Diesel / Dieselkraftstoff im Portrait

Schon seit 1898 gibt es Dieselmotoren. Und noch heute hat der Dieselkraftstoff trotz starker Konkurrenz und mittlerweile umweltfreundlicher Alternativen einen nicht zu verachtenden Marktanteil. Das liegt vor allem daran, dass ihm aufgrund seiner schweren Bestandteile in Sachen Effizienz kaum jemand etwas vormacht. Woraus Dieselkraftstoff genau besteht, was ihn von Benzin unterscheidet und für wen sich ein Diesel-Fahrzeug lohnt, verrät dieser Ratgeber.


Inhaltsstoffe und Gewinnung

Im 19. Jahrhundert bestand Diesel zum größten Teil aus Gasöl. Heute ist das anders. Da die Qualität und die Eigenschaften des verwendeten Rohöls stark schwanken können, ist Dieselkraftstoff heute ein Gemisch aus verschiedenen Stoffen:

  • Gasöl gehört noch immer zu den Grundstoffen und wird durch die Destillation des reinen Rohöls zwischen 150 °C und 390 °C gewonnen. Es besteht aus Alkanen, Cycloalkanen und aromatischen Kohlenwasserstoffen.
  • Kerosin gleicht dem Gasöl und wird auf ähnliche Weise gewonnen, verfügt aber über eine kleinere Anzahl von Kohlenstoffatomen in den Molekülen.
  • Biodiesel wird mit einem Anteil von bis zu sieben Prozent beigemischt. Anders als Petroldiesel wird dieser aus Pflanzenalkoholen sowie tierischen Ölen und Fetten gewonnen. Das Prinzip dahinter nennt sich „Umesterung“ und ist ein komplexer chemischer Prozess, mit dem sich ein Ester in einen anderen Stoff „wandeln“ lässt.
  • Ebenfalls beigemischt werden aus Crackanlagen gewonnene Mitteldestillatfraktionen wie HCU-Gasöl.
  • Acetonperoxid, Amylnitrat, Ethylexylnitrat und Tetranitromethan können als Additive die Cetanzahl verbessern. Dies wird vornehmlich im Winter vorgenommen, wo eine größere Menge Kerosin im Diesel erforderlich ist. Allerdings können Additive die Dieselfilter verstopfen.

 

Diesel und Benzin – hier liegt der Unterschied

Für die Herstellung von Benzin kommen hauptsächlich die mittleren und leichten Bestandteile des fraktionierten Rohöls zum Einsatz. Der Dieselkraftstoff verfügt über eine große Menge schwerer Bestandteile, die erst durch die Mischung auf ihr typisches Niveau gebracht werden. Diesel hat eine höhere gravimetrische Energiedichte von etwa zehn Prozent gegenüber Benzin. Sie liegt bei circa 35,3 MJ/l. Das bedeutet, dass der Kraftstoff mehr potenzielle Energie in sich trägt. Doch nicht nur der Dieselkraftstoff selbst sorgt für die Unterschiede, auch der Motor ist anders gebaut. Beim Zündvorgang liegt die Verdichtung mit 18:1 deutlich höher (Benziner: 7:1). Auch die Temperatur liegt aufgrund der nötigen Selbstzündung in höheren Bereichen zwischen 700 °C und 900 °C, wobei beim eigentlichen Verbrennungsvorgang sogar bis zu 2000 °C erreicht werden.

Dieselmotoren sind effizienter und der Dieselkraftstoff liefert gemessen am Volumen mehr Energie, was bedeutet, dass mit gleicher Menge eine größere Strecke zurückgelegt werden kann. Zwar gibt es eine gewisse Verzögerung beim Ansprechverhalten und der optimale Drehzahlbereich ist entsprechend schmaler. Diese Nachteile können mit dem Einsatz eines Turboladers aber zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden.

Trotzdem ist der Dieselmotor nicht gänzlich frei von Nachteilen: Durch den hohen Druck muss er entsprechend robuster gebaut werden und benötigt zudem ein komplexeres System aus Pumpen und Düsen. Die größten Probleme der Dieselmotoren und des Dieselkraftstoffs sind allerdings die durch die Verbrennung entstehenden Abgasgifte, die beim Ausstoß in die Umwelt gelangen, diese verschmutzen und das Klima gefährden. Nur durch eine zuverlässige Abgasreinigung mithilfe von Partikelfiltern sowie Stickstoff-Katalysatoren lassen sich diese auf ein tolerierbares Maß reduzieren.


Kosten und Marktanteile

Etwa 44 Prozent (Quelle: CAR Universität Duisburg-Essen) aller in Deutschland im Jahre 2016 zugelassenen Kraftfahrzeuge waren Dieselfahrzeuge. Dies ist deutlich weniger als in den Vorjahren und es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend auch in den nächsten Jahren fortsetzt. Ein Grund dafür sind die immer attraktiver werdenden Alternativen wie Elektroantrieb oder Hybridmotoren. Andererseits ist aber auch die auf den Namen „Dieselgate“ getaufte Affäre aus dem Jahr 2015 verantwortlich. Hier wurde aufgedeckt, dass die Datenblätter bezüglich der Emissionswerte vieler Dieselfahrzeuge in hohem Maße beschönigt waren und EU-Normen nicht eingehalten wurden. Zwar gibt es in diesem Bereich zwischenzeitlich mehr Transparenz und harte Strafen bei Nichteinhaltung, eine Rehabilitation der Marktanteile ist jedoch eher nicht zu erwarten.

Typischerweise hat ein Dieselfahrzeug nicht nur höhere Anschaffungskosten (aufgrund des stärker gebauten Motors), sondern verursacht auch höhere laufende Kosten. Sowohl die Kfz-Steuer als auch die Versicherungsprämien sind im Normalfall höher als bei klassischen Benzinern. Während die allgemeinen Wartungskosten im Prinzip gleich sind, können die Intervalle für Dieselfahrzeuge deutlich kleiner ausfallen. Davon betroffen sind beispielsweise Inspektionsarbeiten der Abgasanlage, Filterwechsel und Ölwechsel. Im Gegensatz dazu ist der Preis für den Dieselkraftstoff etwas billiger und liegt zwischen 1,11 und 1,19 Euro (Stand: Januar 2018).

Für wen lohnt sich ein Dieselfahrzeug?

Als grobe Richtlinie gilt: Je länger und öfter ein Fahrzeug bewegt wird, desto eher lohnt sich die Anschaffung eines Dieselfahrzeugs. Der Preisvorteil des Dieseltreibstoffs kommt vor allem auf langen Strecken zur Geltung. Bei kleineren Kilometerleistungen sind die Diesel tankenden Motoren sogar erheblich teurer als ein durchschnittlicher Benziner. Deutlich wird das beispielsweise beim Audi A3 in den Varianten als 2.0 TFSI (Benzin) sport quattro S tronic und als 2.0 TDI (Diesel) sport quattro S tronic.

Bei Kilometerleistungen von 5.000, 10.000 und 20.000 Kilometern pro Jahr kostet der gefahrene Kilometer in der Benziner-Variante 79,0 bis 58,6 sowie 49,3 Cent/Kilometer. Bei der Dieselvariante sind das 82,9 bis 59,9 sowie 49,4 Cent/Kilometer. Erst ab 30.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr wird der Dieselmotor mit 38,4 Cent/Kilometer im Vergleich zum Benziner mit 39,3 Cent/Kilometer billiger. Für den Vergleich zugrunde gelegt wurden Daten des „Benziner-Diesel Kostenvergleich Winter/Frühjahr 2018“.