Das Brauchtumsfahrzeuggutachten

Im Karneval ist alles erlaubt – oder doch nicht? Angesichts der Fahrzeuge auf Rosenmontagszügen stellt sich automatisch die Frage nach der Sicherheit. Was bei diesen und weiteren Veranstaltungen erlaubt ist, wird unter anderem anhand von Brauchtumsfahrzeuggutachten entschieden. Wo und wie ein solches Gutachten für Umzugswagen erstellt wird, erfahren Sie hier.

Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge – Zweck und Inhalt

Kein Fahrzeug darf ohne Weiteres mit großen Figuren oder Menschen auf der Ladefläche am normalen Straßenverkehr teilnehmen. Für Brauchtumsveranstaltungen wie beispielsweise den Straßenkarneval gelten jedoch Ausnahmen von der StVZO und der StVO – unter Berücksichtigung der Sicherheit aller Teilnehmer. Die Einzelheiten regelt die sogenannte StVR-AusnahmeVO. Da zwischen den Wagen hinsichtlich der Auslastung, der Abmessungen und der technischen Voraussetzungen erhebliche Unterschiede bestehen können, ist für jedes Fahrzeug vorab ein individuelles Brauchtumsfahrzeuggutachten zu erstellen.

Voraussetzung für die Zulassung ist der Nachweis einer Betriebserlaubnis (es sei denn, das Fahrzeug darf aufgrund seiner Bauart nicht schneller als 6 km/h fahren). Wesentliche Veränderungen an Teilen wie Anhängerkupplungen und Zugdeichseln, Bremsen und Lenkung oder zu große bzw. zu schwere Aufbauten müssen im Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge genehmigt werden. Ein amtlich anerkannter Sachverständiger überprüft für das Brauchtumsfahrzeuggutachten jeden Wagen auf Verkehrssicherheit. Auf der Basis seines Gutachtens für Brauchtumsfahrzeuge kann der TÜV in Abhängigkeit vom Einsatzort und Zweck auch Genehmigungen für Wagen erteilen, die in einzelnen Punkten von den allgemeinen Bestimmungen der StVZO bzw. StVO abweichen.

Geltungsbereich von Brauchtumsfahrzeuggutachten

Neben allen Fahrzeugen, die auf örtlichen Brauchtumsveranstaltungen wie Prozessionen aller Art zum Einsatz kommen, sind auch Zugmaschinen von dieser Regelung betroffen, sofern sie für einen der folgenden Zwecke vorgesehen sind:

  • örtliche Brauchtumsveranstaltungen
  • nicht gewerbsmäßig durchgeführte Altmaterialsammlungen und Aktionen zur Landschaftssäuberung
  • Feuerwehreinsätze oder -übungen
  • Feldrundfahrten oder Ähnliches
  • An- und Abfahrt zu oder von solchen Veranstaltungen

 

Wann ist ein Brauchtumsfahrzeuggutachten erforderlich und was wird geprüft?

In folgenden Fällen ist eine Sondergenehmigung und damit ein Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge erforderlich:

  • der Wagen hat keine Feststellbremse
  • die Verbindungen zwischen Fahrzeugen weisen nicht genehmigte unsachgemäße Änderungen – wie etwa Reparaturen – oder Beschädigungen auf
  • die gemäß § 32 und § 34 zulässigen Abmessungen, Achslasten und/oder Gesamtgewichte der Fahrzeuge werden überschritten

 
Aus versicherungstechnischen Gründen wird jedoch von den Veranstaltern für jedes Fahrzeug ein aktuelles Brauchtumsfahrzeuggutachten verlangt. Für ein Brauchtumsfahrzeuggutachten prüft der Sachverständige auch die Einhaltung von Vorschriften, für die keine Ausnahmen gemacht werden können. Diese betreffen:

  • die Belastbarkeit der Räder und Reifen
  • die Einhaltung der Sicherungsvorschriften für Personen auf den Wagen (rutschfeste Stehflächen, Brüstungen, Ein- und Ausstiege, Sitzgelegenheiten etc.)
  • Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit der Lichtanlagen (außerhalb abgesperrter Strecken)
  • korrekt angebrachtes Geschwindigkeitsschild mit Angaben zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit (außerhalb abgesperrter Strecken)
  • Vorliegen einer geeigneten Fahrerlaubnis (für Zugmaschinen bis 32 km/h Klasse L, früher Klasse 5)
  • Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Eignung des Zugfahrzeugs und der Anhängerkupplung für die Anhänger hinsichtlich Gewicht und Bremsverzögerung

 
Je nach Landkreis können zu den bundesweit gültigen Vorschriften noch spezielle hinzukommen.

Diese Informationen sind im Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge enthalten

Das Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge enthält neben den Kenndaten des Fahrzeugs zur Identifizierung:

  • den Einsatzzweck mit oder ohne Personenbeförderung, ggf. mit Sitz- und Stehplatzanzahl
  • eine Beschreibung des Aufbaus mit Bild
  • allgemeine technische Fahrzeugdaten (Maße, zul. Gesamtgewicht/Achslast, Achsenanzahl, Lenkung, Bremsen, Verbindungseinrichtungen)
  • Sicherheitsvorkehrungen für die Beförderung von Personen
  • Angaben zu Auflagen und Beschränkungen für An- und Abfahrten hinsichtlich Beleuchtung, Fahrgeschwindigkeit, Sicherung von Aufbauten, Personenbeförderung und Eigenschaften des Zugfahrzeugs sowie
  • Auflagen während der Veranstaltung
  • ggf. weitere Auflagen und Beschränkungen
  • die Geltungsdauer des Gutachtens

 

Ort der Begutachtung, erforderliche Dokumente und Kosten

Die Prüfung für das Brauchtumsfahrzeuggutachten muss an einem Ort stattfinden, an dem alle zu prüfenden Fahrzeuge vorhanden und Probefahrten einschließlich Probebremsungen möglich sind.

Für ein Brauchtumsfahrzeuggutachten sind Personalausweis, Führerschein und Fahrzeugschein vorzulegen. Auch eventuell bereits vorhandene Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge sollten griffbereit sein.

Der Sachverständige berechnet sein Honorar nach Zeitaufwand. Ein Gespräch über die zu erwartenden Kosten vorab ist empfehlenswert. Dreistellige Beträge pro Fahrzeug sind bei Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge möglich. Werden mehrere Fahrzeuge zum selben Termin vorgestellt, spart man Geld. Wenn bereits ein älteres Brauchtumsfahrzeuggutachten vorliegt, kann sich dies ebenfalls positiv auf den Preis auswirken.


Das Brauchtumsfahrzeuggutachten – je eher, desto besser

Mit einer Zulassung gemäß StVR-AusnahmeVO können auch Fahrzeuge mit großen Aufbauten oder Personen auf der Ladefläche an Umzügen und bestimmten anderen ortsgebundenen Fahrten teilnehmen, wenn die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt ist. Hierüber entscheidet ein amtlich anerkannter Sachverständiger in einem entsprechenden Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge. Da jedes dieser Fahrzeuge einzeln begutachtet werden muss, ist eine frühzeitige Fertigstellung und Anmeldung der Wagen ratsam. Im Straßenkarneval spielen jedoch aktuelle politische Ereignisse stets eine große Rolle. Somit stellt der Zeitfaktor auf dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit unter Umständen eine besondere Herausforderung dar und ist bei der Motivwahl zu berücksichtigen. Was heute gilt, kann sich schon morgen durch das Tagesgeschehen ändern. Inwieweit sich das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Begutachtung schon im Endzustand befinden muss, lässt sich aber vorab klären.