Der Vorführwagen – Deshalb ist der Kauf meist eine gute Idee

Nahezu jedes große Autohaus bietet seine Vorführwagen in regelmäßigen Abständen zum Verkauf an. Die Händler schaffen durch den Verkauf Platz für neue und aktuellere Modelle, die dann potenziellen Interessenten ebenfalls wieder als Vorzeigefahrzeug dienen und für Probefahrten genutzt werden. Für Verbraucher ist der Kauf eines Vorführwagens eine interessante Option, mit der viel Geld gespart werden kann. Allerdings müssen auch einige Dinge bedacht werden. Unser Beitrag zeigt die Vor- und Nachteile von Vorführwagen sowie die Unterschiede zu Gebrauchtwagen, Jahreswagen und Tageszulassungen auf.


Die Definition des Begriffs Vorführwagen

Rechtlich sind Vorführwagen gewerblich genutzte Autos, die Neuwagenhändlern für Besichtigungen, Vorführungen und Probefahrten gedient haben. Sie wurden bisher noch nicht auf einen Endabnehmer zugelassen und standen üblicherweise die meiste Zeit in der Ausstellungshalle des Händlers. Vorführwagen sind stets auf den jeweiligen Händler zugelassen.

Allerdings ist mit dem Begriff Vorführwagen keine Aussage über das tatsächliche Alter des Fahrzeugs verbunden. Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat nämlich bereits entschieden, dass die Bezeichnung Vorführwagen keine Rückschlüsse auf das Fertigungsdatum zulässt. Sie definiert auch nicht die Dauer der Nutzung als Vorführwagen. In der Öffentlichkeit ist der Begriff Vorführwagen meist jedoch mit der Vorstellung verbunden, dass es sich dabei um einen neuen Pkw handele, da die Fahrzeuge in der Regel als Ausstellungsobjekt keiner größeren Abnutzung unterliegen und auch nur für kürzere Probefahrten eingesetzt werden. Und tatsächlich: Meist sind Vorführwagen, die zum Verkauf stehen, auch nur wenige Monate alt. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass dies bei jedem Vorführwagen so ist. Rückschlüsse auf das Alter allein durch den Begriff Vorführwagen sind daher nur in seltenen Einzelfällen und unter bestimmten Umständen gerechtfertigt (BGH im September 2010 zu VIII ZR 61/09).

Die Vorteile von Vorführwagen für den Autokäufer

Der Preis für einen Vorführwagen liegt fast immer 25 bis 30 Prozent unter dem Listenpreis, bei manchen Modellen auch noch deutlich darunter. Ein Vorführwagen ist also eine attraktive Möglichkeit, ein fast neues Auto zu einem bezahlbaren Preis zu erwerben. Im Gegensatz zu einem konfigurierbaren Neuwagen kommen auf den Kunden auch keine Wartezeiten zu: Der Vorführwagen steht ja bereits im Autohaus und ist somit sofort verfügbar. Auch die Überführungskosten entfallen somit. Sollte ein Vorführwagen noch nicht zum Verkauf angeboten werden, besteht für Interessenten meist die Möglichkeit, sich für das Fahrzeug vormerken zu lassen.

Vorführwagen verfügen zumeist über eine exzellente Ausstattung mit zahlreichen Extras, denn das Fahrzeug diente ja Ausstellungszwecken und sollte mögliche Käufer des Modells überzeugen und für sich einnehmen. Eine regelmäßige Pflege und Wartung haben dafür gesorgt, dass der Vorführwagen auch optisch eine echte Augenweide ist. Oft verströmt er sogar noch den typischen Neuwagengeruch. Sowohl in technischer als auch in optischer Hinsicht lassen sich Vorführwagen aus dem Showroom kaum von einem „echten“ Neuwagen unterscheiden.

Die Laufleistung auf dem Tacho ist, durch die eher kurzen Probefahrten, ebenfalls nur gering. Da die Autos allgemein meist deutlich besser erhalten sind als andere gebrauchte Fahrzeuge, geht der Käufer bei einem seriösen Händler generell kein nennenswertes Risiko ein.

Die Nachteile von Vorführwagen für Autokäufer

Zunächst ist ein Vorführwagen natürlich nicht mehr konfigurierbar, das heißt, der Kunde muss ihn so akzeptieren, wie er ist. Außerdem sind die Vorzeigemodelle nur begrenzt verfügbar und die Zahl der Interessenten ist meist sehr hoch. Es kann also durchaus passieren, dass ein anderer Käufer schneller ist und „das Rennen macht“. Und auch wenn Vorführwagen technisch in einem erstklassigen Zustand sind, muss mit Abnutzungserscheinungen immer gerechnet werden. Da Interessierte während der Nutzung des Fahrzeugs als Vorführwagen häufig ein- und ausgestiegen sind, machen sich entsprechende Spuren meist im Bereich der Türen und der Vordersitze bemerkbar.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass ein Vorführwagen zwar nicht fabrikneu wie ein Neuwagen und ungenutzt (also ohne nennenswerte Kilometerleistung) wie eine Tageszulassung, aber dennoch in der Regel wesentlich besser erhalten als ein normaler Gebrauchter und oft auch ein Jahreswagen ist.

Garantie und Gewährleistung bei Vorführwagen

Auch bei einem Vorführwagen ist ein Autohändler per Gesetz gezwungen, dem Käufer die Sachmängelhaftung beziehungsweise gesetzliche Gewährleistung zu geben. Da die freiwillige Hersteller-Garantie jedoch immer mit dem Tag der Erstzulassung beginnt, muss sich der Käufer des Vorführwagens je nach Kaufzeitpunkt mit einer Rest-Garantie begnügen.

Und auch ein weiterer Punkt sollte beachtet werden: Wer einen Neuwagen kauft und ihn versichert, kann abhängig von der jeweiligen Kfz-Versicherung bei einem Unfall mit Totalschaden innerhalb einer bestimmten Frist nach dem Kauf den Neuwagenwert erstattet bekommen. Anders sieht das bei einem Vorführwagen aus, der rechtlich nicht mehr zu den Neufahrzeug zählt, sondern als Gebrauchtwagen: Hier gibt es diese Versicherungsleistung nicht, der Versicherungsnehmer bekommt also lediglich den Restwert bei Totalschaden. Dieser liegt aber weit unter dem Neuwagenpreis, auch wenn das Auto eigentlich noch fast neu ist. Im schlimmsten Fall ist der finanzielle Verlust dann größer als die Kostenersparnis beim Kauf des Vorführwagens. Für Käufer von Leasing- oder finanzierten Fahrzeugen besteht allerdings die Möglichkeit, sich mit einer zusätzlichen GAP-Deckung zu schützen.


Darauf sollten Kaufinteressenten bei einem Vorführwagen achten

Während seiner „Dienstzeit“ stand der Vorführwagen für Probefahrten zur Verfügung. Das können auch sehr viele, wenn auch meist kurze Probefahrten gewesen sein – und der Kaufinteressent weiß nie genau, wie die einzelnen Fahrer mit dem Wagen tatsächlich umgegangen sind. Manchmal kann schon der Wagentyp Aufschluss über den Umgang der Probefahrer mit dem Vorführwagen geben: Kombis, Vans oder typische Mittelklassewagen werden in der Regel von umsichtigen und erfahrenen Personen gefahren. Doch auch dabei gibt es natürlich Ausnahmen.

Grundsätzlich geben seriöse Autohändler ihre Vorführwagen aber nicht jedem mit, und auch nicht immer ohne eine Begleitperson. Gute Kunden oder persönlich bekannte Interessenten dürfen einen Vorführwagen dagegen auch mal über ein gesamtes Wochenende nutzen.

Kaufinteressenten sollten ihrerseits daher natürlich auch eine Probefahrt unternehmen. In Verbindung mit einer gründlichen visuellen Begutachtung lassen sich mögliche Schwachstellen dann schnell aufspüren. Kratzer im Lack, die beispielsweise im Bereich der Türen durch das ständige Ein- und Aussteigen entstanden sind, führen entweder zu einem weiteren Preisnachlass oder sollten vor dem Kaufabschluss vom Händler beseitigt werden.

Der Vorführwagen als kostengünstige Alternative zu Neuwagen

Der „junge Gebrauchte“ und der Jahreswagen sind nicht die einzigen Alternativen zum kostspieligen Neuwagen. Auch ein Vorführwagen kann ein lohnenswerter Kompromiss sein, denn er ist selten älter als wenige Monate, wurde vom Händler gründlich gewartet und gepflegt und hat eine nur geringe Laufleistung. Dennoch: Im Gegensatz zu einer Tageszulassung wurde er bereits häufig und vor allem von sehr unterschiedlichen Fahrern im Straßenverkehr bewegt. Dies sollte bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Grundsätzlich sind Vorführwagen jedoch in einem sowohl technisch als auch optisch hervorragenden Zustand.