Erfahren Sie alles zu Fahrschulen

Für die meisten Menschen ist der Führerschein der wichtigste Schritt in die Unabhängigkeit. Und der Weg zur heiß ersehnten Fahrerlaubnis führt immer über eine Fahrschule: Sie ist die erste Anlaufstelle für alle Führerschein-Anwärter und vermittelt alle praktischen und theoretischen Kenntnisse, die zum Erwerb der Fahrerlaubnis erforderlich sind. Es handelt sich dabei immer um eine privatwirtschaftliche Schule, das heißt, der Besuch ist grundsätzlich mit Kosten verbunden. Der folgende Beitrag blickt hinter die Kulissen der deutschen Fahrschulen und liefert spannende Hintergrundinformationen rund um den praktischen und theoretischen Unterricht.


Die gesetzlichen Anforderungen an eine Fahrschule

Nach dem bundeseinheitlichen Gesetz über das Fahrlehrerwesen sind Fahrlehrer staatlich anerkannte Lehrkräfte. Sie verpflichten sich, ihre Schüler nach den Vorgaben der Fahrschüler-Ausbildungsordnung zu unterrichten. Wer dies tun möchte und selbst eine Fahrschule leiten will, muss zunächst jedoch eine spezielle Fahrlehrerausbildung durchlaufen und als Abschluss mehrere Prüfungen ablegen. Eine schriftliche Fachkundeprüfung gehört genauso dazu wie eine theoretische und praktische Lehrprobe in Form einer Theorie-Unterrichtsstunde beziehungsweise Fahrstunde.

Erteilt wird der Fahrlehrerschein dann auf Antrag von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde. Außerdem muss der Fahrlehrer nach seiner erfolgreich absolvierten Ausbildung nachweislich mindestens zwei Jahre hauptberuflich in einer Fahrschule beschäftigt gewesen sein. Eine anschließende Weiterbildung im Fachbereich Fahrschulbetriebswirtschaft gehört ebenfalls zu den Grundvoraussetzungen. Und auch die für die Fahrschule vorgesehenen Unterrichtsräume müssen samt Ausstattung behördlich abgenommen werden.

Es sind bis zur Eröffnung einer Fahrschule also einige Hürden zu überwinden, und das ist auch gut so, denn so haben Fahrschüler die Gewissheit, dass sie während Ihrer Ausbildung in kompetenten Händen sind. Kontrollen der zuständigen Behörden sorgen auch nach der Eröffnung in regelmäßigen Abständen dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Je nach Bundesland sind für die Kontrollen die Landratsämter oder die Straßenverkehrsämter zuständig.

Die Fahrschulen in Deutschland

Zum Jahresbeginn 2017 waren im Zentralen Fahrerlaubnisregister (ZFER) rund 45.000 Personen mit einer Fahrlehrer-Erlaubnis registriert. Die etwa 5400 Dienstfahrlehrer-Erlaubnisse von Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr wurden dabei nicht eingerechnet.

Die Zahl der Fahrschulen ist in den letzten Jahren jedoch etwas gesunken. 2014 waren deutschlandweit noch rund 11.900 Fahrschulen registriert, inzwischen gibt es laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände etwa 10.000 Fahrschulen mit insgesamt 15.000 Filialen. Verantwortlich für den Rückgang sollen hauptsächlich der demografische Wandel und die geburtenschwachen Jahrgänge sein.


Diese Anforderungen müssen Fahrschüler für den Führerschein erfüllen

Seit 2011 ist es hierzulande möglich, schon mit 17 Jahren Auto zu fahren. Den entsprechenden Antrag für das sogenannte begleitete Fahren kann der Fahrschüler frühestens mit 16,5 Jahren stellen. Die Sonderregelung sieht jedoch vor, dass Siebzehnjährige einen Pkw nur zusammen mit einer ausdrücklich in der Prüfungsbescheinigung genannten Begleitperson fahren dürfen. Außerdem muss der Führerscheinanwärter unabhängig vom Lebensalter in Deutschland leben und körperlich und geistig in der Lage sein, ein Fahrzeug zu steuern. Zu den weiteren Voraussetzungen gehören ein bestandener Sehtest sowie die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs.

Der grundsätzliche Aufbau des Fahrschul-Unterrichts

Der Fahrschulunterricht gliedert sich in einen theoretischen und in einen praktischen Teil. Zu den Pflichtstunden im theoretischen Teil gehören zwölf Stunden für den Grundstoff sowie zwei Stunden für den Zusatzstoff. Der Grundstoff umfasst den Prüfungsstoff, der für alle Klassen gilt, der Zusatzstoff beinhaltet dagegen den Stoff, der den speziellen Anforderungen der gewünschten Klasse zuzuordnen ist.

Anschließend folgt die theoretische Prüfung. Ohne sie kann die praktische Prüfung erst gar nicht absolviert werden. Allerdings muss ein Fahrschüler nicht erst den theoretischen Teil beendet haben, bevor er in der Praxis üben darf. In den meisten Fahrschulen ist es heute sogar üblich, dass die Theorie- und Praxisstunden von den Schülern parallel durchlaufen werden.

Die Pflichtstunden im praktischen Teil umfassen ebenfalls zwölf Stunden und gliedern sich in fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten und drei Nachtfahrten. Begonnen wird in der Regel allerdings mit einfachen Übungsstunden zum Anfahren, Bremsen, Lenken und Schalten. Wie viele Fahrstunden letztendlich tatsächlich benötigt werden, hängt also vom Lernfortschritt und den persönlichen Fähigkeiten des Fahrschülers ab und kann im Vorfeld kaum festgelegt werden. Ein Fahrschüler kann die Zahl der Praxisstunden bis zur Prüfungszulassung in Absprache mit dem Fahrlehrer ohne Weiteres erhöhen, wenn er sich noch zu unsicher für die Praxisprüfung fühlt.

Für die gesamte Fahrschul-Ausbildung sollten bei zwei bis drei wöchentlichen Terminen mindestens etwa acht bis zwölf Wochen veranschlagt werden. Zeitliche Abweichungen nach oben und unten sind selbstverständlich möglich.

Wer möchte, kann den Führerschein unter bestimmten Voraussetzungen auch im Ausland machen. Doch die Vorgaben sind streng: So muss der Fahrschüler beispielsweise seinen ersten Wohnsitz nachweislich 185 Tage im Ausland haben.

Laut Automobilclub Europa (ACE) schaffen im deutschlandweiten Schnitt rund 77 Prozent aller Fahrschüler die praktische Prüfung im ersten Anlauf.

Die Fahrschulen und ihre Führerscheinklassen

Die meisten Fahrschulen bieten Unterricht in mehreren oder sogar allen Führerscheinklassen an. Dies ist aber nicht automatisch bei jeder Fahrschule der Fall, denn die Inhaber können sich auf verschiedene Klassen spezialisieren. Grundlage der Ausbildung zum Fahrlehrer ist die Klasse BE (alte Klasse 3), sie ist auch gleichzeitig die Zugangsvoraussetzung für alle weiteren Fahrlehrerlaubnisklassen. Ganz nach Wunsch kann der Fahrlehrer zusätzlich ergänzende Ausbildungen absolvieren: für Motorräder beispielsweise (A beziehungsweise alte Klasse 1, A1, A2, AM sowie Mofa), für Lkw (C, CE, C1, C1E) oder auch für Busse (D, D1, D1E und DE). Hat er die entsprechenden Prüfungen erfolgreich bestanden, kann er Unterricht in diesen Klassen anbieten, sofern er über entsprechende Fahrschulfahrzeuge verfügt.

Worauf Führerscheinanwärter bei der Auswahl einer Fahrschule achten sollten

Jede Fahrschule kann ihre Preise individuell festlegen, so dass große Preisunterschiede selbst innerhalb einer Stadt nicht ungewöhnlich sind. Es empfiehlt sich daher, vorab von mehreren Fahrschulen Angebote einzuholen. Doch es sind nicht nur die Preise, auf die angehende Fahrschüler achten sollten. Auch die „Chemie“ zwischen Fahrschüler und -lehrer muss stimmen. Sind sich beide Seiten nicht sympathisch, kann der Lernerfolg dadurch – wie auf jeder anderen Schule auch – negativ beeinflusst werden.

Die beste Werbung für eine Fahrschule ist immer noch die klassische Mundpropaganda. Darum ist es für Fahranfänger grundsätzlich hilfreich, sich unter Freunden, Bekannten und Kollegen nach entsprechenden Empfehlungen umzuhören.

Auch eine (theoretische) Probestunde kann als Entscheidungshilfe dienen. Der Führerscheinanwärter kann sich dabei direkt vor Ort einen umfassenden Eindruck von der Fahrschule, den Lehrkräften und der Atmosphäre im Unterricht verschaffen. Er sollte auch auf die verwendeten Unterrichtsmaterialien achten: Einige Fahrschulen setzen auf DVDs und Videos, in vielen anderen Schulen gehören interaktive Lernmaterialien bereits zum Standard.

Prinzipiell sollte theoretischer Unterricht an mindestens zwei Tagen in der Woche stattfinden. Außerdem bietet eine gute Fahrschule die praktischen Fahrstunden zeitlich flexibel und auf Wunsch in kurzen Abständen an. Wichtig ist auch, dass der schriftliche Ausbildungsvertrag alle Einzelpreise sowie den Gesamtpreis enthält und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgeführt sind.

Der Führerschein-Anwärter sollte den Fahrlehrer vor Vertragsabschluss auch ruhig mit Fragen „löchern“: ob die Fahrlehrer während der Ausbildung wechseln beispielsweise, ob vor der Prüfung kurzfristige Zusatzstunden möglich sind oder ob Fahrstunden und Prüfung stets im gleichen Fahrzeug stattfinden.

Der Neuerwerb nach Führerscheinverlust (MPU)

Viele Fahrschulen übernehmen auch die Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Eine professionelle Vorbereitung erhöht die Chancen, nach der MPU wieder als unbeschränkt fahrtüchtig eingestuft zu werden, denn die Fahrlehrer wissen natürlich ganz genau, was der Gutachter vom Anwärter erwartet. Wichtig: Eine Fahrschule kann keine hundertprozentige Erfolgsgarantie geben, dass die MPU auch tatsächlich positiv ausfällt. Solche Versprechen sind unseriös und nicht realistisch.

Der Ablauf in der Fahrschule bis zur Führerscheinprüfung

Der Weg zum Führerschein umfasst sieben Schritte: die Anmeldung bei einer Fahrschule, Sehtest und Erste-Hilfe-Kurs, der Antrag für den Führerschein, Theorieunterricht, Praxisunterricht, Theorieprüfung sowie Praxisprüfung. Normalerweise stellt die Fahrschule den Antrag für den Führerschein. In der Regel dauert die Bearbeitungszeit fünf bis sechs Wochen, das heißt, in dieser Zeit kann der Führerscheinanwärter schon mit dem theoretischen und praktischen Unterricht beginnen, die Absolvierung einer Prüfung ist innerhalb der Bearbeitungszeit jedoch nicht möglich.

Die Prüfungen

Wer die theoretischen Pflichtstunden absolviert hat, kann an der Theorieprüfung teilnehmen. Sie umfasst Fragen aus dem Grund- und dem Zusatzstoff des im Unterricht durchgenommenen Fragenkatalogs. Diese werden je nach Inhalt und Bedeutung mit zwei bis maximal fünf Punkten bewertet. Die Anzahl der höchst zulässigen Fehlerpunkte beträgt bei den meisten Führerscheinklassen zehn. Hat der Führerschein-Anwärter also elf Fehlerpunkte, ist er bei der theoretischen Prüfung durchgefallen und muss sie wiederholen.

Die praktische Führerscheinprüfung gilt dann als bestanden, wenn der Prüfling 45 Minuten ohne gravierende Fehler gefahren ist. Der Prüfer wählt dafür eine Strecke nach den Kriterien der Prüfungsrichtlinie und nimmt rechts hinten Platz.

Während der Fahrt muss der Fahrschüler verschiedene Anforderungen und Aufgaben bewältigen. Dazu können unter anderem das Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung und das Rückwärtsfahren in eine Parklücke gehören.

Die grobe Missachtung von Vorfahrt- und Vorrangregeln, ein Verstoß gegen das Überholverbot sowie ein Fahrstreifenwechsel ohne Verkehrsbeobachtung sind mögliche Gründe für ein Nichtbestehen. Wenn der Anwärter die praktische Prüfung besteht, wird ihm anschließend sofort der Führerschein ausgehändigt.

Die Fahrschul-Fahrzeuge und ihre Besonderheiten

In Fahrschul-Fahrzeugen für den Pkw-Führerschein müssen dem Fahrlehrer dieselben (fußtechnischen) Vorrichtungen zur Verfügung stehen wie dem Fahrschüler. Im Fachjargon wird dies als Doppelbedienung bezeichnet. Außerdem müssen die Pkw mit zusätzlichen Rückspiegeln ausgerüstet sein, damit sich dem Fahrlehrer nach Möglichkeit derselbe Blickwinkel bietet wie dem Fahrschüler. Die Geschwindigkeitsanzeige (bei Fahrzeugen der Klasse B bis maximal 120 Stundenkilometer) kann genau wie alle für die Betriebssicherheit relevanten Anzeigen auch vom Beifahrersitz und aus einer normalen Sitzposition ohne Probleme eingesehen werden. Ist diese Voraussetzung im Fahrzeug nicht erfüllt, muss eine zusätzliche Geschwindigkeitsanzeige auf der Beifahrerseite vorhanden sein.

Die Fahrschule, der Wegbereiter für den Führerschein

Eine gute Fahrschule ist ein verlässlicher Begleiter auf dem Weg zur Fahrerlaubnis. Dank der theoretischen und praktischen Lernangebote steht dem Erwerb der Fahrerlaubnis (fast) nichts im Weg. Allein 2017 besaßen 55,86 Millionen Personen in Deutschland einen Pkw-Führerschein. Im gleichen Jahr wurden deutschlandweit rund 1,3 Millionen neue Fahrerlaubnisse ausgestellt. Wer bei der Auswahl seiner Fahrschule kritisch und überlegt vorgeht, hat bis zu den beiden Prüfungen einen kompetenten und verantwortungsbewussten Partner an seiner Seite.