Tageszulassung – Vor- und Nachteile der günstigen Neuwagen

Wer einen Neuwagen erwerben möchte, aber nicht bereit ist, den vollen Kaufpreis zu zahlen, kann sich für eine Tageszulassung entscheiden. Mit dieser Möglichkeit schlagen Verbraucher gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen bekommen sie ein ungenutztes und absolut neuwertiges Auto, das noch nicht bewegt wurde, zum anderen sparen sie aber auch jede Menge Geld. Wann es sich bei einem Fahrzeug um eine Tageszulassung handelt und welche Voraussetzungen vorliegen müssen, damit ein Wagen dieser Kategorie überhaupt zugeordnet werden kann, ist nicht immer ganz klar. Unser Beitrag geht den vielen Fragen rund um die Tageszulassung auf den Grund.


Die Definition des Begriffs Tageszulassung

Bei einer „echten“ Tageszulassung handelt es sich immer um einen Neuwagen. Sie darf nicht mit einem Vorführwagen verwechselt werden, denn die Tageszulassung wurde noch nicht im Straßenverkehr bewegt. Der Bundesgerichtshof hat auch bereits ganz klar festgelegt, wann ein Auto offiziell als Tageszulassung bezeichnet werden darf (VIII ZR 109/04). Wichtigstes Kriterium: Der Kilometerstand muss zwingend in der Nähe der Null liegen, ein Tachostand von maximal zehn Kilometern wird gerade noch akzeptiert. Außerdem dürfen zwischen Fertigung und Verkauf nicht mehr als zwölf Monate liegen. Das Fahrzeug muss zudem frei von standzeitbedingten Mängeln sein. Und die letzte Voraussetzung: Das jeweilige Modell muss auch weiterhin unverändert produziert werden. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gilt die Tageszulassung rein rechtlich als Neuwagen.

Viele Autofahrer fragen sich jedoch immer wieder, warum das Auto denn dann überhaupt zugelassen wurde. Dafür gibt es gute Gründe.

Die Vorteile der Tageszulassung für Händler und Hersteller

Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, wird ein Fahrzeug mit Tageszulassung nur für einen einzigen Tag zugelassen und auch nur pro forma auf dem Papier. Die An- und Abmeldung übernimmt der Händler selbst. Meist wird er in die Zulassungsbescheinigung II ein- und anschließend sofort wieder ausgetragen.

Dadurch kann er nämlich seine Verkaufszahl erhöhen, so dass er von dem jeweiligen Hersteller Mengenrabatte bekommt. Er profitiert also mit einer Tageszulassung von den Prämienprogrammen der Autobauer und kann die daraus resultierenden Preisvorteile direkt an seine Endkunden weitergeben.

Tageszulassungen gehören generell zu den wichtigsten Rabattinstrumenten von Vertragshändlern. Sie können auf bereits zugelassene Autos deutlich höhere Nachlässe als auf Bestellfahrzeuge gewähren.

Und auch für die Autobauer selbst ergeben sich aus Tageszulassungen Vorteile. So können beispielsweise nachfrageabhängige Preisnachlässe gewährt werden, ohne dass offiziell der Listenpreis gesenkt werden muss. Außerdem lassen sich auf diese Weise die angestrebten Zahlen für Zulassungsstatistiken erreichen.

Die Tageszulassung ist also sowohl für den Händler als auch für die Fahrzeughersteller eine rein taktische und strategische Zulassung.

Trotzdem müssen die Fahrzeuge selbstverständlich versichert werden. Und auch für sie wird natürlich die Kfz-Steuer fällig, wie der Bundesfinanzhof bereits klargestellt hat. Mit der Tageszulassung erhält der Händler das Recht, ein Auto auf öffentlichen Straßen in Betrieb zu setzen, und an dieses Recht ist auch die Kraftfahrzeugsteuer geknüpft.


Die Vorteile einer Tageszulassung für den Autokäufer

Der größte Vorteil ist in der schon angesprochenen Kostenersparnis zu sehen. Ein Neuwagen mit Tageszulassung ist zwar technisch neuwertig, da er aber in dem Händler schon einen Vorbesitzer hatte, sinkt sein Wert natürlich.

Neuwagen mit Tageszulassungen werden in der Regel 15 bis 25 Prozent unter dem Listenpreis angeboten, manchmal sind auch Preisnachlässe von bis zu 40 Prozent drin.

Die Beschaffenheit des Fahrzeugs verändert sich durch eine Tageszulassung nicht, da das Auto nicht bewegt wird. Ausnahme: wenn das Auto bereits sehr lange auf dem Hof des Händlers steht und die Tageszulassung schon eine Weile her ist. Da ein Fahrzeug auch im Stand verschleißt, können Kaufinteressenten aber in solchen Fällen einen zusätzlichen Preisnachlass aushandeln, sofern dies der Händler nicht ohnehin schon anbietet. Die zeitliche Obergrenze von zwölf Monaten zwischen Produktion und Verkauf darf durch eine lange Standzeit aber nicht überschritten werden.

Ein weiterer großer Vorteil ist die direkte Verfügbarkeit des Wagens, der Kunde muss also keine Wartezeit in Kauf nehmen. Außerdem stehen ihm die üblichen Finanzierungsmöglichkeiten für Neuwagen zur Verfügung.

Die Nachteile einer Tageszulassung für den Käufer

In der Zulassungsbescheinigung Teil II steht der Kunde nach dem Kauf als zweiter Besitzer, das heißt, bei einem eventuellen Wiederverkauf handelt es sich nicht mehr um ein Auto aus erster Hand. Er wird also beim Weiterverkauf des Wagens in der Regel deutlich weniger erhalten. Die Wertminderung steht im schlimmsten Fall in keiner Relation zu der Ersparnis beim einstigen Kauf der Tageszulassung.

Da es sich bei einer Tageszulassung üblicherweise um Lagerfahrzeuge handelt, ist auch eine Konfiguration nicht mehr möglich. Der Käufer muss die Ausstattungsmerkmale, die Lackierung und die Motorisierung so akzeptieren, wie sie ist.

Ein weiterer möglicher Nachteil betrifft die Kfz-Versicherung. Viele Versicherungsgesellschaften gewähren spezielle Rabatte für Neuwagen, allerdings muss dazu als Nachweis der Autokäufer als erster Eigentümer in der Zulassungsbescheinigung II aufgeführt sein. Tageszulassungen erfüllen diese Bedingung jedoch nicht.

Verbraucher sollten die Konditionen der Versicherungsgesellschaften daher sorgfältig überprüfen und miteinander vergleichen.

Gewährleistung und Garantie bei einer Tageszulassung

Die zweijährige gesetzliche Gewährleistung für Neuwagen durch den Händler, die auch als Sachmängelhaftung bekannt ist, bleibt auch bei einer Tageszulassung selbstverständlich erhalten (§ 437 BGB). Ein Gewährleistungsausschluss ist hier grundsätzlich nicht erlaubt. Etwas anders verhält es sich mit der Herstellergarantie: Sie beginnt nämlich prinzipiell mit dem Tag der Zulassung durch den Händler. Gleiches gilt übrigens auch für Service-Intervalle wie beispielsweise die Hauptuntersuchung und auch die Abgassonderuntersuchung. Das heißt aber auch, dass sich die Frist um genau den Zeitraum, der zwischen Erstzulassung beziehungsweise Tageszulassung durch den Händler und dem Kauf durch den Endverbraucher liegt, verkürzt. Je nach Dauer der Standzeit kann sich dann eine Anschlussgarantie lohnen.

Die Anbieter von Tageszulassungen

Tageszulassungen werden von den meisten größeren Autohäusern angeboten, sie sind aber auch zunehmend im Internet auf den bekannten Automobil-Börsen zu finden. Sie erfreuen sich schon seit geraumer Zeit einer enormen Beliebtheit: So stieg im September 2018 die Zahl der Tageszulassungen im Vergleich zum Vorjahr um beachtliche 20 Prozent.

Die Tageszulassung, ein Schnäppchenkauf mit kleinen Abstrichen

Wer einen Neuwagen zu einem erschwinglichen Preis kaufen möchte und auf eine individuelle Konfiguration beziehungsweise Sonderausstattung verzichten kann, findet in der Tageszulassung eine attraktive Alternative. Der Kaufinteressent sollte sich aber rechtzeitig überlegen, ob er in der Kfz-Versicherung unter Umständen auf Rabatte verzichten will. Außerdem sollte er bedenken, dass eine Tageszulassung den Wert des Autos für einen Wiederverkauf wesentlich mindern kann. Bei der Anschaffung selbst sind Tageszulassungen jedoch echte Schnäppchen.