Der Jahreswagen – Definition, Vorteile und mehr für Sie im Überblick

Für die meisten Autofahrer ist das Alter eines Fahrzeugs ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. Am liebsten soll es natürlich ein Auto „frisch ab Werk“ sein. Wer jedoch aus Kostengründen auf einen Neuwagen verzichtet, entscheidet sich immer häufiger für einen Jahreswagen: weil er deutlich günstiger ist als ein fabrikneues Auto und sich von einem Neufahrzeug trotzdem kaum unterscheidet. Nachfolgender Beitrag klärt, welche Voraussetzungen ein Jahreswagen erfüllen muss und welche Vor- und Nachteile mit einem Kauf verbunden sind.


Die Definition des Begriffs Jahreswagen

Nach dem allgemeinen Verständnis in der Öffentlichkeit handelt es sich bei einem Jahreswagen um einen Gebrauchtwagen aus erster Hand, der nach der Erstzulassung ein Jahr von einem Werksangehörigen gefahren wurde. Diese Annahme ist jedoch nicht mehr ganz zeitgemäß. Gemäß OLG Nürnberg (Beschl. v. 8. 6. 2010, 3 U 882/10, II. 1. – 3.) beschreibt ein Jahreswagen primär die zeitliche Komponente, was bedeutet, dass es sich hier zwar um einen „jungen Gebrauchtwagen“ handelt, der nicht länger als zwölf Monate nach Erstzulassung benutzt worden ist, die Erstzulassung muss dabei aber nicht zwingend auf einen Werksangehörigen erfolgt sein. Dem Kaufinteressenten sei in Anbetracht der ständig wachsenden Zahl an Jahreswagen schließlich bekannt, dass nicht alle angebotenen Fahrzeuge von Werksangehörigen stammen könnten, sondern teilweise auch von anderen Vorbesitzern, auch wenn dies früher anders war.

Ein Jahreswagen muss heute daher folgende Bedingungen erfüllen: Der Zeitraum zwischen der Fertigung und der Erstzulassung darf nicht mehr als zwölf Monate betragen, außerdem darf die Erstzulassung nicht länger als ein Jahr zurückliegen.

Die ursprüngliche Bedeutung von Jahreswagen und ihre Vorteile

Bei fast allen Autobauern haben Betriebsangehörige die Möglichkeit, alle zwölf Monate ein Fahrzeug aus der aktuellen Produktreihe zu deutlich vergünstigten Preisen zu erwerben. Auch bei Wiederverkauf nach einem Jahr sind diese Wagen in der Regel in einem sehr guten und gepflegten Zustand, der Kilometerstand ist relativ niedrig und die Autos verfügen noch über eine Restgarantie. Diese Aspekte und natürlich auch die attraktiven Preise begründen die enorme Beliebtheit von Jahreswagen. Je nach Allgemeinzustand und Tachostand kann der neue Käufer nämlich bis zu 30 Prozent und manchmal sogar mehr sparen. Er bekommt also einen fast neuwertigen Wagen, ohne den vollen Kaufpreis zahlen zu müssen. Außerdem muss er das Auto nicht mehr einfahren, denn das ist es ja bereits. Jahreswagen von Werksangehörigen sind zudem meist überdurchschnittlich gut gepflegt und gewartet. In der Praxis zeigt es sich außerdem immer wieder, dass Jahreswagen über eine besonders hochwertige Ausstattung verfügen. Dies ist aber natürlich kein „Muss“ und von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich.

Wie bereits oben erwähnt, ist es heute jedoch nicht mehr zwingend erforderlich, dass die Erstzulassung des Jahreswagens auf einen Werksangehörigen lauten muss.


Die Nachteile von Jahreswagen im Vergleich zu Neuwagen

Den vielen Vorteilen von Jahreswagen stehen auch einige wenige Nachteile gegenüber. Da die Autos bereits produziert wurden, gibt es keine Konfigurationsmöglichkeiten mehr, der Käufer kann sich Farbe und Ausstattung also nicht aussuchen. Allerdings können die Autohäuser Wunschfahrzeuge reservieren, denn sie haben die Möglichkeit, auf entsprechende Datenbanken zuzugreifen. Da die Datenbanken aber unabhängig vom Bundesgebiet sind, kommen dann zum Kaufpreis meist noch Überführungskosten dazu.

Außerdem ist die Garantiezeit bereits verkürzt und der neue Käufer weiß nicht, wie der Vorbesitzer mit dem Fahrzeug umgegangen ist. Das kann vor allem dann zu einer bösen Überraschung werden, wenn der Jahreswagen zuvor von einer Autovermietung genutzt und somit schon von unzähligen Menschen gefahren wurde. Und letztendlich fallen auch die Konditionen von Finanzierungsangeboten für Jahreswagen in vielen Fällen nicht ganz so günstig aus wie für Neuwagen.

Die Anbieter von Jahreswagen

Viele Jahreswagen werden auf dem klassischen Weg via Zeitungsannonce oder Online-Kleinanzeige direkt von Werksangehörigen oder anderen Besitzern privat veräußert. Auch Geschäftsleute bieten ihre Firmenwagen häufig nach einem Jahr aus privater Hand als Jahreswagen an. Inzwischen ist es aber auch durchaus üblich, ein solches Auto direkt beim Hersteller oder bei einem Vertragshändler zu ordern. Fast jedes größere Autohaus führt mittlerweile eine mehr oder weniger große Anzahl an Jahreswagen.

Worauf beim Kauf eines Jahreswagens zu achten ist

Jahreswagen sind zwar meist frei von optischen oder technischen Mängeln, trotzdem sollte auf eine gründliche Begutachtung vor dem Kauf nicht verzichtet werden. Ganz wichtig ist ein Blick auf den Tacho. Wenn die zurückgelegten Kilometer klar über dem Normbereich liegen (durchschnittliche Laufleistung etwa zwischen 8.000 und 20.000 Kilometern im Jahr) sollte dies bei der Preisverhandlung eingebracht werden. Mithilfe des Serviceheftes kann der Kaufinteressent überprüfen, ob der Jahreswagen scheckheftgepflegt ist und die erforderlichen Inspektionen durchgeführt wurden. Und eine ganz wichtige Grundregel: Käufer sollten sich den Status als Jahreswagen vertraglich mit dem Tag der Erstzulassung bestätigen lassen.

Wenn sich später nämlich herausstellt, dass der Verkäufer den Kunden übers Ohr gehauen hat, und der Wagen in Wahrheit älter ist, kann eine Minderung des Kaufpreises oder gar der Rücktritt vom Kaufvertrag viel einfacher durchgesetzt werden.

Leider gibt es nämlich immer wieder „schwarze Schafe“ in der Branche, die die genaue Definition des Begriffs Jahreswagen nicht sehr ernst nehmen, so dass hin und wieder auch 15 Monate alte Autos unter dieser Bezeichnung verkauft werden.

Auf eine fällige Hauptuntersuchung (TÜV) muss der Kaufinteressent dagegen nicht achten, sie wird ohnehin erst drei Jahre nach der Erstzulassung zum ersten Mal fällig.

Der Jahreswagen und die Gewährleistung beziehungsweise Garantie

Jahreswagen sind in Bezug auf die Gewährleistung normale Gebrauchtfahrzeuge. Als Privatmann oder -frau kann der Verkäufer oder Werksangehörige im Kaufvertrag jede Gewährleistung ausschließen. Die Hersteller-Garantie, die in der Regel zwei Jahre beträgt, läuft jedoch weiter. Sie beginnt grundsätzlich am Tag der Erstzulassung, das heißt, sie würde bei den meisten Jahreswagen noch etwa ein Jahr gültig sein. Bei dem Kauf eines Jahreswagens von einem gewerblichen Händler gilt für die Hersteller-Garantie das Gleiche, sie läuft ebenfalls weiter. Als Händler ist der Verkäufer in diesem Fall aber per Gesetz dazu verpflichtet, eine zweijährige Gewährleistung zu geben.

Ebenfalls ganz wichtig: Beim Kauf eines Jahreswagens sollten Verbraucher penibel auf die Stempel im Serviceheft achten. Wenn eine Inspektion nämlich nicht bei einem offiziellen Vertragshändler durchgeführt wurde, erlischt die Hersteller-Garantie.

Der Jahreswagen als Kompromiss zwischen Neu- und Gebrauchtfahrzeug

Mit einem Jahreswagen erhält ein Käufer zu einem sehr guten Preis quasi die bestmögliche Fahrzeugqualität. Da der Wertverfall eines fabrikneuen Fahrzeuges nicht linear, sondern progressiv verläuft, ist der Wertverlust bekanntermaßen bereits im ersten Jahr enorm hoch. Abhängig vom Typ sinkt der Wert in den ersten zwölf Monaten um 24 bis 60 Prozent. Für einen Autokäufer, der nicht unbedingt einen fabrikneuen Wagen benötigt, bietet sich mit einem Jahreswagen somit die Möglichkeit, sein Traumauto zu einem günstigen und erschwinglichen Preis zu bekommen.