Das Schadengutachten

Nach einem Verkehrsunfall sind sowohl die Geschädigten als auch die Zahlungspflichtigen daran interessiert, die Höhe der entstandenen Schäden zu erfahren. Hier kommt das sogenannte Schadengutachten ins Spiel.

Welche Aufgaben das Schadengutachten in der Versicherungsabwicklung beziehungsweise im Schadensfall übernimmt, welche Aspekte dort aufgeführt sind und welche Kosten für die Erstellung entstehen, erfahren Sie im Nachfolgenden.

In diesen Situationen wird ein Schadengutachten benötigt

Abgrenzung zu Bagatellschäden
Kfz-Schadengutachten werden generell erst dann angefordert (und damit auch von der Versicherung bezahlt), wenn ein Bagatellschaden ausgeschlossen werden kann. Dabei handelt es sich zumeist um Schäden, deren Umfang 1.000 Euro nicht übersteigt.

Generell werden Schadengutachten immer dann angefordert, wenn beispielsweise durch Unfälle entstandene Schäden beziffert werden müssen beziehungsweise, wenn eine Beweissicherung von Nöten ist. Dieser Fall tritt vor allem in der Schadensregulierung von Kfz-Versicherungen ein: Der Geschädigte möchte schließlich wissen, wie viel Geld ihm zusteht. Und der regulierende Haftpflichtversicherer möchte ebenfalls auf der sicheren Seite sein.

Im Gegensatz zu bloßen Kostenvoranschlägen oder mündlichen Absprachen haben Schadengutachten einen Wert vor Gericht und hilft somit dabei, die eigenen Ansprüche geltend zu machen. Sollte es also zu einer Auseinandersetzung kommen, so können sich beide Parteien auf diese Gutachtenart beziehen und eine Lösung finden.

Das Schadengutachten in der Haftpflichtversicherung

Ist Ihnen ein Schaden von einem anderen Verkehrsteilnehmer hinzugefügt worden und handelt es sich nicht um einen Bagatellschaden, so wird in den meisten Fällen ein Sachverständiger zum Erstellen eines Schadengutachten aktiv. Oftmals ist es sogar die gegnerische Versicherung, die einen solchen Experten aktiviert – tut sie dies nicht, haben Sie in Abhängigkeit von der Höhe des Schadens die Möglichkeit, dies in Eigeninitiative zu tun. Im Regelfall hat der gegnerische Versicherer beziehungsweise der Unfallverursacher die Kosten für das Schadengutachten zu tragen.

Übrigens: Sie können selbst entscheiden, welcher Kfz-Gutachter das Schadengutachten anfertigt. Die gegnerische Versicherung kann zwar Empfehlungen aussprechen – ob Sie diesen jedoch nachkommen, bleibt Ihnen überlassen. Es empfiehlt sich in jedem Falle einen neutralen, unabhängigen Schachverständigen mit dem Schadengutachten zu beauftragen. Diesen muss die gegnerische Versicherung bezahlen, wenn Sie den Schaden nicht selbst verschuldet haben und es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt.

Das Schadengutachten in der Kaskoversicherung

Teil- und Vollkaskoversicherungen regulieren Schäden am eigenen Kraftfahrzeug. Welche das sind, ist von Versicherung zu Versicherung abhängig. Fakt ist: Wenn der Schaden eine gewisse Höhe überschreitet, so läuft es auch in diesen Fällen auf ein Schadengutachten hinaus. Hier bestimmt zumeist der Kfz-Versicherer, welcher Gutachter den Auftrag erhält.

Das Kfz-Schadengutachten gilt im Anschluss als Ausgangspunkt für etwaige Regulierungen. Es sagt also aus, in welcher Höhe beispielsweise Reparaturkosten oder die Wiederbeschaffung erstattet werden können.


Der Umfang des Schadengutachtens

Je nach Umfang der Schäden variiert auch der Inhalt des Schadengutachtens. Der generelle Aufbau folgt jedoch festgelegten Prinzipien.

Die Angaben zum Fahrzeug und zur Person

In jedem Kfz-Schadengutachten sind die Basisdaten hinterlegt. Das heißt, es enthält sowohl Informationen zu Fahrer und Halter als auch zum Fahrzeug und zur Versicherung. Der unabhängige Schadengutachter schreibt seinen ersten Eindruck nieder; auch werden der Allgemeinzustand, etwaige Vorschäden, die Bereifung sowie der Kilometerstand notiert. So wird sichergestellt, dass der Schadensfall zweifelsfrei dem Fahrzeug zugeordnet werden kann. Letztlich werden die Angaben zum Schaden von den Versicherungen in einem Hinweis- und Informationssystem (HIS) abgespeichert, um die Historie von Fahrzeug und Halter bei späteren Versicherungsfällen gegebenenfalls überprüfen zu können.

Die Dokumentation der Schäden

Ein Gutachten steht und fällt mit seiner Dokumentation: Das heißt, dass die aufgenommenen Schäden möglichst ausführlich und detailliert enthalten sein müssen. Zu diesem Zwecke werden vor allem Bilder eingesetzt. Sowohl vom kompletten Fahrzeug als auch von den beschädigten Einzelteilen. Der Gutachter hat dabei nicht nur offensichtliche äußere Schäden zu prüfen. Oftmals verziehen sich bei „herkömmlichen“ Beulen auch die Träger des Fahrzeugs und es entstehen zumindest merkantile Wertminderungen.

In der Beschreibung des Schadengutachtens vermerkt der Gutachter das sogenannte Besichtigungsergebnis. Dieses enthält den Fahrzeugzustand – also beispielsweise, ob das Kraftfahrzeug fahrbereit ist sowie die Schadensbeschreibung, in der sowohl die Schäden als auch etwaige Folgen vermerkt werden – wie etwa ob die Türen schließen oder ob die allgemeine Bedienung derzeit möglich ist.

Fazit und Kostenvoranschlag

Die Essenz des Schadengutachtens liegt in der Schlussfolgerung des Sachverständigen. Hier wird zum einen aufgeführt, ob das Fahrzeug reparaturwürdig ist, also ob sich eine Reparatur oder eher eine Wiederbeschaffung lohnt. Zum anderen werden die Reparaturkosten mit und ohne Mehrwertsteuer angegeben. Die Mehrwertsteuer wird vom Kfz-Versicherer nur ausgezahlt, wenn eine Reparatur tatsächlich durchgeführt wurde.

Die Reparaturkostenkalkulation wird in der Regel gesondert überreicht und schlüsselt die Kosten für Bauteile, Reparaturarbeiten oder die Wiederbeschaffung auf. Sie sorgt für Transparenz und stellt dar, welche Positionen mit welchen finanziellen Aufwänden beziffert werden.

Hier erhalten Sie das neutrale Schadengutachten

Schadengutachten werden von Kfz-Sachverständigen beziehungsweise -Gutachtern angefertigt. Diese sind entweder selbständig oder gehören einem Verbund beziehungsweise einer Prüforganisation an. Wer also auf der Suche nach einem Gutachter im Bereich Automobile ist, kann sich für die Durchführung an TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS und andere freie Kfz-Gutachter wenden.

Kosten für das Gutachten

Generell zählen die Kosten von Schadengutachten zur Summe der Unkosten hinzu, die bei einem Schadenfall entstehen und damit generell zu regulieren sind. Das heißt, der Verursacher beziehungsweise seine Versicherung müssen das Gutachten bezahlen. Wie hoch die Kosten für das Sachverständigengutachten tatsächlich sind, hängt von einigen Faktoren ab. So zum Beispiel vom Umfang der Schäden und den individuellen Stundensätzen des Kfz-Gutachters. Dieser hat schließlich nicht nur das Fahrzeug zu inspizieren und die Fotos anzufertigen. Viel Zeit wird für das eigentliche Erstellen des Schadengutachtens sowie für das Kalkulieren der Reparaturkosten benötigt.

Übrigens: Kfz-Schadengutachten können prinzipiell immer in Auftrag gegeben werden. Wer sich jedoch nicht sicher ist, ob die Schäden von einer Versicherung übernommen werden, sollte sich vorab mit dem Kostenrisiko auseinandersetzen: Denn ein Gutachten kostet schnell mehrere Hundert Euro.

Benötigte Unterlagen

Um dem Sachverständigen die Arbeit zu erleichtern, sollten im Zuge der Gutachtenerstellung einige Unterlagen mitgeführt beziehungsweise vorgelegt werden. Allen voran die Zulassungspapiere, um dem Prüfer den Abgleich der Daten zu ermöglichen. Hilfreich sind außerdem etwaige Dokumente zu Vorschäden. Welche Dokumente im individuellen Falle benötigt werden, kann beispielsweise mithilfe einer telefonischen Anfrage bei der Kfz-Prüfstelle oder dem Sachverständigen des Vertrauens ermittelt werden.


Informationen vom TÜV SÜD zum Schadengutachten

 

 

Der TÜV SÜD erklärt auf – Daher ist es bei einem Schaden sinnvoll, sofort einen Gutachter und einen Rechtsanwalt einzuschalten.