Chiptuning und Eco-Tuning im Blick

Moderne Fahrzeuge haben ein zentrales Motormanagement über das Steuergerät. Dabei handelt es sich um einen hochentwickelten Computer, der den Betriebszustand des Fahrzeugs permanent überwacht und steuert. Dabei werden Daten verwendet, die wiederum von diversen Sensoren kommen. Nach Auswertung dieser Werte können beispielsweise Zündzeitpunkt und Kraftstoffeinspritzmenge angepasst werden.

Das Chiptuning greift an dieser Stelle ein und verändert das Motormanagement in einigen Parametern. So können zum einen Verbrauchswerte und zum anderen Leistungsdaten verändert werden. Wie das funktioniert, welche Möglichkeiten bestehen und inwieweit Verkehrssicherheit und -tauglichkeit sich verändern, zeigen wir Ihnen auf dem Kfz-Serviceportal.


Die Definition von Chiptuning

Das Chiptuning ist eine umgangssprachliche und nicht selten irreführende Bezeichnung des Vorgangs, bei dem das zentrale Motormanagement nachträglich verändert wird. Die Irreführung besteht darin, dass beim „Chiptuning“ nicht die Hardware – also der Computerchip – verändert wird, sondern die darauf existierende Software.

Historisches zur Namensgebung

Bei Fahrzeugen vor dem Baujahr 2000 war das Chiptuning oftmals nur durch das Herauslöten des Steuerchips möglich. Als Steuerchips wurden damals sogenannte EPROMS verwendet. Das sind Computerchips mit einem fest einprogrammierter Software. Um das Programm zu löschen ,musste der Chip entnommen, auf einem Lese-Schreib-Gerät ausgelesen und neu beschrieben werden. Der Chip wurde damit zwar immer noch nicht „getunt“, also in seiner physikalischen Struktur geändert. Dennoch war eine vorübergehende Entnahme des Chips erforderlich, woraus der Name wahrscheinlich „Chiptuning“ entstanden ist.

Arten von Chiptuning

In den meisten Fällen geht es beim Chiptuning um eine Leistungssteigerung des Motors. Die Anbieter versprechen hier Zuwächse von bis zu 30%. In der Realität ist eine solche Steigerung in der Regel nicht ausschließlich durch eine Anpassung der Steuersoftware zu erreichen. Zumindest sollte vorab geprüft werden, inwieweit ein so intensiver Eingriff in die Motorsteuerung dessen Lebensdauer verkürzt.

Ein anderer Ansatz von der Softwaremanipulation zielt auf die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs ab. Auch eine Verbesserung des Abgasverhaltens ist generell möglich. Bei derartigen Veränderungen wird heutzutage vom Ökotuning oder Eco-Tuning gesprochen.

Für das Chiptuning stehen folgende Verfahren zur Auswahl:

  • Kennfeldoptimierung
  • Tuning-Box

 

Die Kennfeldoptimierung

Kraftfahrzeuge sind ab Werk auf nahezu alle Witterungs- und Umweltbedingungen ausgelegt. Viele der eingestellten Parameter sind jedoch in den mitteleuropäischen Breitengraden relativ unbrauchbar, weil die vorgesehenen Umweltbedingungen hier überhaupt nicht vorkommen. Das Fahrzeug geht mit der Berücksichtigung von tiefen Minusgraden aus Skandinavien und hohen Plusgraden des Mittelmeerklimas in Summe Kompromisse ein, die seine durchschnittliche Leistungsfähigkeit senken können. Die seriöse Kennfeldoptimierung schließt die irrelevanten Temperaturbereiche aus und berechnet das gesamte Motormanagement praktisch neu. Das optimierte Kennfeld ermöglicht anschließend eine bis zu 10% gesteigerte Leistung. Diese äußert sich durch höhere Endgeschwindigkeiten, ein höheres Drehmoment und einen oftmals niedrigeren Kraftstoffverbrauch. In puncto Endgeschwindigkeit muss allerdings erwähnt werden, dass diese häufig elektronisch beschränkt ist.

Die Kennfeldoptimierung wird heute über das sogenannte „OBD-Tuning“ durchgeführt. Dabei wird an die OBD-Schnittstelle ein Lese/Schreibgerät angeschlossen und mit dessen Hilfe das Motormanagement neu programmiert.
Der Vorteil eines Chiptunings via Kennfeldoptimierung: Häufig lassen sich moderate Ergebnisse durch mehr oder minder schonende Veränderungen realisieren. Zwar liegen die Leistungssteigerungen (für Turbo- oder Kompressormotoren) oftmals im niedrigeren Bereich um und bei 10 Prozent. Dafür ist die Kennfeldoptimierung – einen seriösen Anbieter vorausgesetzt – auf den Motor zugeschnitten.

Der Nachteil der Kennfeldoptimierung ist, dass es ein recht langwieriger Prozess ist, der nur von Spezialfirmen durchgeführt werden kann. Das macht diese Art des Chiptunings recht teuer. Beim Verkauf des Autos muss die Maßnahme angegeben werden, sonst macht sich der Verkäufer der arglistigen Täuschung schuldig.

Chiptuning via Tuning-Box

Die „Tuning-Box“ ist eine Art kleiner Zusatzcomputer, der an das Steuergerät angeschlossen wird. Sie gaukelt dem Steuergerät falsche Sensordaten vor. Dadurch wird das Motormanagement so verändert, dass die Leistung gesteigert wird. Bei dieser Methode werden von manchen Herstellern Leistungssteigerungen bis 40% versprochen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie vom Besitzer des Autos selbst durchgeführt werden kann. Das Zusatzgerät ist meist recht schnell verbaut. Nachteilig ist, dass diese hohe Motorleistung meist zu Lasten der Lebensdauer geht. Außerdem muss diese Maßnahme zwingend beim TÜV oder einer anderen Prüfstelle eingetragen werden, sonst verliert das Auto seine allgemeine Betriebserlaubnis. Um eintragungsfähig zu sein, muss entweder eine Einzelabnahme durchgeführt werden oder für die verwendete Tuning-Box ein Gutachten vorliegen. Jedoch besteht die Hauptgefahr bei der Leistungssteigerung über die Tuning Box vor allem durch die Überlastung des gesamten Antriebsstrangs. Durch dieses Chiptuning werden die Komponenten möglicherweise stark in Mitleidenschaft gezogen.

Effekte durch das Chiptuning

Mithilfe des Chiptunings wird die Motorsteuerung so verändert, dass teilweise enorme Leistungszuwächse möglich sind. Als Hauptparameter gelten dabei der Zündzeitpunkt, die Einspritzmenge und die Kompression in der Brennkammer.

Das Steuergerät kann jedoch nur zwei dieser Faktoren aktiv steuern: Der Zündzeitpunkt ist der Zeitpunkt, an dem die Zündkerze ihren Funken abgibt. Diesen Parameter gibt es nur bei Benzinfahrzeugen. Bei Dieselfahrzeugen entfällt auch dieser Faktor.
Das Kraftstoff/Luft Gemisch wird vom Steuergerät durch die Einspritzdüsen geregelt. Die Menge der angesaugten Luft kann dabei nicht aktiv verändert werden, sondern nur die Menge des Kraftstoffs. Eine Ausnahme ist lediglich der zuschaltbare Kompressor. Dieses Feature ist jedoch nur in sehr wenigen Fahrzeugen verbaut.

Wichtig: Zu üppige Versprechungen von Tuning-Firmen sollten kritisch hinterfragt werden. Eine Überbelastung des Motors kann zu Schäden an diversen Komponenten führen. Etwaige Garantieansprüche entfallen, weil die Steuerung durch das Chiptuning manipuliert wurde. Auch müssen die Kfz-Versicherung und die Zulassungsstelle über die Leistungssteigerung informiert werden.


Andere Möglichkeiten der Leistungssteigerung

Neben den Manipulationen der Motorsteuerung stehen dem Nutzer eines Autos auch andere Möglichkeiten der Leistungssteigerung zur Verfügung. Die Auswahl ist hier recht groß und reicht von sehr einfachen und praktisch kostenlosen Maßnahmen bis zu tiefen Umbauten am Motor. In der Branche haben sich die sogenannten „Stages“, also Leistungsstufen, bei der Bezeichnung der unterschiedlichen Arten der Leistungssteigerung etabliert. Dazu gehört auch die Kennfeldoptimierung, bei dem das Steuergerät auf die tatsächlichen Umgebungswerte angepasst wird.

Risiken beim Chiptuning

Das Chiptuning ist ein Eingriff in das zentrale Motormanagement. Im dezenten Umfang bis ca. 10% Leistungssteigerung muss man nur in seltenen Fällen mit Folgeschäden am Motor rechnen, wenngleich ein Restrisiko bleibt. Je mehr Leistung aber über diesen Weg vom Fahrzeug abverlangt wird, desto größer wird das Risiko für den Motor und alle anderen Komponenten. Das betrifft auch die Kupplung, das Getriebe, die Abgasanlage und die Bremsanlage. Diese Komponenten sind auf die ursprüngliche Leistung ausgelegt. Um Gewicht und Kosten zu sparen, sind bei diesen Bauteilen die Toleranzen nach oben sehr eng. Wenn also eine Kupplung, die auf X Newtonmeter Drehmoment ausgelegt ist, plötzlich mit X + 40% Drehmoment belastet wird, kann sie nur mit einem erhöhten Verschleiß reagieren. Gleiches gilt für alle anderen erwähnten Bauteile.

Chiptuning und Garantie

Wurde an einem Auto eine professionelle Kennfeldoptimierung bei einem zertifizierten Fachbetrieb durchgeführt, erhält man die damit verbundene Gewährleistung. Jedoch sollte man sich stets darüber im Klaren sein, dass die Beweispflicht beim Nutzer liegt: Trägt ein Auto einen Motorschaden nach einer Kennfeldoptimierung davon, muss der Nutzer nachweisen, dass bei dem Chiptuning ein Fehler gemacht wurde. Aus diesem Grund lehnen viele Dienstleister die Kennfeldoptimierung ab einem bestimmten Kilometerstand aus bzw. führen sie nur unter schriftlichen Ausschluss jeglicher Gewährleistung durch.

Bei den Tuning-Kits kommt erschwerend hinzu, dass der Einbau meistens durch den Nutzer selbst erfolgt. Das macht es nochmals schwieriger, dem Hersteller einen Fehler bei seinem Bauteil nachzuweisen.

In Summe ist die Frage nach der Gewährleistung und Garantie für das Auto bei einer Chiptuning-Maßnahme eher rhetorischer Natur. Theoretisch unterliegen alle Dienstleister und Hersteller der gesetzlichen Gewährleistungspflicht von zwei Jahren. Praktisch ist sie jedoch in diesem Fall besonders schwer umsetzbar. Eine Zusatzversicherung dafür gibt es nicht. Jedoch muss die leistungssteigernde Maßnahme zwingend der eigenen KFZ-Versicherung mitgeteilt werden. Sie kann sonst die Zahlung im Schadensfall ganz oder teilweise verweigern.

Rechtsfragen rund um das Chiptuning

Das Chiptuning ist erlaubt wenn

  • ein zertifizierter Dienstleister die Kennfeldoptimierung durchgeführt hat,
  • die eingebaute Zusatzbox ein Teilegutachten besitzt,
  • die leistungssteigernde Maßnahme in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist und
  • die Versicherung über die leistungssteigernde Maßnahme informiert wurde.

 

Bei allen anderen Maßnahmen, Umbauten, Veränderungen, Neuprogrammierungen erlischt die ABE. Dies hat folgende Konsequenzen:

  • Das Fahrzeug kann jederzeit bei einer polizeilichen Kontrolle still gesetzt werden.
  • Bei Unfällen kann die Versicherung die Ausgleichszahlung ganz oder teilweise verweigern.
  • Es erfolgt eine Anzeige wegen Führens eines nicht genehmigten Fahrzeugs.

 

In Summe kann ein illegales Chiptuning zu hohen Geldbußen und sehr empfindlichen Rechtsfolgen führen.

Den richtigen Dienstleister wählen

Grundsätzlich abzuraten ist von allen Maßnahmen rund um das Chip- und Motortuning, die der Nutzer selbst durchführen will. Ideal ist eine Werkstatt, welche nicht nur die Kennfeldoptimierung und den Einbau des Tuning-Kits anbietet, sondern darüber hinaus sich auch um die Eintragung in die Fahrzeugpapiere kümmert. Mit dieser Kombination hat der Nutzer folgende Vorteile:

  • Durchführung einer garantiert legalen Maßnahme
  • Legalisierung der Maßnahme durch Eintragung in die Papiere
  • Volle Garantieleistung
  • Ausschluss des Risikos, beim Einbau Fehler zu machen.

 

Das verteuert zwar die Leistungssteigerung etwas. Angesichts der hohen Gefahren sollte es aber diesen Preis wert sein.