Motoröl – für die perfekte Schmierung

Öle beziehungsweise Motoröle nehmen in der heutigen Kraftfahrzeugtechnik einen hohen Stellenwert ein. Schließlich sind sie für die Schmierung verschiedener Komponenten verantwortlich – ohne Motoröl würde kaum etwas laufen. Der nachfolgende Lexikoneintrag zeigt Ihnen, welche konkreten Aufgaben die Schmiermittel im Motor übernehmen, wie sie funktionieren und welche Ausführungen es gibt.

Was ist eigentlich Motoröl?

Ist von Motoröl die Rede, so handelt es sich dabei generell um eine Verbindung aus Kohlenstoffen und Wasserstoffen – also um Mineralöle, aus denen beispielsweise auch Kunststoffe, Heizöle oder Schweröle gemacht werden.

Diese Öle haben besondere Eigenschaften, die sich Motorenbauer beziehungsweise Fahrzeughersteller zu Nutze machen. Zum einen besitzen sie eine höhere Viskosität als Wasser und sind damit dickflüssiger und besser verteilbar. Zum anderen können sie bis zu einem gewissen Grad Wärme aufnehmen und haben damit eine kühlende Funktion. Außerdem lassen sich die Eigenschaften der Öle durch die Modifizierung der Inhaltsstoffe verändern und damit perfekt auf das jeweilige Einsatzgebiet zuschneiden.

Wie werden Schmieröle für Motoren hergestellt?

Das Ausgangsprodukt für das Motoröl ist das sogenannte Erdöl beziehungsweise Rohöl. Dieses dient als Grundlage für vielerlei Grundstoffe und wird beispielsweise auf Bohrinseln in den Ozeanen oder von Bohrstellen auf dem Festland gefördert. Von dort aus gelangt es über Pipelines, Schiffe, Züge oder Lastkraftwagen zu Raffinerien – hier findet eine Aufbereitung für den jeweiligen Verwendungszweck statt. Das heißt, die gewünschten Eigenschaften der mehr oder minder zähen Flüssigkeiten werden mithilfe spezieller chemischer Vorgänge herausgearbeitet.

Unterschiede zwischen synthetischen und nicht synthetischen Motorölen

Wer heutzutage auf der Suche nach Motoröl ist, hat die Wahl zwischen den herkömmlichen Mineralölen, teilsynthetischen Ölen sowie vollsynthetischen Motorölen.

Die oftmals kostengünstigen Motoröle aus Mineralölen werden direkt aus verarbeitetem Erdöl gewonnen und mit Additiven ergänzt. Vollsynthetische Öle hingegen bestehen zu einhundert Prozent aus Ölen, die auf Basis von Grundöl künstlich erzeugt wurden. Teilsynthetik-Motoröle sind eine Mischung beider Varianten.

Die Herstellung synthetischer Motoröle geschieht durch die sogenannte Fischer-Tropsch-Synthese, bei der Synthesegase in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Der Vorteil liegt in verbesserten Eigenschaften – so können die synthetisierten Motoröle eine bessere Viskosität erreichen. Außerdem sind sie generell länger haltbar.


Welche Funktionen hat Motoröl im Motor?

Primär sind Motoröle für die Schmierung verschiedener Komponenten innerhalb des Motors im Einsatz. Schließlich müssen sowohl die Kolben im Zylinder als auch die Lager von Nockenwellen, Kurbelwellen und Co. mit Schmierstoffen versorgt werden. Gäbe es eine solche Schicht nicht, nähme die Reibung im Motor rapide zu – die darauffolgende Hitze sowie die mechanischen Überbelastungen würden unweigerlich zum Motorschaden führen.

Neben der Aufgabe der Schmierung gibt es jedoch noch weitere Felder, für die Motoröl innerhalb des Verbrennungsmotors eingesetzt wird. So ist das Öl in der Lage, die Komponenten zu kühlen beziehungsweise für eine bessere Wärmeverteilung zu sorgen. Außerdem kann es für Dichtigkeit in den Brennräumen sorgen und Schmutz, beispielsweise Abriebe, aus dem Motor befördern.

Hier befindet sich das Öl

In modernen Kraftfahrzeugen wird das Öl in einer sogenannten Ölwanne gespeichert, die sich am Fuße des Motors befindet. Startet das Fahrzeug, kommt auch die Ölpumpe in Fahrt und pumpt das Öl in den Motorblock. Nur durch das ständige Zirkulieren der Schmierstoffe ist sichergestellt, dass der Ölfilm nicht abreißt. Dabei passiert die Flüssigkeit regelmäßig einen Ölfilter, der etwaige Verschmutzungen entfernt.

Spezialfall Zweitakter-Öl

Viele Zweitaktmotoren haben keinen eigenen Ölvorrat, der mithilfe einer Ölpumpe abgerufen werden kann. Deshalb wird das Motoröl in Form eines Zweitaktgemisches direkt über das Benzin, also den Kraftstoff, in den Motor geführt. Der Vergaser erzeugt aus dem Benzin-Öl-Luft-Gemisch einen feinen Nebel, der wiederum in das Kurbelwellengehäuse und von dort in die Brennräume gelangt. Auf dem Weg dorthin kann er die beweglichen Bestandteile benetzen und damit schmieren.

Die Viskositätsklassen und Bezeichnungen

Motoröle sind in sogenannte Viskositätsklassen unterteilt, wie beispielsweise 0W30. Mit der Viskosität ist die Zähflüssigkeit gemeint. Eine niedrige Viskosität bezeichnet gemeinhin eine Dünnflüssigkeit, während eine hohe Viskosität für Zähflüssigkeit spricht.

Wird ein Öl beispielsweise als 5W30 klassifiziert, so gibt die 5 Auskunft über die Niedrigtemperatur-Viskosität. Das W steht für die Wintereignung – die 30 ist die Angabe für die Hochtemperaturviskosität. Prinzipiell steht diese Angabe also dafür, wie sich das Öl bei unterschiedlichen Temperaturen in Bezug auf seine Zähflüssigkeit verhält. Schließlich darf es nicht zu dick werden, weil eine Verteilung mithilfe der Ölpumpe ansonsten nicht mehr möglich wäre – die Grenzpumptemperatur wäre dann überschritten.

Folgende Viskositätsklassen existieren:


Über Ölwechsel, Ölstand und die Entsorgung

Die Haltbarkeit von Öl ist begrenzt und hängt vom Alter des Öls und der zurückgelegten Strecke des Autos ab. Zum einen, weil sich im Öl sowie im Ölfilter Schmutzpartikel ansammeln, die nicht mehr entfernbar sind. Zum anderen, weil das Öl im Laufe der Zeit – beispielsweise durch Kühlwasser – verdünnt und nicht mehr so leistungsfähig ist.

Wann ein Motoröl ausgetauscht werden muss, hängt von den Angaben des Fahrzeugherstellers und von den Spezifikationen des Öls ab. Neben den herkömmlichen Ölsorten existieren sogenannte Longlife-Öle, mit denen bedeutend mehr Kilometer zurückgelegt werden können. Welches Öl letztlich den Weg in den eigenen Motor finden sollte, steht im Übrigen in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs.

Übrigens: Motoröl muss nicht nur regelmäßig gewechselt, sondern oftmals auch aufgefüllt werden. Gerade ältere Autos oder üppige Vollgasfahrten fördern einen hohen Ölverbrauch, der nicht unterschätzt werden darf.

So wird der Ölstand im Motor gemessen

Zwar verfügen viele moderne Verbrennungsmotoren über einen automatischen Ölstandsprüfer. Häufig wird jedoch auf die traditionelle Methode mit dem Peilstab zurückgegriffen. Dafür wird ein im Motorraum vorhandener Stab genutzt, der direkt in die Ölwanne ragt. Stand das Auto einige Minuten und befindet es sich auf ebener Fläche, kann der Stab nach vorheriger Reinigung in den Schacht geschoben werden. Wird er nun wieder herausgezogen, zeigt er den aktuellen Ölstand sowie die MIN- und MAX-Grenzen an. Befindet sich zu wenig Motoröl in der Maschine, sollten entsprechend der Herstellervorgaben aufgefüllt werden. Ist hingegen zu viel vorhanden, so entledigt sich der Motor des überschüssigen Öls oftmals in Form von Verbrennung.

Der regelmäßige Ölwechsel

Um den Verschleiß im Motor so gering wie möglich zu halten und eine ausreichende Schmierung zu gewährleisten, ist ein regelmäßiger Ölwechsel wichtig. Dieser wird bestenfalls in der Kfz-Werkstatt durchgeführt, sofern keine ausreichende Fachkenntnis vorhanden ist. Bei einem solchen Motorölwechsel werden neben dem Öl auch der Filter gewechselt. Wann der letzte Wechsel durchgeführt wurde, steht entweder im Serviceheft beziehungsweise im elektronischen Scheckheft oder auf einer Notiz im Motorraum. Die Zeitpunkte des Ölwechsels gelten gemeinhin als aussagekräftig hinsichtlich der Fahrzeughistorie.

Motoröl und die Umwelt

Ein Tropfen Motoröl kann 600 Liter Trinkwasser ungenießbar machen. Deshalb sollten bei Arbeiten mit Motoröl stets gewisse Vorkehrungen getroffen werden, um verschüttete Flüssigkeit auffangen und fachgerecht entsorgen zu können. Wer Motoröl auffüllen oder wechseln möchte, sollte sich im Vorfeld über die geltenden Richtlinien in Bezug auf den Umwelt- und Personenschutz informieren.