Das Unfallgutachten- wichtiges Mittel bei der Schadensregulierung

Zur Schadensregulierung nach einem Verkehrsunfall verlangt die Kfz-Versicherung häufig ein Gutachten zum Unfallhergang. Dieses soll mithilfe einer Unfallanalyse die Schuldfrage klären und das Ausmaß des Schadens bewerten. Im Nachfolgenden erfahren Sie, wann Sie ein Unfallgutachten benötigen, welche Angaben darin enthalten sind und wer ein solches Gutachten zu Unfällen erstellen darf. Außerdem erhalten Sie Informationen zu den Kosten von Unfallgutachten.

Wofür brauche ich ein Unfallgutachten?

Im deutschen Verkehrsrecht gilt das Verursacherprinzip. Es besagt, dass derjenige, der einen Unfall verschuldet, den dabei entstandenen Schaden bezahlen muss. Wenn die Schuldfrage nicht auf Anhieb eindeutig zu klären ist, fordern Versicherungen oder Unfallbeteiligte Gutachten zu Unfallhergängen an. Auf Basis dieser Gutachten zu Unfällen lassen sich die anfallenden Reparaturkosten (oder mögliche Schadenersatzforderungen des Unfallgegners) beziffern. Eine solche Einschätzung dient als Grundlage für die Erstattung der Reparaturkosten durch die Versicherung.


Wer beauftragt einen Gutachter nach einem Unfall?

Grundsätzlich besteht nach einem Unfall weder für den Geschädigten noch für den Unfallverursacher die Pflicht, eine Unfallanalyse in Auftrag zu geben. Oft liegt es jedoch im Interesse der Unfallbeteiligten und ihrer Versicherungen, einen Sachverständigen zurate zu ziehen.

Wer ein Unfallgutachten oder eine Unfallanalyse in Auftrag geben kann, hängt davon ab, welche Versicherung zuständig ist. Handelt es sich um einen Schaden am Auto des Unfallgegners, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung die Schadensregulierung. Sie möchte naturgemäß nicht mehr als nötig zahlen und verlangt deshalb oft Gutachten zu Unfallhergängen, um die Schuldfrage und das Ausmaß des Schadens zu klären.

Geht es um einen Schaden am eigenen Auto, muss die Teil- oder Vollkaskoversicherung die Kosten übernehmen. Eine Unfallanalyse durch einen unabhängigen Sachverständigen kann detaillierter sein als ein einfacher Kostenvoranschlag einer Werkstatt. Und vor allem erkennt der Gutachter, welche Schäden durch den Unfall entstanden und welche schon vorher vorhanden waren.

Was steht in einem Unfallgutachten?

Ein Unfallgutachten dokumentiert alle Schäden, die nachweislich durch den Unfall entstanden sind. Dies geschieht durch detaillierte Beschreibungen und Fotos. Auf Basis der dokumentierten Schäden kalkuliert der Gutachter die voraussichtlichen Reparaturkosten und mögliche Folgekosten (Wertminderung). Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden ermittelt der Sachverständige deshalb den Wiederbeschaffungswert sowie den Restwert. Ersterer ist der Wert, den das Auto vor dem Unfall hatte, der zweite der Wert des Autos im beschädigten Zustand.

In Gutachten zu Unfällen hält der Sachverständige sämtliche technische Daten und besondere Ausstattungsmerkmale des Fahrzeugs fest. Außerdem dokumentiert er alle Schäden, die bereits vor dem Unfall am Auto vorhanden waren. Er führt all diese Informationen zusammen und kalkuliert daraufhin die Reparaturkosten und den Zeitaufwand, der für die Reparaturen erforderlich sind. Letzteres ist wichtig, um in Gutachten zu Unfällen die Ausfallzeit des Fahrzeugs einzuschätzen, die gegebenenfalls mit einem Mietwagen überbrückt werden muss.


Wer kann Gutachten zu Unfällen erstellen?

Achtung: Die Berufsbezeichnungen „Gutachter“ und „Sachverständiger“ genießen keinen rechtlichen Schutz. Das heißt, dass jeder mit oder ohne entsprechende Ausbildung diese Tätigkeitsbezeichnung verwenden darf. Die formalen Qualifikationen für Unfallgutachten besitzen in jedem Fall die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Sie mussten ihre Sachkunde nicht nur nachweisen, sondern unterliegen auch der regelmäßigen Kontrolle. Das gewährleistet eine hohe Arbeitsqualität bei der Unfallanalyse und Unabhängigkeit in den Gutachten zu Unfallhergängen.

Tipps für Verbraucher

Um sicherzugehen, einen amtlich anerkannten Sachverständigen mit Gutachten zu Unfällen zu beauftragen, raten Verbraucherschützer und Versicherungen:

  • sich einen Nachweis über die Ausbildung und zusätzliche Fachkenntnisse zeigen zu lassen,
  • anerkannte Prüfgesellschaften wie TÜV oder DEKRA zu beauftragen oder
  • sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) vor Ort oder großen Sachverständigenvereinigungen die Namen und Kontaktdaten von anerkannten Gutachtern geben zu lassen.

 

Es ist üblich, dass Gutachter den Schaden vor Ort besichtigen. Das heißt, dass der Sachverständige zu dem Geschädigten (oder in dessen Werkstatt) kommt und dort den Wagen unter die Lupe nimmt. Wenn neben dem Schadensausmaß auch die Schuldfrage zu klären ist, kann es sein, dass der Gutachter die beteiligten Fahrzeuge zur Unfallstelle bestellt. Dort kann er den Unfall für die Unfallanalyse nachstellen. An Ort und Stelle begutachtet der Sachverständige die Schäden. Mit ihrer Hilfe und den Angaben der Beteiligten kann er im Idealfall den Unfallhergang rekonstruieren und die Gutachten zu Unfallhergängen erstellen.

Wie hoch sind die Kosten für eine Unfallanalyse?

Die Kosten für ein Unfallgutachten sind von der Höhe des Schadens abhängig. Die Sachverständigenverbände führen Tabellen, in denen einzelnen Gutachtungs-Leistungen Kosten zugeordnet sind. Manche Gutachter verlangen dagegen einen Stundensatz statt eines Festpreises. In diesem Fall ist die Unfallanalyse wegen des höheren Zeitaufwands umso teurer, je größer der Schaden ist. Eine Honorarbefragung des Bundesverbands der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. (BVSK) von 2015 gibt konkrete Anhaltspunkte für Gutachten zu Unfallhergängen. Demnach beträgt das Grundhonorar eines Sachverständigen bei einem Schaden von 1.000 Euro etwa 220 bis 290 Euro. Bei einer Schadenshöhe von 3.000 Euro stellt der Gutachter ungefähr 400 bis 480 Euro in Rechnung.

Wer trägt die Kosten für Gutachten zu Unfällen?

Grundsätzlich gilt: Wer Gutachten zu Unfallhergängen in Auftrag gibt, trägt auch die Kosten dafür. Wenn ein Versicherter beispielsweise mit dem von seiner Kaskoversicherung beauftragten Gutachter nicht einverstanden ist, darf er einen unabhängigen Sachverständigen hinzuziehen. Diesen muss er jedoch selbst bezahlen.

In vielen Fällen gibt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers Gutachten zu Unfallhergängen in Auftrag. Dies ist insbesondere bei Schäden über 750 Euro (Bagatellgrenze) üblich. Geschädigte dürfen jedoch immer auch selbst einen Sachverständigen wählen. Das hat der Bundesgerichtshof 2014 in einem höchstrichterlichen Urteil bestätigt (VI ZR 357/13). Gutachten zu Unfallhergängen müssen die Kfz-Haftpflichtversicherungen bezahlen, sofern der Geschädigte keine Teilschuld an dem Unfall hat. Stellt sich jedoch heraus, dass alle Beteiligten eine Schuld tragen, müssen sie die Gutachterkosten anteilig bezahlen.