Die Fahrerlaubnis – das ist die Bedeutung

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die beiden Begriffe Fahrerlaubnis und Führerschein meist gleichbedeutend behandelt. Dies ist aber nicht ganz richtig. Während es sich bei der Fahrerlaubnis um eine durch einen Verwaltungsakt erteilte Ermächtigung zum Führen eines Kfz auf öffentlichen Straßen handelt, ist der Führerschein die physische Beweisurkunde für diese Ermächtigung. In der Praxis ergeben sich aus den Definitionen beider Begriffe mehrere Unterschiede, die wir – neben weiteren interessanten Informationen rund um die Fahrerlaubnis, in diesem Beitrag erörtern.


Die Definition des Begriffs Fahrerlaubnis

Die staatliche Zulassung beziehungsweise Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeugs im öffentlichen Raum wird als Fahrerlaubnis bezeichnet. Um sie für eine bestimmte Klasse zu bekommen, müssen die Voraussetzungen, die in § 2 Straßenverkehrsgesetz genannt werden, erfüllt sein.

Die Erlangung der Fahrerlaubnis

In § 2 StVG ist unter anderem nachzulesen, dass ein Bewerber für die Erteilung der Fahrerlaubnis

  • seinen ordentlichen Wohnsitz in Deutschland haben muss,
  • zum Führen eines Kraftfahrzeuges (körperlich und geistig) geeignet sein muss,
  • nach dem Fahrlehrergesetz sowie den darauf beruhenden Rechtsvorschriften ausgebildet worden ist
  • und seine Befähigung in einer theoretischen und praktischen Prüfung nachweisen konnte.

 
Das bedeutet im Klartext: Wer die Fahrerlaubnis bekommen möchte, kommt um den Besuch einer Fahrschule nicht herum und muss dort mindestens seine theoretischen und praktischen Pflichtstunden absolviert sowie die entsprechenden Prüfungen erfolgreich bestanden haben.
Eine weitere Voraussetzung zur Erteilung der Fahrerlaubnis ist ein Mindestalter, das allerdings je nach Klasse variieren kann. So beträgt es beispielsweise für die Klassen AM und A1 16 Jahre, für die Klasse B 17 (begleitetes Fahren) beziehungsweise 18 Jahre und für die Klassen C und CE 21 Jahre (unter Auflagen und bestimmten Voraussetzungen auch früher).
Außerdem muss der Bewerber in der Lage sein, Erste Hilfe zu leisten. Diese Befähigung ist durch die Teilnahme an einem anerkannten Erste-Hilfe-Kurs nachzuweisen.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erhält der Absolvent nach der bestandenen praktischen Führerscheinprüfung seinen Führerschein für die jeweilige Klasse. Mit diesem Führerschein wird ihm automatisch die Fahrerlaubnis für die jeweilige Klasse erteilt.


Die Fahrerlaubnis auf Probe gemäß § 2a Straßenverkehrsgesetz

Der Führerschein dient also als Beweisurkunde für die Fahrerlaubnis und bestätigt, dass der Führerscheininhaber ein Fahrzeug einer bestimmten Führerscheinklasse führen darf. Allerdings wird der Führerschein nach dem Erteilen der Fahrerlaubnis zunächst für eine zweijährige Probezeit ausgegeben. Begeht der Führerscheinneuling in dieser Zeit sogenannte A- und B-Verstöße, muss er ein Aufbauseminar besuchen und es droht ihm eine Verlängerung der Probezeit. Es handelt sich dabei um Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten, die mit mindestens einem Punkt in Flensburg sowie mit einem Bußgeld von mindestens 40 Euro verknüpft sind. Beispiele für A-Verstöße (schwere Verstöße): Rotlichtmissachtung, Überholen im Überholverbot und Vorfahrtsverletzungen mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Zu den leichteren B-Verstößen gehören unter anderem das Fahren mit abgefahrenen Reifen, die Gefährdung beziehungsweise Behinderung von Radfahrer und Fußgängern beim Abbiegen sowie die Gefährdung beziehungsweise Behinderung von Schulkindern an einem haltenden Omnibus.
Nach einem A-Verstoß oder zwei B-Verstößen innerhalb der Probezeit muss ein Aufbauseminar besucht werden. Die durchschnittlichen Kosten für ein solches Seminar liegen bei 250,00 Euro. Es findet in Fahrschulen mit speziell für diesen Zweck ausgebildeten Fahrlehrern statt.
In der Probezeit gilt grundsätzlich eine 0,0-Promille-Grenze.

Die Fahrerlaubnis und ihre Klassen

Alle Fahrerlaubnisklassen müssen durch den Besuch einer Fahrschule und dem erfolgreichen Absolvieren von theoretischen und praktischen Prüfungen erworben werden. Dabei ist es natürlich möglich, dass ein Autofahrer die Fahrerlaubnis für mehrere Klassen erwirbt. Bis vor einigen Jahren kannten wir in Deutschland nur die Klassen 1, 1a, 1b, 2, 3, 4 und 5. 2013 hat sich dieses System jedoch an die Fahrerlaubnisklassen der Europäischen Union angepasst. Heute gibt es insgesamt 16 Führerscheinklassen: die Klassen für Kraft- und Motorräder AM, A1, A2 und A, die Pkw-Klassen B und BE, die Lkw-Klassen C1, C1E, C, CE, die Bus-Klassen D1, D1E, D und DE sowie die Sonderklassen L (beispielsweise für Stapler, Flurförderfahrzeuge und selbstfahrende Futtermischwagen) und T (land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen). Das neue System brachte viele Änderungen, die in einem eigenen Beitrag nachgelesen werden können.

Das Fahren ohne Führerschein und das Fahren ohne Fahrerlaubnis

Es macht einen großen Unterschied, ob ein Autofahrer ohne Führerschein oder ohne Fahrerlaubnis unterwegs ist. Lässt er seinen Führerschein versehentlich zu Hause liegen, ist er aber im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis, liegt im Falle einer Kontrolle „nur“ eine Ordnungswidrigkeit vor. Meist bleibt es in solchen Fällen bei einem Verwarngeld von 10,00 Euro.
Deutlich schwerwiegender sind die Konsequenzen beim Fahren ohne Fahrerlaubnis. Hier handelt es sich um eine Verkehrsstraftat nach § 21 StVG. Der Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis liegt dann vor, wenn der Fahrer bislang überhaupt noch nicht über eine entsprechende Fahrerlaubnis verfügte, ihm diese rechtskräftig entzogen wurde, die Fahrerlaubnisklasse durch Fristablauf erloschen ist oder aber ein zeitlich befristetes Fahrverbot verhängt wurde. Geahndet wird diese Straftat mit einer hohen Geldstrafe oder gar Freiheitsstrafe bis zu zwölf Monaten. Gemäß § 21 Absatz 3 StVG kann außerdem das Fahrzeug eingezogen werden. Falls der Halter des Fahrzeugs die Straftat ermöglicht hat, muss er ebenfalls mit einer Strafe rechnen.

Der Führerscheinentzug und der Entzug der Fahrerlaubnis

Auch hier gibt es wieder große Unterschiede. Ist „der Lappen weg“, handelt es sich um ein reines Fahrverbot. Dem Betroffenen wird für einen bestimmten Zeitraum untersagt, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu bewegen. Dieser Zeitraum liegt zwischen einem und drei Monaten. Die Fahrerlaubnis geht in amtliche Verwahrung, nach Ablauf des Fahrverbots erhält der Autofahrer seinen Führerschein aber wieder zurück. Die Fahrerlaubnis bleibt während des Fahrverbots generell bestehen und wird nur unterbrochen.
Ganz anders sieht es bei einem Entzug der Fahrerlaubnis aus. Hier erlischt die Erlaubnis, ein Kraftfahrzeug zu führen, komplett. Das bedeutet, der Führerschein wird eingezogen und entwertet, so dass er auch in Zukunft nie wieder gültig sein wird. Oft ist ein Entzug der Fahrerlaubnis die Folge von schweren Drogen- oder Alkoholdelikten, dem Erreichen von acht Punkten in Flensburg oder einer verweigerten MPU (medizinisch-psychologischen Untersuchung). Auch körperliche und geistige Einschränkungen wie eine unausgleichbare Sehschwäche, paranoide Schizophrenie, nicht kompensierbarer starker Altersabbau oder schwere Nervenleiden können zu einem Entzug der Fahrerlaubnis führen.
Im Rahmen eines Strafverfahrens wird meist auch eine Sperrzeit verhangen. Während dieser Sperrzeit, die mindestens sechs Monate dauert, hat der Betroffene keine Möglichkeit, eine neue Fahrerlaubnis zu bekommen. Und auch nach Ablauf der Sperrzeit bekommt der Betroffene seinen Führerschein nicht wieder zurück. Er muss also bei der Führerscheinstelle einen komplett neuen Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis stellen. Die Führerscheinstelle wird dann zunächst einmal prüfen, ob der Betroffene überhaupt wieder geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Meist ist dann eine MPU oder die Vorlage eines ärztlichen Gutachtens erforderlich.

Die Fahrerlaubnis und ihre Gültigkeitsdauer

Laut § 24a FeV ist die Gültigkeit von Führerscheinen, die seit dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, generell auf 15 Jahre befristet. Nach Ablauf dieser Frist muss gegen eine Gebühr ein neuer Führerschein beantragt werden. Führerscheine, die noch vor diesem Stichtag ausgestellt wurden, müssen bis zum 19. Januar 2033 umgetauscht werden.
Wichtig: Bei der Neu-Ausstellung handelt es sich nur um einen verwaltungstechnischen Akt, es ist also keine Untersuchung oder Nachprüfung erforderlich. Hier geht es also nur darum, das physische Beweisdokument zu erneuern, damit es stets auf dem neuesten Stand ist.
Die Fahrerlaubnis verliert generell nie ihre Gültigkeit, sofern sich der Inhaber ordnungsgemäß verhält.
Ausnahme: Alle Lkw-Fahrerlaubnisse der Klassen C1, C1E, C und CE werden seit 2016 nur noch für jeweils fünf Jahre erteilt. Für die Verlängerung ist kein Gang zur Fahrschule erforderlich und es muss auch keine erneute Prüfung abgelegt werden. Voraussetzungen sind jedoch Gesundheitsuntersuchungen und ein augenärztliches Gutachten.

Die Fahrerlaubnis, kein Synonym für den Führerschein

Obwohl die Begriffe Führerschein und Fahrerlaubnis umgangssprachlich kaum differenziert werden, gibt es rein rechtlich große Unterschiede. Vor allem bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten macht sich dies für die Betroffenen stark bemerkbar. Darum gilt als Faustregel: Der Führerschein ist das Beweisdokument für die Fahrerlaubnis.