Fahrzeugpapiere & Dokumente – das sollten Sie darüber wissen

Schon im theoretischen Fahrschulunterricht lernen angehende Autofahrer die Bedeutung der Fahrzeugpapiere kennen. Schließlich muss jeder Fahrzeugführer die Dokumente auf Verlangen vorzeigen können. Doch nicht alle Unterlagen gehören auch ins Fahrzeug, denn so manches Dokument ist zu Hause sicherer aufbewahrt. Und manchmal müssen die Angaben in den Fahrzeugpapieren auch geändert werden: beispielsweise nach einem Umzug oder wenn sich durch eine Heirat der Familienname ändert. Welche Dokumente zu den Fahrzeugpapieren gehören, wo sie aufbewahrt beziehungsweise mitgeführt werden müssen und was es sonst noch zu beachten gibt, klärt der folgende Beitrag.

Sonderfall Führerschein und Personalausweis
Führerschein und Personalausweise gehören nicht zu den offiziellen Fahrzeugpapieren, dennoch sollten beide Dokumente stets mitgeführt werden. Schließlich beweist der gültige Führerschein, dass der Inhaber zum Führen eines Fahrzeugs berechtigt ist. Wer den Führerschein im Auto auf Verlangen nicht vorzeigen kann, muss mit einem Verwarnungsgeld rechnen. Der Personalausweis ist dagegen ein Identitätsnachweis und ein Personaldokument. Er muss zwar nicht zwingend mitgeführt werden (Ausnahme ist die Ausweispflicht für Arbeitskräfte in bestimmten Branchen), es empfiehlt sich aber, ihn freiwillig mitzuführen, da sich dadurch Unannehmlichkeiten vermeiden lassen. Wer bei einer Verkehrskontrolle oder nach einem Verkehrsunfall keinen Personalausweis vorzeigen kann, muss zur Feststellung der Identität nämlich in der Regel mit zur Wache kommen.
Ebenfalls nicht zu den offiziellen Fahrzeugpapieren gehört die Grüne Versicherungskarte. Wer ins innereuropäische Ausland fährt, sollte sie jedoch auf jeden Fall mitführen.

Die Fahrzeugpapiere im Überblick

Zu den Fahrzeugpapieren gehören die Zulassungsbescheinigungen Teil I und Teil II, der HU- beziehungsweise TÜV-Bericht, die Betriebserlaubnis (beispielsweise für Anbauteile oder Tuningteile) sowie die sogenannten COC-Papiere. Nachfolgend stellen wir die einzelnen Dokumente ausführlich vor.

Die Zulassungsbescheinigungen Teil I und Teil II

Für neu angemeldete Fahrzeuge gibt es seit dem Jahre 2005 neue EU-Zulassungspapiere, die sich aus der Zulassungsbescheinigung Teil I, dem ehemaligen Fahrzeugschein, und der Zulassungsbescheinigung Teil II, dem ehemaligen Fahrzeugbrief, zusammensetzen. Die neuen Papiere bieten eine verbesserte Fälschungssicherheit, eine Vereinheitlichung der Datenfelder sowie die damit verbundene EU-weite Lesbarkeit. Merkmale der neuen Zulassungsbescheinigungen sind unter anderem Wasserzeichen, Mikroschrift und fluoreszierende Fasern. Bei einem Verkauf des Fahrzeugs müssen beide Dokumente an den neuen Käufer übergeben werden.
Die Papiere unterscheiden sich übrigens in erster Linie durch ein wesentliches Merkmal: Der Fahrzeugschein, also die Zulassungsbescheinigung Teil I, definiert den Halter eines Fahrzeugs und berechtigt die jeweilige Person zur Nutzung des Autos. Der Fahrzeugbrief dagegen nennt den Eigentümer, der aber nicht unbedingt der Fahrzeughalter sein muss.

Die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)

Die Zulassungsbescheinigung Teil I enthält alle technischen Daten eines Fahrzeugs, die innerhalb Europas zur Zulassung eines Kfz vorliegen müssen. Die technischen Fahrzeugdaten werden alphanumerischen Codes zugeordnet, die EU-weit einheitlich sind. Weiterhin sind Name und Anschrift von der Person, auf die das Fahrzeug zugelassen ist, aufgeführt. Zu den weiteren Angaben gehören das amtliche Kennzeichen sowie Vermerke über die Hauptuntersuchung.
Gut zu wissen: Die im Fahrzeugschein angegebene Rad-/Reifenkombination muss nicht zwingend montiert sein. Grundsätzlich dürfen nach aktuell geltendem Recht alle entsprechend der Fahrzeug-ABE oder EG-Betriebserlaubnis genehmigten Kombinationen gefahren werden. Die Zulässigkeit einer von der Fahrzeug-ABE oder EG-Betriebserlaubnis abweichenden Rad-/Reifenkombination muss jedoch nach wie vor durch eine Eintragung in der Zulassungsbescheinigung Teil I, eine ABE für die Rad-/Reifenkombination oder eine Anbaubescheinigung aufgrund eines Teilegutachtens nachgewiesen werden.

Nur das Original mitführen

Ausgestellt wird die Zulassungsbescheinigung Teil I von der Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörde (Straßenverkehrsbehörde). Sie stellt die Identifizierung eines zulassungspflichtigen Fahrzeugs sicher und gilt offiziell als Urkunde, das heißt, bei Missbrauch kann § 267 StGB (Urkundenfälschung) angewendet werden. Die Zulassungsbescheinigung Teil I ist beim Fahren eines Kfz ständig mitzuführen (§ 11 Abs. 6 FZV). Das Dokument darf beim Verlassen des Fahrzeugs aber nicht im Auto verbleiben, damit einem möglichen Fahrzeugdieb keine Berechtigung zum Führen dieses Kfz gegeben wird. Wer den Fahrzeugschein bei einer Polizeikontrolle nicht vorzeigen kann, begeht gemäß § 48 Nr. 5 FZV eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Verwarnungsgeld von derzeit 10,00 Euro (Stand: Oktober 2018) rechnen. Gleiches gilt übrigens auch, wenn nur eine Kopie der Zulassungsbescheinigung Teil I vorgezeigt wird. Kopien gelten bei Polizeikontrollen grundsätzlich nicht als gültige Dokumente: auch dann nicht, wenn sie beglaubigt wurden. Besonders folgenreich kann außerdem eine Farbkopie sein: Im schlimmsten Fall kann sie nach § 267 Strafgesetzbuch (StGB) als Urkundenfälschung ausgelegt werden!

Die Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief)

Die Zulassungsbescheinigung Teil II kennen viele Autofahrer noch unter der Bezeichnung Fahrzeugbrief. Sie ist sozusagen die Besitzurkunde und wird für jedes zulassungspflichtige Kfz ausgestellt. Seit Januar 2018 verfügt sie über einen speziellen Sicherheitscode für internetbasierte Zulassungsverfahren.
Ganz wichtig: Das Dokument dient zwar der Identifizierung eines Fahrzeugs, es sollte jedoch auf keinen Fall im Auto mitgeführt, sondern an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Versicherungen werten die Aufbewahrung im Auto sogar als grobe Fahrlässigkeit. Der Fahrzeugbrief verbleibt generell immer beim Eigentümer, auch wenn dieser vielleicht gar nicht selbst der Halter ist. Beispiel: Bei einem Finanzierungskauf behält die jeweilige Bank als Kreditgeber das Dokument, und zwar so lange, bis das Fahrzeug komplett abbezahlt ist. Gleiches gilt auch für Leasingverträge.
Ohne die Zulassungsbescheinigung Teil II kann eine Zulassungsstelle kein amtliches Kennzeichen zuteilen und auch keine Halteränderung vornehmen.

Die Inhalte des Fahrzeugbriefs

Enthalten sind die vom Hersteller vergebene Fahrzeug-Identifizierungsnummer (früher unter dem Namen Fahrgestellnummer bekannt), Herstellerschlüsselnummer (HSN) und Typschlüsselnummer (TSN), Schadstoffschlüssel sowie Angaben über Besitzer und Vorbesitzer.
Mit Einführung der neuen Zulassungsbescheinigung Teil II im Jahre 2005 kam es zu einigen kleinen Änderungen. Eingetragen werden mittlerweile nämlich nur noch der jeweils aktuelle Eigentümer sowie der vorherige Eigentümer des Fahrzeugs. Vorher war es möglich, bis zu sechs ehemalige Eigentümer aufzuführen, diese Regelung wurde jedoch aus Datenschutzgründen abgeschafft. Weiterhin erfasst werden aber der Tag der Erstzulassung und die Anzahl der früheren Halter, da dies der Wertermittlung eines Fahrzeugs dient.
Wer sein Fahrzeug vorübergehend abmeldet, sollte am besten beide Zulassungsbescheinigungen aufbewahren, damit sie bei einer eventuellen Wiederzulassung in Deutschland beziehungsweise in einem EU-Mitgliedsland vorgelegt werden können.

Der HU-Bericht (TÜV-Bericht)

Mit der Hauptuntersuchung, umgangssprachlich einfach nur „der TÜV“ genannt, wird gewährleistet, dass ein Kraftfahrzeug unabhängig von Kilometerstand und Alter die gesetzlich geforderten Sicherheitsstandards erfüllt. Sie erfolgt in der Regel alle 24 Monate und darf grundsätzlich nicht versäumt werden. Der jeweilige HU- oder TÜV-Bericht muss vom Fahrzeughalter gemäß Straßenverkehrszulassungs-Ordnung (StVZO) mindestens bis zur nächsten Hauptuntersuchung aufbewahrt werden. Außerdem muss der Fahrzeughalter in der Lage sein, den Untersuchungsbericht der Zulassungsbehörde oder der Polizei auf Verlangen vorzuweisen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kraftfahrzeughalter und -führer verpflichtet sind, den HU-Bericht ständig mitzuführen: Er darf also ruhig zu Hause bleiben. Und da auch die Abgasuntersuchung (AU) mittlerweile ein Teil der HU ist, muss die AU-Bescheinigung somit ebenfalls nicht mehr mitgeführt werden. Es empfiehlt sich daher, die Dokumente zu Hause an einem sicheren Ort aufzubewahren.

Bei Verlust eine Zweitschrift anfordern

Falls ein Fahrzeughalter den TÜV-Bericht verliert oder verlegt, benötigt er Ersatzpapiere. Die Prüfstelle, die das nicht mehr auffindbare TÜV-Gutachten ausgestellt hat, kann in der Regel ohne Probleme eine sogenannte Zweitschrift anfertigen, denn die Prüforganisationen speichern alle Daten, die für die HU und den Bericht relevant sind, ab. Eine erneute, außerplanmäßige Hauptuntersuchung ist in diesem Fall also nicht erforderlich. Die Zweitschrift enthält dann einen Vermerk, dass es sich bei dem Dokument um einen erneuten Ausdruck des Originalberichtes handelt. Für die Ausstellung der Zweitschrift wird zudem eine Gebühr fällig.

Die Betriebserlaubnis für Teile

Einfach anzubringende Tuning- oder Bauteile, Zubehör wie Standheizungen und Anhängerkupplungen sowie Leichtmetallräder, die laut Fahrzeugschein zugelassen sind, bekommen üblicherweise eine Allgemeine Betriebserlaubnis. Diese ABE für Fahrzeugteile muss zusammen mit den Fahrzeugpapieren mitgeführt werden. Wer sie nicht mitführt, muss mit einem Verwarngeld rechnen. Stellt sich bei einer Kontrolle heraus, dass der vorgeschriebene Verwendungszweck des Bauteils unzureichend oder gar nicht eingehalten wurde, kann die ABE erlöschen.
Die Allgemeine Betriebserlaubnis für Teile wird vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ausgegeben. Sie gibt die entsprechenden Teile für die Verwendung beziehungsweise Montage an bestimmten Fahrzeugen frei. In dem Dokument, das den neu gekauften Teilen beiliegen sollte, werden wichtige Details festgehalten. So wird beispielsweise aufgeführt, welchen Verwendungszweck das Bauteil hat, für welche Fahrzeugtypen es zulässig ist und welche Anforderungen an die Montage gestellt werden. Die ABE für Fahrzeugteile wird immer nur für ein bestimmtes Bauteil vergeben. Wenn ein technisches Bauteil oder Tuningteil in der EU zugelassen ist, erhält es das E-Prüfzeichen. Bauteile mit E-Prüfzeichen dürfen somit bedenkenlos eingebaut werden, sofern die Montage den Vorschriften im Fahrzeugschein entspricht, eine gesonderte EG-Betriebserlaubnis ist in diesem Fall nicht erforderlich.
In besonderen Fällen kann es erforderlich sein, dass der Einbau vom TÜV beziehungsweise von der DEKRA abgenommen werden muss. Entsprechende Hinweise sind dem Zertifikat des jeweiligen Bauteils zu entnehmen.

Die COC-Papiere

CoC ist die Abkürzung für „Certificate of Conformity“ und steht für die EWG-Übereinstimmungserklärung. Die COC-Papiere sind ein Nachweis dafür, dass ein Kraftfahrzeug mit der EG-Betriebserlaubnis übereinstimmt und somit alle gesetzlich vorgegebenen Standards in puncto Sicherheits- und Umweltbestimmungen erfüllt.
COC-Papiere gibt es schon seit 1993, doch erst drei Jahre später wurden sie auch in Deutschland verpflichtend eingeführt.
Grundsätzlich umfassen die COC-Papiere wichtige Merkmale und technische Details des Fahrzeugs. Dazu gehören Marke, Typ und Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), Abmessungen, Höchstgeschwindigkeit und Abgasverhalten, aber auch Kraftstoff, Hubvolumen und Geräuschpegel.
Prinzipiell sind die Autobauer dazu verpflichtet, jedem Neufahrzeug die COC-Papiere beizulegen. Wer allerdings einen Gebrauchtwagen kauft, der auf den Markt kam, bevor die COC-Papiere zur Pflicht wurden, kann und sollte die Dokumente beim Hersteller anfordern.
COC-Papiere bieten eine höchstmögliche Fälschungssicherheit, da sie aus besonderem Papier bestehen und entweder mit einem Wasserzeichen oder einer anderen grafischen Darstellung versehen sind. Sie müssen nicht ständig mitgeführt werden, in manchen Fällen bietet sich das Mitführen aber an. Beispielsweise dann, wenn am Fahrzeug eine andere Reifengröße angebracht ist, als in der Zulassungsbescheinigung Teil I angegeben. Hier empfiehlt es sich, eine Kopie der COC-Dokumente anzufertigen und ins Auto zu legen. Das Original ist jedoch eine wichtige Urkunde, die am besten zu Hause verwahrt wird: idealerweise zusammen mit anderen Kfz-Unterlagen wie beispielsweise dem Kaufvertrag.

Fahrzeugpapiere: mehr als nur lästiger Papierkram

Fahrzeugpapiere sind äußerst wichtige Dokumente: Jeder Fahrzeughalter und -führer sollte sie sorgsam behandeln und sie je nach Art im Auto mitführen oder zu Hause aufbewahren. Bei einem eventuellen Verlust lässt sich in der Regel Ersatz beschaffen, was allerdings mit einem gewissen Aufwand und oft auch mit Kosten verbunden ist. Kosten entstehen jedoch auch dann, wenn die Papiere bei einer Polizeikontrolle nicht vorgezeigt werden können.