Die alternativen Kraftstoffe und Antriebe im Detail

Fahrer von klassischen Benzinern müssen in Zukunft ebenso mit Verteuerungen und Nachteilen rechnen wie all jene, die Diesel tanken. Neben Preiserhöhungen sind es vor allem die gesetzlichen Anforderungen und drohende Fahrverbote, die Autofahrer in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken und für Ärger sorgen. Höchste Zeit also, auf einen günstigeren und umweltfreundlicheren Kraftstoff umzusteigen.

Folgender Ratgeber klärt über die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Kraftstoffe auf und gibt wertvolle Tipps zum Umrüsten, Tanken und Fahren.


Sinnvolle Alternative für Sparfüchse: Autogas

Bei Autogas handelt es sich um eine Mischung aus Propan und Butan, die mithilfe von Druck in einen flüssigen Zustand versetzt wurde. Diese Kraftstoffart wird daher auch als LPG bezeichnet – kurz für „Liquified Petroleum Gas“, was „verflüssigtes Petroleumgas“ bedeutet. In der Europäischen Union ist Autogas auch unter der Bezeichnung GPL bekannt. Die Abkürzung kommt aus dem Französischen und bedeutet „Gaz de Petrole“. LPG findet noch nicht lange als Kraftstoff Verwendung – ursprünglich war es lediglich ein Abfallprodukt aus der Raffination anderer Kraftstoffe (Diesel, Benzin) sowie aus der Ölförderung. Heute dient es nicht nur als Kraftstoff für Autos, sondern auch als Gas für Camping-Gasflaschen und Feuerzeuge. Wer sich für die Anschaffung eines Autogas-Fahrzeugs entscheidet oder sein Kraftfahrzeug auf Autogas umrüstet, profitiert unter anderem von etwa 50 Prozent geringeren Spritkosten, einem ruhigen Motorlauf und einer Wertsteigerung für das eigene Auto. Auch das Tanken gestaltet sich unkompliziert: Mit etwa 6.500 Tankstellen in ganz Deutschland ist eine flächendeckende Versorgung gewährleistet.

Erdgas: volle Leistung dank CNG

Erdgas, kurz CNG („Compressed Natural Gas“), zeichnet sich durch einen sehr geringen Ausstoß an Kohlendioxid aus. Wer sich für Bio-Erdgas entscheidet, fährt besonders umweltfreundlich, denn Bio-Erdgas wird fast gänzlich aus organischen Abfallstoffen hergestellt. In jedem Fall gilt: Erdgas ist preisgünstig und bundesweit an über 900 Tankstellen erhältlich – Tendenz steigend. Mit der Nachfrage an Erdgas-Autos steigt auch das Angebot an Modellen verschiedener Hersteller. Die Leistung eines Erdgas-Autos steht der von Benzinern in nichts nach. Wer auf Autogas umsteigen möchte, informiert sich am besten bei den verschiedenen Herstellern, ob aktuell Wechselprämien angeboten werden. Auch viele Energieversorger belohnen den Umstieg auf Erdgas mit attraktiven Anschaffungsprämien. Im direkten Vergleich zu Autogas erweist sich die Erdgasumrüstung jedoch als relativ kompliziert und kostspielig. Oftmals werden entsprechende Fahrzeuge deshalb ab Werk mit der Erdgasanlage ausgerüstet.


Leise, sparsam, umweltfreundlich: mit Elektrizität betriebene Autos

Ähnlich wie Fahrzeuge, die mit Autogas oder Erdgas betrieben werden, überzeugen auch Elektroautos mit geringen Geräuschemissionen. Da E-Autos keine Abgase erzeugen, sind sie im Betrieb ausgesprochen umweltfreundlich. Allerdings fallen auch für die Stromerzeugung und bei der Herstellung des Autos CO2-Emissionen an. Fahrzeughalter profitieren davon, dass sie Umweltzonen bedenkenlos befahren können. Des Weiteren ist das Fahren mit einem E-Auto ausgesprochen günstig: Der Verbrauch liegt beispielsweise beim Nissan Leaf bei rund 4 Euro pro 100 Kilometer Fahrt (Stand 2016). Steuern und Versicherungsbeiträge fallen ebenfalls sehr niedrig aus, sodass die Anschaffung eines Elektroautos in jedem Fall eine Überlegung wert ist.Fahrer von E-Mobilen sparen außerdem in der Werkstatt, denn Elektromotoren sind häufig unkomplizierter zu warten als klassische Verbrennungsmotoren. Einziges Manko ist die lange Ladezeit der Batterien. Hier muss mit Wartezeiten von bis zu zehn Stunden gerechnet werden. Die Reichweite eines Elektroautos liegt zwischen 80 und 500 Kilometern, wobei große Reichweiten fast ausschließlich von E-Autos aus dem höheren Preissegment erreicht werden. Für gelegentliche Fahrten in der Stadt ist das Elektromobil aber durchaus eine sinnvolle Alternative.

Frei durchatmen dank Wasserstoff-Autos

Wasserstoff-Autos sind mit einer sogenannten Brennstoffzelle ausgestattet, die Wasserstoff und Sauerstoff verbrennt und dabei Energie erzeugt. Die Energie wird direkt in Bewegung umgewandelt oder in einer Batterie zwischengespeichert. Um diesen Prozess zu optimieren, wird die Brennstoffzelle um kleine Elektromotoren ergänzt, die sich mithilfe eines Generators selbstständig wieder aufladen. Der elektrische Speicher entlastet die Brennstoffzelle.Wasserstoff und Sauerstoff liegen entweder als Gas oder in flüssiger Form vor. Während der Verbrennung entstehen keine Abgase, sondern lediglich neutraler Wasserdampf. Ein wesentlicher Vorteil von Wasserstoff-Autos besteht in den niedrigen laufenden Kosten, denn Wasserstoff ist viel günstiger als Benzin. Ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug schont also nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel. Viele Fahrer scheuen dennoch das vermeintlich hohe Risiko, das von einem Wasserstoff-Auto ausgeht. Autohersteller geben jedoch Entwarnung: Wasserstoff sei zwar hoch entzündlich, dennoch sind Wasserstoff-Fahrzeuge nicht gefährlicher als andere Fahrzeugarten. Wer sich für ein Wasserstoff-Auto entscheidet, muss vor allem mit einem rechnen: Ruhe, denn die Fahrzeuge verursachen keinerlei Motorengeräusche. In puncto Tankstellenversorgung besteht hingegen noch ein großer Verbesserungsbedarf. Wer den Kauf eines Wasserstoff-Autos in Betracht zieht, sollte sich also zunächst über das Tankstellenangebot in der Nähe informieren.

Bioethanol: ohne Leistungseinbußen die Umwelt schonen

Bioethanol ist auch unter der Bezeichnung E85 bekannt. Es handelt sich um ein Gemisch aus 85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent Benzin. Das Benzin fungiert in diesem Fall lediglich als Additiv, welches zur Verbesserung der Starteigenschaften beiträgt. Ähnlich wie andere alternative Kraftstoffe ist auch Bioethanol weitaus günstiger als Benzin- und Dieselkraftstoffe: Die Ersparnis liegt bei rund 30 Prozent. Außerdem wirkt sich Bioethanol positiv auf die Fahrzeugleistung aus, was vor allem der höheren Oktanzahl des Ethanols geschuldet ist. E85 ist also besonders klopffest. Wer sich kein fabrikneues E-85-Fahrzeug zulegen möchte, kann seinen alten Benziner umrüsten – vorausgesetzt, die Kraftstoffleitungen und der Benzintank sind resistent gegenüber Alkohol. In jedem Fall leisten Fahrzeughalter durch den Umstieg auf Bioethanol einen Beitrag zum Umweltschutz. Da Bioethanol während des Verbrennungsprozesses keine karzinogenen Stoffe ausstößt, ist dieser Kraftstoff zudem wesentlich besser für die Gesundheit – für die eigene und die der Mitmenschen. Leider gibt es in Deutschland nur wenige Tankstellen, die Bioethanol anbieten. Das liegt unter anderem daran, dass für die Herstellung von Bioethanol aufwendige Genehmigungsverfahren zu durchlaufen sind. Außerdem müssen Tankstellenbesitzer beim Nachrüsten ihrer Anlagen hohe Kosten in Kauf nehmen.

Fazit

Immer mehr Fahrzeughalter erkennen, welchen besonderen Stellenwert umweltbewusstes Fahren einnimmt. Alternative Kraftstoffe wie Autogas, Erdgas, Strom, Wasserstoff und Bioethanol sind sowohl für den Fahrer als auch für die Umwelt ein Gewinn. Bei der Wahl der richtigen Kraftstoffalternative sollten lediglich die Initialkosten sowie die Verfügbarkeit der Kraftstoffe in Deutschland beachtet werden.