Das Diplomatenkennzeichen für Vertreter anderer Nationen

Vor allem in Berlin und in Bonn fallen im Straßenverkehr immer wieder Nummernschilder auf, die der Allgemeinheit relativ unbekannt sein dürften: Die sogenannten Diplomatenkennzeichen. Dabei handelt es sich um Kfz-Kennzeichnungen, die ausschließlich für Dienstfahrzeuge von diplomatischen Vertretern vorgesehen sind. Woran man sie erkennt, welchen Zweck sie erfüllen und wo die Besonderheiten liegen, erfahren Sie auf kfz-serviceportal.de.


So sehen Diplomatenkennzeichen aus

Es existieren insgesamt drei Formen des Diplomatenkennzeichens, das umgangssprachlich auch als Botschaftskennzeichen bezeichnet wird. Wer welche Variante bekommt, hängt vorrangig vom Rang und vom Auftrag ab und wird über Artikel 37 des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen geregelt.

Die erste Variante – das 0-Diplomatenkennzeichen

Das 0-Kennzeichen im Bereich Diplomatie wird vorrangig an Vertreter ausländischer Regierungen ausgegeben, die hohe Privilegien genießen. Die Grundvoraussetzung ist ein Diplomatenausweis in roter Farbe oder zumindest mit dem Buchstaben D, der Auskunft über die Stellung des Zulassenden gibt.
Das 0-Diplomatenkennzeichen fällt vor allem durch die Null auf, mit der es beginnt. Danach folgen – wie bei regulären EU-Kennzeichen auch – die HU-Plakette und das Siegel des Zulassungsbezirks. Anschließend folgt der Länder-Code, mit dem sich Rückschlüsse auf die Herkunft des Diplomaten oder Botschaftsmitarbeiters ziehen lassen. So steht die 21 beispielsweise für Belgien; ein Diplomatenkennzeichen mit der 157 gehört zu einem slowakischen Botschaftsmitarbeiter.
Getrennt durch einen Bindestrich, folgt dann eine Nummerierung, anhand derer in den meisten Fällen der Rang des Botschafters herausgefunden werden kann. Personen mit dem höchsten Dienstrang erhalten eine niedrige Zahl; rangniedere Mitarbeiter müssen mit einer Zahl in höheren Bereichen rechnen.
Übrigens: 0-Botschaftskennzeichen können auch als historische Kennzeichen herausgegeben werden. In diesem Falle wird ans Ende der Nummernschilder ein H geprägt. Sind dort andere Buchstaben vermerkt, so wurde das Kfz-Kennzeichen womöglich gestohlen. Denn bei Neuausgabe wird – beginnend mit dem A – ein Buchstabe zur Identifizierung verwendet.

Variante 2 mit Zulassungskürzel für Verwaltung und Technik

Wer an einer Botschaft in den Bereichen Verwaltung oder Technik arbeitet, kann ebenso ein Diplomatenkennzeichen beantragen. Dafür ist der blaue Diplomatenausweis von Nöten. Alternativ kann der Nachweis in Form eines Protokollausweises mit den Kennbuchstaben VB erbracht werden.
Das Diplomatenkennzeichen der Variante 2 ähnelt dem ersten Botschaftskennzeichen sehr stark. Einziger Unterschied ist der Zulassungsbezirk, der anstelle der Null an vorderster Stelle eingeprägt wird. Außerdem erhalten Kraftfahrzeuge mit dieser Form des Diplomatenkennzeichens keinen CC- oder CC-Aufkleber.

Variante 3 für Berufskonsulate

Die dritte und letzte Ausführung des Diplomatenkennzeichens ist relativ schlicht. An vorderster Stelle steht das Kürzel des Zulassungsbezirks, wie etwa B für Berlin. Im Anschluss folgen die HU-Plakette sowie das Prägesiegel sowie eine Nummer, die stets mit der 9 beginnt und drei- bis fünfstellig sein kann.
Diese Art von Nummernschildern werden an Berufskonsulate ausgegeben. Sie kommen in Berlin oder Bonn nicht zum Einsatz – dort werden ausschließlich die Varianten 1 und 2 verwendet.

Die CD- und CC-Aufkleber

Das 0-Diplomatenkennzeichen darf nur in Verbindung mit einem sogenannten CD-Aufkleber verwendet werden. Dabei handelt es sich um einen weißen, ovalen Sticker für das Kraftfahrzeug, in dem die schwarzen Buchstaben CD geprägt sind. Die Abkürzung steht für corps diplomatique, also diplomatisches Korps.
Der CC-Aufkleber hingegen steht für corps consulaire, also das konsularische Korps. Der Unterschied besteht darin, dass Konsulare mehr auf die Verwaltung und Vertretung eines Staates in einem fremden Land spezialisiert ist, wohingegen ein Diplomat die Interessen seines Staates zu vertreten oder zu rechtfertigen hat.

Privilegien und Pflichten von Diplomaten

Der prinzipiell einzige Nachteil eines Diplomatenkennzeichens besteht darin, dass es personengebunden ist. Führt ein Fahrzeug die begehrten Nummernschilder einer Botschaft, so darf es ausschließlich von der Person geführt werden, die das Kfz-Kennzeichen erhalten hat.
Die Liste der Vorteile hingegen ist lang: Denn aufgrund der diplomatischen Immunität sind die Fahrzeugführer von allem befreit, was den deutschen Autofahrer belasten könnte. Tickets fürs Falschparken oder Bußgelder bei Geschwindigkeitsüberschreitungen können Diplomaten getrost ignorieren. Bei Straßenabsperrungen wird ihnen bevorzugt die Durchfahrt gewährt.
Die Bevorteilung geht sogar so weit, dass Insassen eines Diplomatenkennzeichens nach einem Notfall bevorzugt behandelt werden. Generell können die Fahrzeugführer unter dem Schutz der Immunität tun und lassen, was sie wollen. Denn sie könnten erst dann für ihre Taten belangt werden, wenn das Herkunftsland ihre Immunität aufhebt.


Diplomatenkennzeichen in anderen Ländern

Kennzeichen für Vertreter ausländischer Regierungen sind keine deutsche Erfindung. In jedem Land, in dem Botschaften oder Konsulate existieren, werden die Mitarbeiter gesondert behandelt. Allerdings ist die Form der Kennzeichnung recht unterschiedlich. Einige Staaten sind dazu übergangen, Diplomatenfahrzeuge nicht anders als reguläre Fahrzeuge zu kennzeichnen. Das macht vor allem in Gegenden Sinn, in denen Anschläge oder Attentate an der Tagesordnung sind. Hier könnten Diplomatenkennzeichen etwaigen Terroristen schnell aufzeigen, welche Ziele besonders lohnend sind.