Die Vollkasko in der Kfz-Versicherung – Die Vorteile und der Unterschied zur Teilkasko

Von allen Kfz-Versicherungen bietet die Vollkasko den höchsten und umfassendsten Versicherungsschutz. Sie ist anders als die Haftpflichtversicherung jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern kann freiwillig abgeschlossen werden. Welche Schäden die Vollkaskoversicherung abdeckt, welche Sparmöglichkeiten es gibt und in welchen Fällen sie sich wirklich lohnt, klärt dieser Beitrag.


Die Vollkasko im Überblick

Die Vollkaskoversicherung ist eine Ergänzung zur Kfz-Haftpflicht und beinhaltet unter anderem alle Leistungen der Teilkasko. Sie stellt eine Fahrzeugvollversicherung dar, also einen perfekten Rundumschutz, der nur dann nicht greift, wenn der Versicherungsnehmer den Schaden vorsätzlich herbeigeführt hat oder der Schaden während einer Fahrt unter Drogen- und Alkoholeinfluss auftrat. Schäden, die durch grobe Fahrlässigkeit entstanden sind, können je nach Tarif ebenfalls von der Vollkasko übernommen werden.

Sonderfall grobe Fahrlässigkeit

Bei grob fahrlässigem Verhalten, das heißt, wenn der Fahrer nicht die nötige Sorgfalt walten ließ, lehnen viele Versicherer die Kostenübernahme trotz Vollkaskoschutz ebenfalls ab. Zu den häufigsten Beispielen für grobe Fahrlässigkeit gehören das Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung, das Abstellen des Fahrzeugs an einer abgelegenen Straße für einen längeren Zeitraum sowie das Überholen in schwer einsehbaren Bereichen. Auch wenn Verkehrszeichen wie Stopp- und Vorfahrtsschilder nicht beachtet werden oder der Fahrer seine Geschwindigkeit bei schlechten Sichtverhältnissen (durch Nebel, Regen, Schnee) nicht angepasst hat, liegt grob fahrlässiges Verhalten vor. Allerdings erlaubt der Begriff auch einigen Definitionsspielraum. Wurde ein Unfall beispielsweise durch einen Niesanfall ausgelöst oder weil der Fahrer von einem Insekt abgelenkt wurde, verweigern einige Versicherer ebenfalls ihre Leistungen und berufen sich auf grobe Fahrlässigkeit.
Damit es dazu gar nicht erst kommt, sollten Versicherungsnehmer bei der Auswahl des Tarifs darauf achten, dass der Versicherer ausdrücklich und vertraglich auf den sogenannten „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ verzichtet. Die Leistung kann dann von der Vollkasko nicht gekürzt oder gar verweigert werden, selbst wenn der Versicherungsnehmer die erforderliche Sorgfalt außer Acht ließ. Das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fällt aber nicht darunter, das heißt, daraus resultierende Schäden sind grundsätzlich niemals abgedeckt.

Diese Schäden übernimmt die Vollkasko-Versicherung

Grundsätzlich ist in der Vollkaskoversicherung auch immer die Teilkasko enthalten. Das bedeutet, dass alle Risiken, die durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt sind, in der Vollkasko ebenfalls automatisch versichert sind. Dazu gehören unter anderem Elementarschäden, Glasbruch, Marderbisse, Wildunfälle und Diebstahl. Nähere Details zur Teilkaskoversicherung können im entsprechenden Beitrag nachgelesen werden.
Darüber hinaus kommt die Vollkasko aber noch für weitere Schäden auf, und zwar für Vandalismusschäden beziehungsweise mutwillige Beschädigungen des Kraftfahrzeugs durch Dritte, Schäden durch Unfälle oder Kollisionen mit Fahrerflucht, Insolvenz des Unfallverursachers sowie für selbst verschuldete Schäden.


Die Leistungen und möglichen Zusatzleistungen in der Vollkaskoversicherung

Die Vollkasko kommt im Falle eines Falles natürlich für die Reparatur- und Abschleppkosten auf.
Handelt es sich um einen Totalschaden, zahlt die Versicherung je nach Alter des Fahrzeugs den Neuwert (Neuwertentschädigung) oder den Wiederbeschaffungswert aus. Wie lange der Versicherer den Neuwert bezahlt, hängt jedoch vom gewählten Tarif ab. Das können sechs, zwölf oder auch 24 Monate sein. Spätestens nach zwei Jahren wird jedoch von allen Versicherern nur noch der Zeitwert ersetzt. Viele Vollkaskoversicherungen bieten auch für Gebrauchtwagen
eine entsprechende Klausel ähnlich der Neupreisentschädigung an.

Der Totalschaden und seine Definition

Ein Totalschaden liegt dann vor, wenn die Kosten für die Reparatur den Wiederbeschaffungswert des Autos überschreiten würden. Mit dem Begriff Wiederbeschaffungswert wird jener Preis bezeichnet, der für den Erwerb eines gebrauchten gleichwertigen Wagens zum Zeitpunkt des Schadensereignisses bezahlt werden müsste. Ausschlaggebend sind dabei grundsätzlich die durchschnittlichen Preise am Erstwohnsitz des Versicherungsnehmers.

Optional auswählbare Tarife und Zusatzleistungen

Einige Versicherer bieten auch einen Versicherungsschutz für die Sonderausstattung an. Mit einem solchen Tarif werden dann fest verbaute Teile wie beispielsweise eine teure Hi-Fi-Anlage bis zu einem vertraglich festgelegten Wert ersetzt.
Eine weitere Zusatzleistung: Im Falle einer Reparatur wird dem Versicherungsnehmer ein kostenloses Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt. Ein Anspruch auf diese Leistung besteht nicht, einige Versicherer bieten sie aber bereits in ihrem Basistarif an.

Besonderheiten bei Leasingfahrzeugen

Zwar ist die Vollkaskoversicherung bei Leasingfahrzeugen in der Regel obligatorisch, dennoch sollten Versicherungsnehmer zusätzlich über eine GAP-Deckung (abgeleitet vom englischen Begriff „gap“: Lücke) nachdenken. Meist bestehen Leasingfirmen beim Vertragsabschluss sogar darauf, dass der Leasingnehmer eine GAP-Deckung mit in seine Vollkasko einschließt. Aus gutem Grund: Wird ein Leasingfahrzeug bei einem Unfall nämlich so schwer beschädigt, dass ein Totalschaden vorliegt, oder wird es gestohlen, deckt dieser zusätzliche Schutz die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert und den Restforderungen des Leasingunternehmens. Ohne GAP-Deckung gehen Versicherungsnehmer also das Risiko ein, auf der Differenz zwischen der Erstattung aus der Vollkasko und der finanziellen Verpflichtung aus dem abgerechneten Leasingvertrag sitzen zu bleiben. Mit einer GAP-Deckung zahlt der Versicherer den finanziellen Unterschied dagegen aus, so dass die Lücke geschlossen wird. Je teurer ein Fahrzeug ist, desto wichtiger ist dieser zusätzliche Schutz.
Berechnungsbeispiel: Der Wiederbeschaffungswert eines Fahrzeugs liegt am Schadenstag bei 12.000 Euro, der Leasing-Restbetrag dagegen bei 15.000 Euro. In diesem Fall würde die Differenz von 3.000 Euro durch die GAP-Deckung erstattet.
In vielen Vollkaskoversicherungen ist die GAP-Deckung für geleaste und finanzierte Fahrzeuge bereits enthalten.

Die Prämienberechnung in der Vollkasko-Versicherung

Bei einer Vollkaskoversicherung ergibt sich die Prämie in erster Linie aus der Typklasse des Autos, der Regionalklasse des Versicherungsnehmers und der jeweiligen Schadenfreiheitsklasse.
Derzeit gibt es 25 (Klasse 10 bis 34) verschiedene Typklassen in der Vollkasko. 2019 ändern sich diese Einstufungen leicht: Einige Autofahrer werden dann modellabhängig in eine schlechtere (teurere) Typklasse eingestuft, andere Versicherungsnehmer dagegen in eine bessere (günstigere) Klasse. Für rund drei Viertel der Autofahrer wird sich jedoch nichts ändern. Grundlage des neuen Typverzeichnisses ist die Unfall- und Schadensbilanz der letzten drei Jahre, also von 2015 bis 2017. Hohe Versicherungsleistungen und viele Schäden führen zu hohen Typklassen, geringe Reparaturschäden und wenige Schäden dagegen zu niedrigen Typklassen.
Dagegen spiegeln die Regionalklassen die Schadenbilanz der mehr als 400 Zulassungsbezirke in Deutschland wider. Dabei spielt es keine Rolle, wo der Schaden entstand, entscheidend ist vielmehr, wo der Fahrzeughalter seinen Erstwohnsitz hat.

Der Schadensfreiheitsrabatt in der Vollkasko

Die Schadenfreiheitsklasse und der daraus resultierende Schadenfreiheitsrabatt haben auf die Versicherungsprämie einen enormen Einfluss. Das Rabattsystem definiert, wie lange der Versicherungsnehmer bereits unfallfrei fährt. Es wird jedes Jahr zum 01. Januar aktualisiert. Hat der Versicherungsnehmer im zurückliegenden Jahr keinen Schaden gemeldet, erreicht er meist eine bessere (höhere) Schadenfreiheitsklasse. Nach einem Schaden wird er dagegen in eine niedrigere Schadenfreiheitsklasse eingestuft, was bedeutet, dass er höhere Beiträge zahlen muss. Darum empfiehlt es sich bei sogenannten Bagatellschäden oft, die Reparaturkosten selbst zu übernehmen. Dadurch lässt sich eine Rückstufung vermeiden. Oft ist die Reparatur eines Bagatellschadens günstiger als eine drohende Beitragserhöhung für die Vollkasko im folgenden Jahr.
Ein Versicherungswechsel bietet übrigens keinen Schutz vor einer Rückstufung: Der neue Versicherer übernimmt üblicherweise die Schadenfreiheitsklasse der vorherigen Vollkasko. Dennoch kann die Prämie bei der neuen Versicherung vollkommen anders aussehen, denn die Schadenfreiheitsrabatte zu den SF-Klassen unterscheiden sich von Versicherung zu Versicherung.
Es ist daher gar nicht selten, dass ein Versicherungsnehmer bei einem Versicherer einen niedrigeren oder höheren Rabatt bekommt als bei einem anderen Vollkasko-Anbieter, obwohl es sich um die gleiche Schadenfreiheitsklasse handelt.
Fahranfänger beginnen in der Regel mit der Schadenfreiheitsklasse 0, was einem Beitragssatz von 100 Prozent entspricht. Die günstigste SF-Klasse 35 wird nach 35 schadenfreien Kalenderjahren erreicht und entspricht einem Beitragssatz von 20 Prozent. Wird ein Versicherungsvertrag länger als ein Jahr unterbrochen, ziehen die Versicherer meist für jedes Jahr eine Klasse ab.

Der Rabattschutz

Dieser interessante Zusatzbaustein der Vollkasko wird bereits in einem anderen Beitrag ausführlich behandelt, daher an dieser Stelle nur ein kurzer Überblick: Der Rabattschutz verhindert eine Rückstufung innerhalb der Schadenfreiheitsklassen und kann optional zur Vollkasko dazugebucht werden. Der Versicherungsnehmer kann die Tarifoption in der Regel jedoch immer nur für jeweils ein Schadensereignis pro Jahr beanspruchen. Er hat also quasi pro Jahr einen Schaden „frei“. Außerdem ist der Rabattschutz an verschiedene Bedingungen wie ein Mindestalter des Fahrers und eine Mindest-SF-Klasse geknüpft.

Sparmöglichkeiten in der Vollkasko

Neben der Typklasse, der Regionalklasse und dem Schadenfreiheitsrabatt beeinflussen noch weitere Faktoren die Höhe der Prämie für die Vollkaskoversicherung. Je nach Fahrverhalten und individuellen Gegebenheiten sind mit diesen Faktoren interessante Sparmöglichkeiten verbunden.

Die Selbstbeteiligung

So kann der Versicherungsbeitrag mit einer hohen Selbstbeteiligung relativ niedrig gehalten werden. Über diesen Eigenanteil beteiligt die Versicherung den Versicherungsnehmer an jedem gemeldeten Schaden. Im Gegenzug kommt sie ihm dafür im Beitrag entgegen. Auch wenn schon eine Selbstbeteiligung von 150 Euro möglich ist, wählen die meisten Versicherungsnehmer im Rahmen ihrer Vollkaskoversicherung einen Eigenanteil von 300 Euro. Dies würde eine durchschnittliche Ersparnis von 26 Prozent bedeuten. Mit einem Eigenanteil von 500 Euro beträgt der jährliche Preisnachlass dagegen bereits 30 Prozent.
Da in einer Vollkasko immer auch eine Teilkaskoversicherung enthalten ist, kann für die Teilkasko eine eigene Selbstbeteiligung festgelegt werden. Diese darf den Eigenanteil für die Vollkasko aber nicht übersteigen. Kombinationen aus 150 Euro Selbstbeteiligung in der Teilkasko und 300 Euro Eigenanteil in der Vollkasko sind besonders weit verbreitet. In welcher Höhe dem Versicherungsnehmer tatsächlich ein Eigenanteil abgezogen wird, hängt aber immer von der Art des Schadens ab.
Um bei der oben genannten Selbstbeteiligungs-Kombination 150 Euro/300 Euro zu bleiben: Bei einem Marderbiss würden dem Versicherungsnehmer 150 Euro Eigenanteil abgezogen (da Teilkaskoschaden), bei einem selbst verschuldeten Schaden dagegen 300 Euro (da Vollkaskoschaden).
Wer seine Beiträge ganz besonders niedrig halten möchte, kann vertraglich auch Selbstbeteiligungen von 1000, 1500 (bei einigen Versicherern) und sogar 2500 Euro festlegen.

Die Kilometerleistung

Die pro Jahr zurückgelegten Kilometer haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Versicherungsprämie. Wer mehr fährt, muss also auch gleichzeitig mehr zahlen, da ein erhöhtes Unfallrisiko besteht. Der Fahrzeughalter legt bei der Antragstellung für die Vollkasko zunächst einen Schätzwert fest. Er sollte sich aber genau überlegen, welche Kilometerleistung er angibt. Wird die angegebene Zahl nämlich überschritten, muss dies dem Versicherer umgehend gemeldet werden, damit es nicht zu hohen Nachzahlungen kommt und gegebenenfalls Vertragsänderungen vorgenommen werden können.
Die durchschnittlichen Versicherungsbeiträge der Versicherer steigen üblicherweise bei den gleichen Kilometergrenzen an, die Unterschiede in der Staffelung sind meist minimal. So gilt die Kilometerklasse 1 bis zu einer Fahrleistung von jährlich 6000 Kilometern, die Kilometerklasse 2 umfasst die Spanne zwischen 6001 und 9000 Kilometern. Insgesamt gibt es acht Kilometerklassen. Zwei Beispiele: Wenn ein Wenigfahrer nicht 6000 Kilometer, sondern eine Kilometerleistung von 7000 Kilometern versichert, müsste er im Schnitt 6,3 Prozent mehr zahlen als in Kilometerklasse 1.
Beträgt die Fahrleistung jedoch 15000 Kilometer, ist die Prämie gegenüber einer Leistung von 5.000 Kilometern um durchschnittlich 19 Prozent höher. Vielfahrer dürfen sich übrigens freuen: Ab einer Fahrleistung von 30.000 Kilometern (Kilometerklasse 8) spielt es keine Rolle mehr, ob Sie jährlich 31.000 oder 40.000 oder noch mehr Kilometer fahren.
Wer allerdings mit seiner Kilometerangabe knapp über einer Grenze liegt, darf ruhig einmal prüfen, ob möglicherweise eine Fahrleistung in einer niedrigeren Stufe ausreichen kann.
Gut zu wissen: Sobald der Vollkasko ein Schaden gemeldet wird, erfolgt seitens des Versicherers grundsätzlich eine Überprüfung der Kilometerangaben. Bei erheblichen Abweichungen vom angegebenen Wert kann es unter Umständen zu Leistungseinschränkungen kommen.

Die Werkstattbindung in der Vollkasko

Fahrzeughalter, die mit ihrer Versicherung eine Werkstattbindung vereinbaren, zahlen eine oft deutlich niedrigere Prämie. Die Ersparnis kann je nach Versicherer bis zu 20 Prozent betragen. Im Gegenzug erklärt sich der Versicherungsnehmer damit einverstanden, eventuelle Vollkaskoschäden ausschließlich in Partnerwerkstätten der Versicherungsgesellschaft reparieren zu lassen. Auf den ersten Blick ein verlockendes Angebot, zumal sich viele Versicherer auch um die Reparatur-Abwicklung kümmern und dem Fahrzeughalter damit viel Arbeit ersparen. Doch es gibt auch Nachteile.
Normalerweise liegen die Reparaturkosten der Partnerwerkstätten deutlich unter dem allgemeinen Niveau auf dem Markt. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass es sich dabei in der Regel um freie Werkstätten ohne Markenbindung handelt. Gerade Besitzer von Neuwagen sollten hier hellhörig werden. Wird bei einem Vollkaskoschaden nämlich eine Vertragswerkstatt des Herstellers aufgesucht, kann der Fahrzeughalter in vielen Fällen mit Kulanzleistungen rechnen, die auch über die übliche Garantiezeit hinausgehen. Diese Kulanz ist aber meist an eine Voraussetzung gebunden: Bisherige Reparaturen müssen in einer Vertragswerkstatt durchgeführt worden sein. Wer bei der Vollkasko auf einen Versicherungstarif mit Werkstattbindung verzichtet, kann im Schadensfall also häufig von der Kulanz profitieren. Darüber hinaus bleibt auch der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs stabiler.
Handelt es sich bei dem versicherten Auto nicht um einen Neuwagen, kann die Werkstattbindung jedoch eine interessante Sparoption in der Vollkasko sein.
Entscheidet sich der Versicherungsnehmer im Schadensfall trotz Werkstattbindung für eine andere Werkstatt seiner Wahl, wird er auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben.

Weitere interessante Rabatte und Sparmöglichkeiten

Fast jeder Fahrzeughalter kann in der Vollkasko von Rabatten profitieren, denn die Möglichkeiten sind sehr vielfältig.
Wer sein Auto beispielsweise in einer abschließbaren Garage abstellt, schützt es besser vor Beschädigungen und Diebstahl: Hier winkt dann ein satter Garagenrabatt.
Versicherungsnehmer, die den Fahrerkreis so klein wie möglich halten und vielleicht nur den Ehepartner eingetragen haben, kommen in den Genuss eines Fahrerkreis-Rabattes. Da vor allem bei jungen Fahrern für den Versicherer ein erhöhtes Schadensrisiko besteht, sollte das Mindestalter der eingetragenen Personen möglichst hoch, idealerweise aber über 23 Jahren liegen.
Zu beachten ist, dass der Fahrerkreisrabatt immer nur auf den eingetragenen Personenkreis gewährt wird. Ändert sich die Zusammensetzung des Fahrerkreises, muss dies der Vollkaskoversicherung unverzüglich mitgeteilt werden. Wer sich an die Mitteilungspflicht nicht hält, riskiert einen Wegfall des Rabattes, Leistungseinschränkungen im Schadensfall und im schlimmsten Fall sogar ein Erlöschen des Versicherungsschutzes.
Weitere Rabatte in der Vollkasko sind unter anderem der Ökorabatt (beispielsweise für Hybridfahrzeuge), der Berufsgruppenrabatt (zum Beispiel für Beamte und Versicherungsangestellte) sowie der Hausbesitzerrabatt, wenn der Fahrzeughalter bereits eine Wohngebäudeversicherung beim selben Versicherungsunternehmen abgeschlossen hat. Der bis vor einigen Jahren noch übliche Frauenrabatt wurde dagegen Ende 2012 abgeschafft.

Die Vollkaskoversicherung im Ausland

Da die Vollkasko anders als die Kfz-Haftpflicht nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, greift das Kennzeichenabkommen in diesem Fall nicht. Die meisten Kfz-Versicherer bieten den Vollkaskoschutz zwar für das gesamte europäische Ausland an, es gibt jedoch auch Versicherungsunternehmen, die vor allem für Diebstahlschäden verschiedene Länder ausschließen. Je nach Versicherer kann es auch sein, dass Schäden in bestimmten Regionen (beispielsweise in Osteuropa) nicht abgedeckt sind. Versicherungsnehmer sollten daher sicherheitshalber einen Blick in ihre Versicherungsunterlagen werfen oder direkt beim Versicherer nachfragen.

Die Kündigung der Vollkasko

Es gibt viele Gründe, die eine Kündigung der Vollkaskoversicherung rechtfertigen. Vielleicht soll das Auto abgemeldet und außer Betrieb gesetzt werden, vielleicht wird der Vollkaskoschutz aber auch nicht mehr benötigt, da der Wagen in die Jahre gekommen und sein Wert nicht mehr so hoch ist.
Oder der Versicherungsnehmer möchte sich einfach nur für einen anderen Tarif oder eine andere Versicherung entscheiden.
Die Kündigung des Vertrages kann dann bis zu einem Monat vor Ende des Versicherungsjahres erfolgen. Die meisten Versicherungsverträge laufen vom 01. Januar bis zum 31. Dezember, Stichtag für die Kündigung wäre in diesem Fall also der 30. November.
Eine außerordentliche Kündigung ist immer dann möglich, wenn sich die Regional- oder Typklasse des Fahrzeugs ändert oder der Versicherungsbeitrag erhöht wird. Der Versicherer ist verpflichtet, die Änderung einen Monat vor Inkrafttreten anzukündigen. Der Versicherungsnehmer kann die Vollkasko dann innerhalb eines Monats kündigen.

Das passiert mit der Vollkasko beim Verkauf eines Autos

Beim Verkauf eines Fahrzeuges geht die Vollkasko auf den neuen Käufer über. Dieser übernimmt den bestehenden Versicherungsvertrag also zunächst mit allen Konditionen. Das heißt aber natürlich nicht, dass der Erwerber keine freie Versicherungswahl hat!
Als Erstes muss der Verkauf umgehend bei der Versicherung gemeldet werden. Der Käufer hat nach dem Erwerb dann ein einmonatiges Sonderkündigungsrecht, so dass er in aller Ruhe prüfen kann, ob ihm der Tarif der Vollkasko zusagt. Dem Verkäufer und bisherigen Versicherungsnehmer ist es jedoch seinerseits nicht möglich, die Vollkasko nach dem Verkauf zu kündigen. Wenn er den Kaufvertrag jedoch zur Versicherung schickt, wird der Versicherungsvertrag aber in der Regel nach einigen Wochen durch eine Erwerberkündigung automatisch gekündigt. Üblicherweise wendet sich nämlich der Versicherer nach Erhalt des Kaufvertrags an den neuen Käufer, um eine Erwerberkündigung mit einer Frist von einem Monat auszusprechen. Sobald sie wirksam wird, ist der Verkäufer also aus dem Versicherungsvertrag raus, auch wenn der Käufer von sich aus keinen Vertrag nachgewiesen hat.
Gut zu wissen: Beim Verkauf haften Verkäufer und Käufer gesamtschuldnerisch für die Prämie für das zum Zeitpunkt des Verkaufs laufende Versicherungsjahr. Die Versicherung kann den Beitrag also wahlweise vom Käufer oder vom Verkäufer einfordern.
Verkäufer, die auf Nummer sicher gehen möchten, sollten das Fahrzeug vor der Veräußerung abmelden. Dann muss der neue Käufer nämlich eigenständig für einen Versicherungsschutz sorgen.

Das muss bei einem Fahrzeugwechsel beachtet werden

Bei einem Fahrzeugwechsel kann sich der Halter seine Versicherung immer frei aussuchen. Hat er sein bisheriges Auto abgemeldet, weil er es verkauft oder verschrottet hat, endet der Vollkaskoschutz an dem Tag, an dem der Wagen bei der Zulassungsstelle abgemeldet wurde. Eine möglicherweise zu viel gezahlte Prämie wird ihm später zurückerstattet. Um sein neues Fahrzeug zu versichern, wählt er dann entweder den gleichen Versicherer wie bisher oder eben einen anderen Anbieter: Dies bleibt ihm überlassen.

Die Mitwirkungspflicht in der Vollkasko

Um einen garantierten Anspruch auf die Leistungen der Vollkasko zu erhalten, müssen Versicherungsnehmer den Schaden schriftlich und innerhalb einer Woche ab dem Zeitpunkt des Unfalls melden. Wird diese Frist nicht eingehalten, liegt eine Obliegenheitsverletzung vor. In diesem Fall darf die Versicherung Leistungen kürzen oder gar komplett verweigern. Hatte der Versicherungsnehmer aber beispielsweise bei unfallbedingtem Koma keine Möglichkeit, den Schaden rechtzeitig zu melden, muss die Vollkasko natürlich zahlen.
Noch vor der schriftlichen Meldung verlangen einige Versicherer zudem eine umgehende telefonische Mitteilung über den Schaden.
Diebstahl-, Brand- und Wildschäden müssen zudem sofort bei der Polizei gemeldet werden, sofern der Schaden höher ist als 150 Euro. Bei einigen Versicherern liegt diese Grenze aber auch bei 500 Euro (Quelle: https://www.adac.de/der-adac/rechtsberatung/fahrzeugkauf-und-verkauf/autoversicherung/kaskoversicherung/?redirectid=quer.kaskoversicherung).
Wird das normale Risiko des Versicherers bewusst und für einen längeren Zeitraum durch den Versicherungsnehmer erhöht, kann die Vollkasko die Leistung komplett oder teilweise verweigern, falls es dadurch zu einem Schaden gekommen ist. Beispiel: Es kam zu einem Unfall, weil der Fahrer eine längere Zeit mit abgefahrenen Reifen unterwegs war. Außerdem wird die Vollkasko auch dann nicht zahlen, wenn der Schaden klar vorsätzlich verursacht wurde oder der Fahrer unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Bei grober Fahrlässigkeit entscheidet, wie bereits erwähnt, der Einzelfall, da einige Vollkaskotarife den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit beinhalten.
Darüber hinaus hat der Versicherungsnehmer eine Pflicht zur Schadensminderung. Wurde beispielsweise bei einem Unfall eine Seitenscheibe beschädigt, muss er (eventuell mit einer Abdeckung) dafür sorgen, dass die Innenausstattung nicht durch eindringendes Regenwasser beschädigt wird und es zu keinem Folgeschaden kommt.

Warum eine Vollkaskoversicherung manchmal günstiger als der Teilkaskoschutz ist

Bei der Vollkasko wird die angesprochene Schadenfreiheitsklasse zur Berechnung der Prämie herangezogen, in der Teilkasko gibt es dieses Rabattsystem jedoch nicht. Die Prämie für die Teilkaskoversicherung bleibt für den Versicherungsnehmer also immer gleich, denn selbst durch sehr vorsichtiges und umsichtiges Fahren kann er abgedeckte Ereignisse wie Wildunfälle oder Sturmschäden nicht verhindern. Mit einer hohen Schadenfreiheitsklasse ist die Prämie für die Vollkasko daher oft niedriger als der Beitrag für die Teilkasko.
Dazu kommen die unterschiedlichen Bemessungen der Regionalklassen: Die Teilkasko kennt 16 Klassen, die Vollkasko dagegen nur neun. Bei den Typklassen gibt es dagegen nur wenige Unterschiede (Vollkasko: 25 Klassen Teilkasko: 24 Klassen).
Fahrzeughalter sollte daher vor dem Abschluss einer Teilkasko unbedingt prüfen, ob sich möglicherweise eine Vollkasko besser rechnen würde. Als Fahrzeugvollversicherung bietet sie schließlich einen optimalen Rundum-Schutz.

Für wen sich eine Vollkasko lohnt

Ist ein Fahrzeug älter als fünf Jahre und besitzt es keinen nennenswerten Wiederverkaufswert mehr, lohnt eine Vollkaskoversicherung nicht: In diesem Fall ist eine Teilkasko deutlich sinnvoller.
Bei fabrikneuen und neuwertigen Fahrzeugen bis zu einem Alter von fünf Jahren ist die Vollkasko dagegen unverzichtbar. Das Gleiche gilt für Oldtimer, Sondermodelle und limitierte Auflagen sowie für Fahrzeuge, auf die der Versicherungsnehmer beruflich angewiesen ist. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass im Tarif die Übernahme von Miet- und Ersatzfahrzeugeninkludiert ist.

Die Vollkasko, der perfekte Schutz für (fast) alle Fälle

Solange die Versicherungsprämie in einem vernünftigen Verhältnis zum Wiederbeschaffungswert des Wagens steht, ist die Vollkasko auf jeden Fall sinnvoll. Manchmal ist sie dank Schadenfreiheitsrabatt und Regionalklassen-Unterschiede sogar günstiger als eine Teilkasko. Autofahrer sind daher gut beraten, ihre Kfz-Versicherung regelmäßig und kritisch zu überprüfen. Vielleicht hat sich die Fahrleistung verändert, was erhebliche Auswirkungen auf die Prämie haben kann, vielleicht bietet ein anderer Versicherer auch interessantere Rabatte oder die Typklasse wird sich (wie 2019) verändern. Wer hier clever vergleicht, kann pro Jahr mehrere Hundert Euro einsparen!