Leasinggutachten – Inhalte, Ablauf und mehr

Auf den ersten Blick erscheint Autoleasing einfach: Es gibt einen Leasingnehmer, der ein Fahrzeug über einen zuvor vereinbarten Zeitraum vom Leasinggeber mietet. Für diese Miete zahlt er eine monatliche Nutzungsgebühr. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit gibt der Leasingnehmer das Fahrzeug wieder zurück. Befindet sich dieses dann nicht im vertraglich vereinbarten Zustand, muss er für die Wertminderung des Fahrzeugs aufkommen. Ob eine solche Minderung des Fahrzeugwerts vorliegt, soll ein sogenanntes Leasingrückgabegutachten klären. Im Nachfolgenden erfahren Sie, was es mit einem Leasinggutachten auf sich hat.


Was ist ein Leasingrückgabegutachten

Ein Leasingrückgabegutachten (auch: Leasinggutachten oder Rücknahmegutachten) gibt Aufschluss über den Zustand eines Leasingfahrzeugs am Ende der Leasingzeit. Er ist maßgeblich für den Wert des Fahrzeugs. Liegt dieser unter dem vorab kalkulierten Wert, muss der Leasingnehmer die Differenz ausgleichen, also an den Leasinggeber bezahlen. So sehen es die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Leasinggesellschaften in der Regel vor. Sollte es jedoch zu einem Rechtsstreit kommen, ist ein Leasinggutachten laut ADAC nicht automatisch auch für das Gericht verbindlich.

Was steht in einem Leasinggutachten?

In einem Leasinggutachten sind alle Schäden und Mängel vermerkt, die ein Sachverständiger am Fahrzeug festgestellt hat. Achtung: Bei normalen Verschleißspuren handelt es sich nicht um Schäden. Doch oft besteht Uneinigkeit darüber, ob es sich bei Kratzern im Lack, kleinen Dellen in der Tür oder Schrammen im Innenraum um Abnutzungserscheinungen oder Schäden handelt. Deshalb kommt ein Gutachter zum Einsatz, der eine fachmännische Einschätzung abgibt. Diese ist jedoch subjektiv, denn einen gesetzlich vorgeschriebenen Kriterienkatalog für ein Leasingrückgabegutachten gibt es nicht.

Große Prüfinstitutionen wie der TÜV haben deshalb selbst einen Bewertungskatalog für die Fahrzeughereinnahme zusammengestellt. Dieser Katalog umfasst alle Teile eines Fahrzeugs, die ein Gutachter bei seiner Tätigkeit überprüft. Darüber hinaus ist klar definiert, welche Schäden als laufleistungsanalog, also Verschleißspuren, zu bewerten sind und demzufolge akzeptiert werden. Beispiele hierfür sind Kratzer und Schrammen an den Felgen oder einzelne kleine (höchstens zwei Zentimeter große) Dellen ohne Lackabsplitterungen. Im Gegensatz dazu sind in dem Katalog nicht – laufleistungsanaloge Schäden definiert, die bei der Fahrzeughereinnahme nicht akzeptiert werden. Hierzu gehören beispielsweise Beschädigungen im Innenraum wie Brandlöcher oder Farbunterschiede in der Lackierung als Folge von Teillackierungen.


Wer erstellt ein Rücknahmegutachten?

Die Beweislast für eine Wertminderung eines Leasingfahrzeugs liegt beim Leasinggeber. Deshalb beauftragt er zum Ende der Vertragslaufzeit einen Sachverständigen, der das Leasingrückgabegutachten erstellt. Dabei muss es sich um einen neutralen Gutachter handeln. Es kommt jedoch vor, dass die Objektivität aufgrund einer ständigen oder gar wechselseitigen Geschäftsbeziehung in manchen Fällen nicht gegeben ist. In diesem Fall hat der Leasingnehmer das Recht, das Rücknahmegutachten anzuzweifeln.

Wo wird das Leasinggutachten erstellt?

Das Leasing- oder Rücknahmegutachten wird in der Regel bei oder nach der Rückgabe des Fahrzeugs erstellt. Das ist üblicherweise an einem vom Leasinggeber festgelegten Ort der Fall. Das bedeutet, dass der Sachverständige, der das Leasingfahrzeug begutachtet, ebenfalls vor Ort ist. Leasingnehmer haben nach der Rückgabe keinen Zugriff mehr auf das Fahrzeug. Deshalb sollten sie, wenn möglich, bereits zuvor selbst eine Gebrauchtwagenprüfung von anerkannten Gutachtern durchführen lassen. Mit dem in Auftrag gegebenen Leasingrückgabegutachten erhalten sie eine weitere beziehungsweise eigene objektive Einschätzung zum Fahrzeugzustand.

Experten raten zudem, die Fahrzeugübergabe persönlich und in Anwesenheit eines neutralen Zeugen vorzunehmen. Leasingnehmer sollten darauf achten, dass alle im Rücknahmegutachten aufgeführten Schäden und Mängel dort möglichst präzise beschrieben sind. Ist der Leasingnehmer mit einem genannten Schaden nicht einverstanden, ist dies unbedingt im Protokoll zu vermerken. Ein Rücknahmeprotokoll sollte zudem erst dann – und auf Wunsch erst nach Bedenkzeit und/oder juristischer Überprüfung – unterschrieben werden, wenn es vollständig ausgefüllt ist und alle Einwände vermerkt sind.

Welche Unterlagen werden für das Leasinggutachten benötigt?

Zur Rückgabe des Leasingfahrzeugs gehört auch die Übergabe aller wichtigen Dokumente. Für das Leasinggutachten sind insbesondere die Nachweise über Inspektionen und Hauptuntersuchungen von Bedeutung. Sie belegen die – im Idealfall – vertragsgemäße Wartung des Fahrzeugs. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, Rechnungen von durchgeführten Reparaturen mitzubringen, die gegebenenfalls im Leasingrückgabegutachten berücksichtigt werden.

Wer trägt die Kosten für das Rücknahmegutachten?

Wie teuer ein Leasingrückgabegutachten ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Leasinggesellschaften sind die Kosten für ein Leasinggutachten jeweils zur Hälfte vom Leasinggeber und Leasingnehmer zu zahlen. Die Zahlungspflicht des Leasingnehmers erlischt jedoch, wenn der Gutachter nicht ordnungsgemäß eingeschaltet wurde oder das Gutachten fehlerhaft ist. Gibt der Leasingnehmer selbst ein Rücknahmegutachten in Auftrag, muss er die Kosten hierfür selbst tragen.