auch heute noch Kleinkrafträder gefahren werden, deren Hubraum maximal 50 Kubikzentimeter groß ist und deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit bei höchstens 50 Stundenkilometern liegt.
Die alte Klasse 2 ähnelt der heutigen AM-Klasse, es kommt jedoch auch hier wieder darauf an, wann und wo der Schein ausgestellt wurde. Liegt das Ausstellungsdatum beispielsweise vor dem 1. 12. 1954, entspricht die alte Klasse 4 heute den Klassen AM, A1, A2, A, B und L. Wurde der Vierer-Schein zu einem späteren Zeitpunkt erworben, sind je nach genauem Datum und Ausstellungsort die Klassen A, A1 und A2 sowie die B-Klasse nicht mehr inkludiert.
Einen Traktor darf der Inhaber eines Führerscheins der Klasse 4 heute zudem nur dann führen, wenn die Fahrt einem landwirtschaftlichen Zweck dient und der Traktor bauartbedingt eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern nachweist.

Die alte Führerscheinklasse 5

Die alte Führerscheinklasse 5 ist zwar auch heute noch gültig, sie hat jedoch eine etwas andere Zuordnung bekommen. Ihr Besitzer war dazu befähigt, Krankenfahrstühle, Zugmaschinen bis zu 32 Stundenkilometern (mit Anhängern bis zu 25 Stundenkilometern) sowie Arbeitsmaschinen bis zu 25 Stundenkilometern zu führen. Umgangssprachlich wurde sie gerne als Landwirtschaftsschein bezeichnet. Inzwischen entspricht die Führerscheinklasse 5 der Fahrerlaubnisklasse L.
Sie berechtigt zum Führen von folgenden Fahrzeugen: selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis zu 40 Stundenkilometern mit oder ohne Anhänger, Traktoren für die Land- und Forstwirtschaft bis zu 32 Stundenkilometern (mit Anhänger jedoch nur 25 Stundenkilometer) sowie land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen bis zu 60 Stundenkilometern mit oder ohne Anhänger.

Alte Führerscheine im Ausland

Wer mit einem alten grauen oder rosa Führerschein ins Ausland fahren will, sollte wissen, dass dieser weiterhin in sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten gültig ist. Die Europäische Kommission hat im Rahmen der Einführung des EU-Führerscheins im Scheckkartenformat (2013) vereinbart, dass alle nationalen, in einem Mitgliedsland der EU erworbenen Führerscheine in den EU-Staaten anerkannt werden. Diese Übergangsfrist läuft noch bis 2033. Die Realität sieht jedoch anders aus: Immer wieder erleben deutsche Autofahrer in den EU-Nachbarländern Probleme mit dem alten Führerschein. Vor allem bei Fahrzeugkontrollen und bei Mietwagenverleihern gibt es häufig Ärger. Manchmal werden sogar Bußgelder verhängt: Dann bleibt dem Autofahrer in der Regel nichts anderes übrig, als die vermeintliche Strafe erst einmal zu zahlen. Wer möchte, kann zwar mithilfe eines Anwalts versuchen, den Bescheid anzufechten, doch die Höhe des Bußgeldes ist meist nicht sonderlich hoch, so dass sich der Aufwand kaum lohnt.
Um solchen Ärger grundsätzlich zu verhindern, können Autofahrer rechtzeitig vor der Fahrt ins EU-Ausland den europaweit bekannten, neuen Führerschein im Scheckkartenformat beantragen. Als Alternative bietet sich die Mitnahme eines Ausdrucks der EU-Entscheidung bezüglich der Gültigkeit des alten Führerscheins an. Den entsprechenden Text stellen Verbraucherzentralen und Automobilclubs auf ihren Webseiten kostenlos und in mehreren Sprachen zum Herunterladen bereit. Entscheidend sind die ersten beiden Artikel (1 und 2) des Dokuments. Spätestens im Jahr 2033 müssen dann aber alle Autofahrer innerhalb der EU im Besitz des neuen EU-Führerscheins sein.

Die alten Führerscheinklassen: fast schon ein Hauch Nostalgie

In rund 15 Jahren werden die alten Führerscheinklassen komplett verschwinden und nur noch Erinnerung sein. Bis dahin bleiben sie im In- und EU-Ausland jedoch weiterhin gültig, auch wenn es zu den neuen Klassen zahlreiche Abweichungen gibt. Wer jedoch keine Auslandsreisen plant, muss seine alten Lappen noch lange nicht umtauschen.